Die in Kanada gewartete Nord-Stream-Turbine: Derzeit nicht im Einsatz

Wieder “Routinewartung”: Drei Tage kein Gas durch Nordstream

Samstag, 20. August 2022 | 09:24 Uhr

Russlands staatlicher Energiekonzern Gazprom unterbricht seine Gaslieferungen nach Europa über die Pipeline Nord Stream 1 neuerlich. Diesmal soll wegen einer “einer Reihe routinemäßiger Wartungsarbeiten” vom 31.8. bis zum 2.9. kein Gas durch die Ostsee nach Deutschland fließen, teilte die Firma am Freitagabend mit. Die Ukraine bot daraufhin ihre Pipelines als Ersatz an. Die für Energie zuständige Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) übte scharfe Kritik an Moskau.

Vom 31. August bis zum 2. September werde der einzige funktionierende Kompressor gemeinsam mit Siemens Energy gewartet, so Gazprom. In dieser Zeit werde kein Gas nach Europa fließen. Sollten sich dabei keine technischen Fehler zeigen, könne der Gastransport danach mit einer Kapazität von 33 Millionen Kubikmetern pro Tag wieder aufgenommen werden. Die Menge entspricht 20 Prozent der täglichen Maximalleistung, auf die Russland die Lieferung schon vor einigen Wochen verringert hat.

Wegen angeblich nötiger Reparaturen hatte Gazprom schon seit längerem den Gasfluss auf 33 Millionen Kubikmeter gedrosselt. Um eine in Kanada reparierte Turbine zurückzuholen, bat Deutschland die Regierung in Ottawa um eine Ausnahme von den Sanktionen gegen Moskau. Doch als das Aggregat zurück in Deutschland war, zeigte Gazprom keine Eile, es einzubauen. Gazprom sprach von fehlenden Papieren. Die deutsche Regierung warf Moskau deshalb vor, die technischen Probleme nur vorzutäuschen.

Die Ukraine bot indes ihre Pipelines an. “Die Kapazitäten des ukrainischen Gastransportsystems und der Route durch Polen sind mehr als ausreichend, um die Erfüllung der Lieferverpflichtungen von russischem Gas in europäische Länder sicherzustellen”, teilte der Betreiber des ukrainischen Gasleitungsnetzes am Freitagabend in Kiew mit. Die Alternativroute biete sich “angesichts chronischer Unterbrechungen der Arbeit von Nord Stream 1” an.

Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine versuchen EU-Staaten wie Deutschland und Österreich ihre Abhängigkeit von russischem Erdgas zu verringern. Um die Speicher für die Heizsaison zu füllen, wird nach anderen Lieferanten gesucht. Österreich will seine Speicher bis November zu 80 Prozent voll haben. Nach der wiederaufgenommenen Gaslieferung bei Nord Stream 1 am 21. Juli erhielt auch Österreich wieder höhere Gasmengen aus Russland.

“Putin nutzt die Abhängigkeit Europas von russischem Gas ganz gezielt aus”, kritisierte Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) am Freitagabend einmal mehr. “Die angekündigte Unterbrechung der Gaslieferungen über Nord Stream 1 zeigt deutlich: Russland verwendet Gaslieferungen als Mittel zur Einschüchterung und Verunsicherung”, hieß es in einem schriftlichen Statement gegenüber der APA. “Russland ist kein verlässliches Gegenüber.” Man arbeite weiter mit aller Kraft daran, die österreichischen Speicher zu füllen und unabhängiger zu werden, so die für die Energie zuständige Ministerin. “Die Expertinnen und Experten gehen gegenwärtig davon aus, dass das 80-Prozent-Speicherziel weiter erreichbar ist.”

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland am Freitag vor, seine Gaspipelines zur Erpressung zu nutzen. “Russland braucht diese Pipelines nur, um in Europa Probleme zu schaffen, nicht um mit Gas zu helfen”, sagte er in Kiew. Je schneller sich die europäischen Staaten unabhängig von russischer Energie machten, desto eher würden sie ruhig durch die Winter kommen.

Die Einspeicherung erfolgt seit Anfang August in allen Gasspeichern der Alpenrepublik. Der Speicherstand der österreichischen Gasspeicher lag per 15. August bei rund 60 Prozent. Diese Menge entspricht laut Energieministerium wiederum 64 Prozent eines normalen Jahresverbrauchs in Österreich.

Von: APA/Reuters/dpa

Kommentare

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28 Kommentare auf "Wieder “Routinewartung”: Drei Tage kein Gas durch Nordstream"


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Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 14 Tage

Erklärung aus Russland: Die Turbine hat die falsche Farbe, muss zurückgeschickt werden.

schluiferer_sepp
schluiferer_sepp
Grünschnabel
1 Monat 14 Tage

@Neumi
Was kümmert die Erklärung, die Auswirkungen wirken viel mehr!
Und überhaupt, die Turbinen für NS1 stehen unter Sanktionen, da ist nichts daran zu rütteln! Haben die in Brüssel wirklich gedacht, dass sie am längeren Hebel sitzen?

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

_sepp@

die Antwort ist, JA!
das dachten sich diese Voll Profis in Bruessel (eigentlich moechte ich hier etwas anderes mit Voll …. nennen!)

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 14 Tage

@schluiferer_sepp
Die Turbine ist schon lange freigegeben zur Info.
Noch eine Info , diese Turbine ist eine ERSATZTURBINE. Das heißt es ist ein Ersatzteil für das Ersatzteillager.
Hat also nichts mit der verlogenen Begründung zu tun.

