Wachstum des Südtiroler BIP um +0,6 Prozent erwartet

Wirtschaftsbarometer: Zuversicht der Südtiroler Unternehmen steigt

Mittwoch, 15. April 2015 | 11:19 Uhr

Bozen – Die Südtiroler Unternehmen blicken wieder etwas optimistischer in die Zukunft. Über drei Viertel erwarten sich zufriedenstellende Erträge im laufenden Jahr. Die Umsätze und zum Teil auch die Verkaufspreise dürften wieder steigen. Das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen erwartet ein Wachstum des Südtiroler Bruttoinlandproduktes um +0,6 Prozent im Jahr 2015.

Die Frühjahresausgabe des Wirtschaftsbarometers zeigt eine spürbare Steigerung des Geschäftsklimas in Südtirol. Insgesamt beurteilen 75 Prozent der Unternehmen ihre Ertragslage im vergangenen Jahr als positiv und 78 Prozent erhoffen sich positive Erträge für 2015. Dies ist der höchste Wert seit 2011.

Allgemein erwarten sich die Unternehmer/innen für das laufende Jahr eine positive Umsatzentwicklung, vor allem was die Exporte betrifft. In einigen Sektoren wie zum Beispiel im Gastgewerbe, im KFZ-Sektor und im Personentransport sollten auch wieder Preissteigerungen möglich sein, nachdem das allgemeine Preisniveau in Südtirol in der zweiten Jahreshälfte 2014 stagnierte. Die Unternehmen beklagen weiterhin die verschärfte Kostensituation sowie die schlechte Zahlungsmoral und Bonität der Kunden. Für die Investitionen ist noch kein Aufschwung in Sicht, während die Beschäftigungslage stabil bleiben dürfte.

Bei der Betrachtung der einzelnen Sektoren ergeben sich große Unterschiede. Äußerst positiv ist das Geschäftsklima im Personentransport, wo fast alle Unternehmen (96 Prozent) von positiven Erträgen für 2015 ausgehen. Es folgen das verarbeitende Gewerbe (84 Prozent) und der Einzelhandel (83 Prozent). Eine leichte Verbesserung auf niedrigem Niveau gibt es im Baugewerbe (65 Prozent), während der Großhandel (61 Prozent) weiterhin in Schwierigkeiten bleibt. Ein schwieriges Jahr dürfte es für die Landwirtschaft werden, was vor allem auf die niedrigen Apfelpreise zurückzuführen ist. Nur ein Fünftel der Obstgenossenschaften geht davon aus, den Obstbauern auch 2015 zufriedenstellende Auszahlungspreise gewährleisten zu können.

Die gestiegenen Ertragserwartungen der Südtiroler Unternehmen sind auch mit der deutlichen Besserung der europäischen Konjunktur verbunden. Die Wirtschaftsleistung der Eurozone wird im laufenden Jahr voraussichtlich um 1,3 Prozent steigen, unter anderem aufgrund des niedrigen Ölpreises und der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Ihre Unterstützungsmaßnahmen zeigen Wirkung und die Gefahr einer Deflationsspirale ist deutlich gesunken. Die Preisdynamik wird zwar in den nächsten Monaten aufgrund der sinkenden Energiekosten noch stabil oder sogar leicht negativ ausfallen, zu Jahresende werden die Preise aber voraussichtlich wieder steigen. Darüber hinaus hat die expansive Geldpolitik der EZB eine Reihe von positiven Effekten. Der schwache Euro steigert die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Produkte auf den internationalen Märkten und die niedrigen Zinssätze unterstützen die Investitionen. Von dieser Situation profitieren auch hochverschuldete Länder wie Italien. Der Zinsunterschied zwischen den italienischen und den deutschen Staatspapieren (Spread) ist derzeit gering und liegt bei etwa 110 Basispunkten (1,1 Prozentpunkte).

Südtirol wird auch von der positiven Konjunkturlage der wichtigsten Handelspartner profitieren. Deutschland wird 2015 voraussichtlich ein solides Wachstum von 1,5 Prozent erzielen und die österreichische Wirtschaft wird mit 0,8 Prozent wieder etwas kräftiger wachsen. Im laufenden Jahr wird auch Italien aus der Rezession kommen, mit einem voraussichtlichen Wachstum von 0,6 Prozent. Die italienische Wirtschaft wird dabei von den Reformen des Arbeitsmarktes profitieren. Dies wird positive Beschäftigungseffekte haben und mittelfristig zu einer Steigerung der Konsumausgaben der Familien führen. Positive Impulse werden auch von der Expo 2015 in Mailand erwartet.

Aufgrund der Situation der lokalen Wirtschaft sowie der italienischen und internationalen Konjunktur bestätigt das WIFO die Prognose zum Wachstum des Südtiroler Bruttoinlandproduktes von 0,6 Prozent im Jahr 2015. Einige Unsicherheitsfaktoren auf nationaler und europäischer Ebene können dieses Wachstum beeinflussen. Wichtig sind vor allem die erfolgreiche Umsetzung der Reformen in Italien und eine positive Lösung der Schuldensituation Griechenlands.

Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, unterstreicht die Wichtigkeit einer konjunkturunterstützenden Fiskalpolitik: „Die Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Aufschwung sind gegeben. Dafür soll in Italien der Steuerdruck gesenkt und bessere Rahmenbedingungen für produktive öffentliche und private Investitionen geschaffen werden.“

Von: ©mk

Bezirk: Bozen