WNET-Tagung

“Wir Frauen, wir Expertinnen”

Sonntag, 07. Juni 2015 | 16:28 Uhr

Bozen – Am Freitag lud das Südtiroler Frauennetzwerk „wnet – networking women“ zur alljährlichen Tagung heuer zum Thema „Wir Frauen, wir Expertinnen“ in die Handelskammer in Bozen. Die Thematik wurde mit europäischen und lokalen Vertreterinnen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft analysiert und besprochen. Abschließend wurden konkrete Tipps diesbezüglich Karriereentwicklung und Netzwerken gesammelt.

Der Hauptreferent Dr. MMag. Markus Warasin griff das Thema aus europäischer Sicht auf. Er ist Referatsleiter des parlamentarischen Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter und berichtete über die Tatsache, dass „die faktische Gleichheit der Chancen, die alle Lebensbereiche betrifft, nicht nur weltweit, sondern auch in Europa nur langsam vorankommt. Dies unterstrich auch der Gender Equality Index des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen, bei dem die EU auf einen Durchschnittswert von 54 von 100 möglichen Punkten kommt.“ Aktuelle Krisen untergraben die Aktualität der Thematik und sind hinderlich, bessere Rahmenbedingungen für eine „nachhaltige Stellung von Frauen im sozialen, politischen und ökonomischen Leben“ zu erreichen. Trotz alledem plädiert Warasin für eine steten  Forderung nach faktischer Gleichheit von Frauen und Männern, so wie es der Art. 23 der EU-Menschenrechtscharta vorsieht.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten erfolgreiche Expertinnen über ihre Lebenswege und Erfahrungen. Die Fußballerin Katrin Plankl berichtete über ihre Erfahrung und den Aufstieg in die höchste italienische Liga. „Um höhere Ziele anzustreben und zu erreichen, ist es jedoch sehr wichtig, dass die Mädchen den Sport stets mit Begeisterung, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit ausüben und dabei harte Arbeit und Aufopferung in Kauf nehmen. Trotz hohen Leistungsniveaus hat Frauensport auch in den Medien nicht den gleichen Stellenwert wie Männersport“, so Plankl.

Die LVH-Landesobfraustellvertreterin Rita Auer Egger ist Unternehmerin und ihre Tipps für das Weiterkommen von Frauen als Unternehmerinnen sind: „Sich eigenen Zielen und Aufgaben bewusst sein, den Mut haben, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen, im Beruf auf Ehrlichkeit setzen, und den ständigen wertvollen Erfahrungsaustausch mit anderen Menschen suchen.“

Für die Kammerabgeordnete RA Dr.in Renate Gebhard ist klar: „Wir Frauen sind Expertinnen und stellen Tag für Tag Kompetenz, Qualifikation, Flexibilität und Verantwortungsbewusstsein unter Beweis. Trotzdem sind unsere Karrieren oft mit steinigen Wegen und vielen Hindernissen verbunden. Darum ist es unerlässlich, dass wir Frauen uns gegenseitig unterstützen und von den Männern lernen.“
Laut Professorin am MCI – Management Center Innsbruck, Dr.in Anna Pircher Friedrich brauche es „uns Frauen – uns Expertinnen“ für „einen sinnvollen Beitrag zu einer nachhaltig wertvollen gesellschaftlichen Entwicklung, ein Mehr an Humanität in der Arbeitswelt und das Ermöglichen von Synergien durch die sinnvolle Kombination männlicher und weiblicher Fähigkeiten und Kernkompetenzen: Wir brauchen keine Männerhirne auf Highheels.“

Für die Gleichstellungsrätin der Autonomen Provinz Bozen, Dr.in Michela Morandini, steht fest: „Eine Gesellschaft, die die beruflichen Kompetenzen von Frauen weitgehend nicht nutzt, ist wie ein Unternehmen, das 50 Prozent seines Kapitals in der Schublade unbenutzt liegen lässt? Berufliche Karrieren beginnen meist schon in der Erziehung im Sinne einer bewussten Berufsplanung; zu oft erfolgt dies unbewusst. Darum sollten Frauen alle berufliche Chancen nutzen, die sich ihnen bieten“.

Als Gastteilnehmerin an der Podiumsdiskussion sprach Mag.a Eva Frank aus Tirol. Sie arbeitet als Kundenbetreuerin für Rechtsanwältinnen bei der Tiroler Sparkasse in Innsbruck. Für sie ist „das berufliche Netzwerken zwar kein Allheilmittel, aber es wirkt. Je mehr Personen mich kennen und meine Kompetenzen wahrnehmen, desto eher denken sie an mich, wenn Fachleute gesucht werden.“

Dr.in Petra Piffer, Generaldirektorin der SASA AG, rät allen Frauen zum Vollzeitjob. „Teilzeitarbeit ist ein Hindernis für die berufliche Weiterentwicklung. Damit dies möglich ist, braucht es aber ein dichtes Netz an Kinderbetreuungseinrichtungen und eine Flexibilisierung in der Arbeitswelt.“

Für die Vizedirektorin und Leiterin der Rechtsabteilung des HGV, Dr.in Ester Demetz geht es im Beruf vor allem um gute Arbeitsbedingungen für Menschen. Zwei Dinge sind für sie jedoch klar: „Frauen sind nicht Dekoration und Gratisdienstleisterinnen für die anderen 50 Prozent der Gesellschaft.“

Von: ©mk

Bezirk: Bozen