Hustinettenbaer
1 Monat 14 Tage

@Neumi
Oder die falsche Kennzeichnung. Das Z fehlt 🤪.

schluiferer_sepp
schluiferer_sepp
Grünschnabel
1 Monat 14 Tage
@OrtlerNord Es gibt mehrere Turbinen, gebaut von Siemens, deren größere Instandhaltungsarbeiten in Kanada gemacht werden müssen. Wie viele gesamt und wo die sich gerade befinden ist schwer herauszufinden. (Warum rückt keiner mit der Info raus wie viele es gibt und wo sich befinden). Eine jedenfalls ist gerade in Betrieb in NS2, diese wird jetzt ‘gewartet’. Eine andere ist in ‘Transit’. Nach deren Reparatur war die Rückgabe durch Sanktionen verhindert worden, dann wurde auf Bitten Deutschlands eine ‘Ausnahme’ gemacht. ‘Ausnahme’ wohlgemerkt! Du schriebst auch “Noch eine Info , diese Turbine ist eine ERSATZTURBINE. Das heißt es ist ein Ersatzteil für das… Weiterlesen »
OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 13 Tage

@schluiferer_sepp
Mehrere Fehler
Du schreibst die gewartet Turbine ist NS 2.
Die ist noch nicht mal in Betrieb!
Die gewartet Turbine ist vor über einem halben Jahr zur Wartung nach Kanada gebracht worden, also noch vor dem Krieg!
Russland hat mehrere Ersatzturbinen ,also ist die Begründung verlogen wie die ganze Begründung für diesen widerlichen Angriffskrieg!

schluiferer_sepp
schluiferer_sepp
Grünschnabel
1 Monat 13 Tage

@OrtlerNord
Keine Fehler von meiner Seite! Wo sollen denn die Ersatzturbinen sein? Woher bekommt man so eine Information?
Falls man etwas nicht weiß, sollte man es sich nicht einfach wie es einem gefällt zurechtbiegen und andere dann dessen beschuldigt, was man selbst tut!
Sehr unlauter!

schluiferer_sepp
schluiferer_sepp
Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

@schluiferer_sepp
Aha, jetzt wird gemeldet, dass 5! Turbinen bei Ausbruch des Krieges zur großen Inspektion/Wartung in Kanada waren!

schluiferer_sepp
schluiferer_sepp
Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

Korrektur: 6 Turbinen.

sarnarle
sarnarle
Superredner
1 Monat 14 Tage

Ich habe geglaubt man wolle kein Gas aus Russland mehr?

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

sarnerle@

da hast du gut gedacht!!!!

nur die realitaet sieht eben anders aus !

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 14 Tage

sarn……
Informieren und dann denken!

Dolomiticus
Dolomiticus
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

Entweder sind die deutschen Siemens-Turbinen Schrott oder die russischen Ausreden faul…

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

dolo@

oder aber beides! 🙂

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 14 Tage

Dolo….
Sind ganz sicher kein Schrott!

Dolomiticus
Dolomiticus
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

@ischJOwurscht sehr diplomatische Feststellung…

Dolomiticus
Dolomiticus
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

@OrtlerNord wor a ironisch gmoant…

marher
marher
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

Der Russe wird demnächst wohl das meiste Öl und Gas nach China liefern und somit kaum Einbusen haben. Bleibt nur zu hoffen, dass es demnächst Aufstände in Russland gibt um den scheiss Krieg noch vor dem Winter zu beenden.

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 14 Tage

…die Chinesen drücken ordentlich den Preis…
😆

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 13 Tage

Was bein Öl kein Problem ist , beim Gas ganz sicher!
Die einzige Gasleitung von Russland nach China wurde über tausende Kilometer über Land von Russland finanziert! Diese läuft zu 100% an der Leistungsfähigkeit.
Um weitere Leitungen zu bauen dauert es viele Jahre.
Russland wird von China ausgenommen wie eine dumme Gans!

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage
O.R.@ Und schon wieder falsch was du da schreibst! Die Russen werden den Chinesen und den Indern sicher einen guten Rabatt machen, darin liegt kein zweifel, was du nicht bedacht hast ist aber folgendes nämlich, dass wenn ein Gut knapp wird erhöht sich der Preis auf dem internationalen Markt, dank europäischer u amerikanischen Spekulationen, Ergo der Preis für Öl u vor allem für CH4 steigt. Was sagt uns das? Obwohl Putin sein GAS etwas Günstiger an China u Indien Verkauft, verdient er den Rest automatisch durch die Preiserhöhung am Weltmarkt! Deshalb hat Russland letztens, Milliarden an Rubel Handelsüberschuss erzielt. Und… Weiterlesen »
OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 13 Tage

@ischJOwurscht
BLÖDSINN!!!
Die Chinesen zahlen weniger für das Gas als die die EU vor dem Krieg.
Und Russland hat für die Gasleitung rund 40 Milliarden investiert.
Die Chinesen nutzen die Russen bis auf das letzte aus.

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

`
Putin spielt mit den vom Gas abhängigen,
wie ein Drogendealer mit seinen Junkies.
Blöd nur, dass wir Europäer uns das gefallen lassen…. “müssen?

sarkasmus
sarkasmus
Tratscher
1 Monat 14 Tage

Revisionen sind sehr wichtig für die sicherheit europas

Anderrrr
Anderrrr
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

De fendm olm epes um die pipp ozudrahnen

Gievkeks
Gievkeks
Superredner
1 Monat 14 Tage

Sehr vorbildlich diese Russen.
Ich hoffe, dass sie ihre Flugzeuge und Industrieanlagen auch so gut warten. Wäre doch eine Schande wenn ihnen die ganze Industrie wegen fehlender Ersatzteile langsam unter den Fingern weckbröseln würde.

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 13 Tage

passiert gerade.
Die meisten Flieger parken!

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