Im Netz verbreiten sich News - aber auch Lügen - sehr schnell

Wie sich Fake-Meldungen im Netz aufdecken lassen

Freitag, 15. Juni 2018 | 14:58 Uhr

(Extra)

Immer häufiger werden wichtige Informationen von Politikern, Sportlern oder anderen Prominenten über soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook verbreitet. Mitunter sind die Äußerungen so bedeutend, dass die Medien daraus Eilmeldungen machen. Fälscher versuchen allerdings, auf diesem Wege Desinformationen zu verbreiten oder sich einen Spaß zu erlauben.

Am Freitag sorgte der Twitter-Account eines Redakteurs des Satiremagazins “Titanic” (@hrtgn) für Verwirrung, weil er in “hr Tagesgeschehen” umbenannt und dort behauptet wurde, CSU-Chef Horst Seehofer wolle das Bündnis mit der CDU aufkündigen. Der neue Name erweckte den Eindruck, es handele sich um einen Account des Hessischen Rundfunks – und damit quasi um die Recherche eines seriösen Mediums. Doch das war falsch.

Es ist seit jeher eine Grundverpflichtung im Journalismus, Informationen nur aus bekannten oder vertrauenswürdigen Quellen zu verwenden. Bei Twitter und auch Facebook soll ein Verifizierungszeichen (weißer Haken auf blauem Grund) sicherstellen, dass der Nutzer echt ist. Prominente User müssen sich bei den Netzwerken ausweisen und belegen, dass sie den Account betreiben. Doch dieser Haken allein reicht nicht für die Glaubwürdigkeit. Denn mit wenigen Handgriffen kann man auch einem verifizierten Account eine andere Identität verpassen – wie im Fall des Titanic-Redakteurs Moritz Hürtgen.

Ursprünglich stand sein Klarname in der Twitter-Biografie mit den weiteren Angaben, dass er Redakteur bei “Titanic” sei. Hürtgen änderte dann sein Profilfoto, das Hintergrundbild und seinen Klarnamen, um den Eindruck zu erwecken, von seinem Account twittere eine Redaktion des Hessischen Rundfunks. Am Freitag ruderte Hürtgen zumindest teilweise zurück. Am frühen Nachmittag wies sein Twitter-Account den Namen “Moritz Hürtgen / hr Tagesgeschehen” auf.

Wenn ein Nutzer den Verifizierungshaken erhalten hat, kann er bei Twitter seinen Account in einigen Punkten weiterhin verändern. Er kann sich einen anderen Namen geben und auch ein anderes Profilfoto hochladen. Erst wenn er sein sogenanntes Twitter-Handle (@hrtgn) verändert, verliert er automatisch seinen Verifizierungshaken.

Wer im Netz auf eine unbekannte Quelle stößt, kann in wenigen Schritten prüfen, ob es sich um eine Manipulation handelt. Wenn man beispielsweise in seinem Webbrowser nach dem Twitter-Namen @hrtgn sucht, bekommt man direkt den Nutzernamen Moritz Hürtgen mit Verweis auf das Satiremagazin “Titanic” angezeigt.

Auch ein Blick auf die früheren Tweets des Accounts führt schnell auf die richtige Spur: Bis zum 14. Juni setzte der Account @hrtgn tausende Tweets ab, in der Regel mit Nonsens-Inhalten. Erst in den letzten Stunden versuchte der Betreiber des Accounts, wie eine Redaktion des Hessischen Rundfunks zu twittern. Auch eine direkte Recherche beim Zielobjekt hilft in solchen Fällen weiter: Der Hessische Rundfunk hat keine Redaktion “Tagesgeschehen”.

Fälscher schlagen häufig dann in den sozialen Netzwerken zu, wenn die Öffentlichkeit gespannt auf konkrete Entwicklungen wartet. In diesem Fall blickte die Öffentlichkeit auf den Streit um die Flüchtlingspolitik, der die Union aus CDU und CSU zu zerreißen droht.

Der “Titanic”-Redakteur hatte bereits zu Jahresbeginn mit einer ähnlichen Aktion bundesweit für Aufsehen gesorgt. Damals lancierte Hürtgen nach Angaben seiner Redaktion einen angeblichen Schriftverkehr zwischen dem Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert und einem Russen namens Juri.

Von: APA/dpa

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