Die Nationalbank-Führung stellt ihre Prognosen vor

Wirtschaftliche Erholung dauert laut OeNB-Chef mehrere Jahre

Dienstag, 14. Juli 2020 | 11:26 Uhr

Der von der Corona-Pandemie verursachte stärkste Wirtschaftseinbruch seit Ende des 2. Weltkriegs wird Österreich laut Nationalbank (OeNB) noch länger beschäftigen. “Obwohl sich die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus und zum Erhalt der Funktionsfähigkeit der Wirtschaft bewährt haben, wird die Erholung der Wirtschaft mehrere Jahre in Anspruch nehmen”, so OeNB-Gouverneur Robert Holzmann am Dienstag.

Die Nationalbank erwartete in ihrer im Juni vorgestellten Prognose für heuer einen Einbruch der heimischen Wirtschaftsleistung von 7,2 Prozent und dann plus 4,9 Prozent (2021) und plus 2,7 (2022). Der OeNB-Chef und sein Vize Gottfried Haber stellten am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien den halbjährlichen OeNB-Finanzmarktstabilitätsbericht (Financial Stability Report) vor.

Die heimischen Banken haben per Ende Juni aufgrund der Coronakrise rund 10 Prozent des aushaftenden Kreditvolumens an Unternehmen, Selbstständige und Privathaushalte gestundet. Die Finanzinstitute verzichteten im Rahmen von freiwilligen Moratorien temporär auf die Rückzahlung von rund 90.000 Krediten in Höhe von 22 Mrd. Euro, aufgrund gesetzlicher Moratorien waren es 116.000 Kredite in Höhe von 8,6 Mrd. Euro, geht aus Daten der OeNB hervor. Es gebe kein bestimmtes Datum für das Auslaufen der Krediten-Moratorien und dadurch erwarte man derzeit keinen “Klippeneffekt”, so Haber.

Die Notenbanker zeigten sich mit der Performance des heimischen Finanzsektors in der Coronakrise zufrieden. Die Direktorin der OeNB-Hauptabteilung Volkswirtschaft, Doris Ritzberger-Grünwald, ortet “keine Kreditklemme”. Die heimischen Banken hätten in der Coronakrise mit Überbrückungskrediten und Refinanzierung geholfen. “Staatliche Garantien spielen eine wichtige Rolle.”

Den Banken stellt die Nationalbank in der Coronakrise ein gutes Zeugnis aus. “Dabei sind die Banken, die während der Finanzkrise 2008/2009 im Brennpunkt des Geschehens standen, diesmal ein wichtiger Teil zur Bewältigung der Krise. Sie haben ihre Widerstandsfähigkeit in den vergangenen Jahren – auch aufgrund einer umsichtigen und vorausschauenden Aufsicht sowie verbesserter aufsichtlicher Instrumente – deutlich gestärkt”, so Vize-Gouverneur Haber.

Aktuelle Szenarioanalysen der OeNB zeigen, “dass der österreichische Bankensektor trotz der negativen Auswirkungen der Krise derzeit gut kapitalisiert” sei, heißt es im aktuellen Finanzmarktstabilitätsbericht. Die Nationalbank empfiehlt den Banken im Hinblick auf die Coronakrise und die Stärkung der Finanzmarktstabilität folgende fünf Maßnahmen: Die Finanzinstitute sollten Abstand von Aktienrückkäufen nehmen und Ausschüttungen von Dividenden, Gewinnen und Boni genau abwägen, um die Kapitalbasis zu stärken.

Weiter sei notwendig sich auf das Auslaufen von Zahlungsmoratorien und staatlichen Garantien für Kredite vorzubereiten und die Qualität der Kreditportfolios zu überwachen. Außerdem müssten nachhaltige Kreditvergabestandards (insbesondere bei Immobilienkrediten) und die quantitative Leitlinie des Finanzmarktstabilitätsgremiums eingehalten werden. Die OeNB rät den Banken auch, die operative Effizienz weiter zu steigern und neue IT-Strategien zu entwickeln.

Von: apa