Zukunft im Sinne der Barmherzigen Schwestern

Wie geht es weiter mit Martinsbrunn?

Freitag, 24. Juni 2016 | 13:31 Uhr

Meran – Die seit 75 Jahren von den Barmherzigen Schwestern von Meran geführte Privatklinik Martinsbrunn geht auf Basis der bestehenden strategischen Neuausrichtung in eine sichere Zukunft. Die – so wie viele Ordensgemeinschaften – von Nachwuchssorgen betroffenen Schwestern übertragen den Betrieb in die erfahrenen Hände der Stiftung St. Elisabeth. Sie sorgen damit für den Fortbestand dieser traditionsreichen Südtiroler Institution im Sinne der Werte und der Grundausrichtung der Ordensgemeinschaft  und sichern auch den Erhalt der über 100 Arbeitsplätze.

Nach 75 Jahren unter der Führung der Barmherzigen Schwestern von Meran übergeben diese Martinsbrunn nun an die „Stiftung St. Elisabeth“. Diese wurde von der Caritas, der Diözese Bozen-Brixen und der „Stiftung Liebenau“ im Jahr 2009 ins Leben gerufen. Sie handelt mit diözesanem Auftrag und ist Ansprechpartnerin für verschiedene Ordensgemeinschaften hinsichtlich der Führung von kirchlichen Einrichtungen. Die Stiftung St. Elisabeth hat ihren Schwerpunkt in der Betreuung und Pflege von Senioren und Menschen mit Beeinträchtigung und im Bereich der Weiterbildung. Sie führt bereits die traditionsreichen Südtiroler Institutionen „Jesuheim“ in Girlan und das Bildungshaus „Lichtenburg“ in Nals. Ende 2017 ist die Eröffnung des „Grieserhofes – Leben im Alter“ in Bozen und 2021 die Eröffnung des Seniorenwohnheimes in Mühlbach geplant.

Die Diözese und viele Ordensgemeinschaften haben in den vergangenen Jahrzehnten für Südtirol, für seine Menschen und seine kulturelle und soziale Entwicklung zahlreiche impulsgebende Organisationen und Einrichtungen aufgebaut. Trotz Überalterung und Nachwuchssorgen sollen diese Einrichtungen im Sinne ihrer Gründer, ihrer Entstehungsgeschichte und im Sinne des christlich-abendländischen Weltbildes und deren Werte abgesichert und weitergeführt werden. Auf diese Weise übernimmt die Kirche in unserem Land auch künftig soziale Verantwortung, so der Wunsch vieler Gemeinschaften.

1941 waren die Barmherzigen Schwestern auf der Suche nach einem Sitz für die Ordensleitung der Provinz südlich des Brenners. So konnte seinerzeit das Landgasthaus „Fallgatter“ in Gratsch für den Ordenssitz und „Martinsbrunn“ erworben werden. Die Privatklinik Martinsbrunn hat seitdem eine bewegte Geschichte mit vielen inhaltlichen Veränderungen von einer Akutklinik über die Geburtenstation bis hin zu einem Rehabilitationszentrum und Palliative Care. Die Klinik war von den Schwestern als wichtiges Betätigungsfeld aufgebaut worden, um „für die Ärmsten und Kranken da zu sein“ und galt zuletzt auch als Altersabsicherung für die Ordensgemeinschaft.

Wie in den meisten Ordensgemeinschaften waren in den letzten Jahren auch bei den Barmherzigen Schwestern von Meran leider keine Neuzugänge zu verzeichnen. Die jüngste der 73 Schwestern ist mittlerweile 68 Jahre alt. Sich der Bürde der Verantwortung für einen Betrieb mit über 100 Mitarbeitern und der Altersversorgung der Schwestern bewusst, machten sich die Schwestern auf die Suche nach einer Lösung für die Zukunft von Martinsbrunn.
Die Schwesterngemeinschaft wollte den Betrieb Martinsbrunn für die nächsten Jahrzehnte so absichern, dass dieser im Sinne der Ordensgründer weitergeführt werden kann und die Schwestern im Alter versorgt sind. Es war ihnen ein besonderes Anliegen einen strategisch und wirtschaftlich gesunden und gut aufgestellten Betrieb zu übergeben. So wurde in den letzten 5 Jahren ein auf Marktanalysen basierendes Strategiekonzept erstellt, zahlreiche Abstimmungsgespräche und Verhandlungen mit den öffentlichen Entscheidungsträgern geführt.

Martinsbrunn wird in Zukunft auf vier strategischen Säulen basieren: Senioren- und Pflegeresidenz für 90 Meraner Bürger, Palliative Care, ambulante Reha und ein Gesundheits- und Vorsorgezentrum. Die mit großer Unterstützung des Landes Südtirol und der Gemeinde Meran bei vollem Betrieb laufende Sanierung ist bereits weit fortgeschritten und kann voraussichtlich im Spätherbst 2018 abgeschlossen werden.

Parallel zur Neupositionierung und zur Sanierung des Gebäudes prüfte die Schwesterngemeinschaft in enger Abstimmung mit dem Mutterhaus und dem Generalrat der Barmherzigen Schwestern von Innsbruck verschiedene Möglichkeiten, Martinsbrunn in gute Hände zu übertragen. Es war ein langer, gut überlegter und wichtiger Prozess der Entscheidungsfindung.

Die Provinzoberin Sr. Dr. Elisabeth Pfattner wirkt sehr erleichtert, wenn sie sagt: „Es ist uns Schwestern wahrlich ein großer Stein vom Herzen gefallen, nachdem wir diese Entscheidung, Martinsbrunn ab 1. Jänner 2017 in die Obhut der Stiftung St. Elisabeth zu übergeben, getroffen haben. Nun wissen wir, dass Martinsbrunn in guten Händen ist. Die Arbeitsplätze sind abgesichert, wir Schwestern haben für unser Alter vorsorgen können und unsere Werte werden weiterhin gepflegt und gelebt werden. Ich bin allen von Herzen dankbar, die diesen Entscheidungsprozess mitgestaltet und mitgetragen haben und die nun diesen Weg mitgehen.“

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