Wenig rosig sind die Aussichten bei der zweitgrößten deutschen Airline

Wirtschaftsministerin nennt Lage von Air Berlin “prekär”

Dienstag, 13. Juni 2017 | 15:29 Uhr

Air Berlin steckt nach Aussage von der deutschen Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries in einer schwierigen Lage. “Die Situation von Air Berlin ist prekär, sonst würde so ein Antrag auf Bürgschaft nicht gestellt”, sagte die SPD-Politikerin am Dienstag in Ludwigshafen. Es bereite ihr und vielen anderen in der Bundesregierung Sorge, wenn ein so großes Unternehmen in Schieflage gerate.

Zuvor hatte der Lufthansa-Rivale mit 8.000 Mitarbeitern einen Antrag auf staatliche Unterstützung gestellt. Der Antrag liege ihrem Haus vor und werde geprüft, doch könne sie nichts zur Höhe der angefragten Bürgschaft sagen, sagte Zypries. Mit Bürgschaften können Bund und Länder die Rückzahlung von Krediten an Unternehmen garantieren, die sonst keine Darlehen mehr bekommen würden.

Die deutsche Flugbegleitergewerkschaft UFO hat sich indes gegen Staatshilfen für die finanziell angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin ausgesprochen. “Von Staatsbürgschaften für Air Berlin halte ich in der jetzigen Situation nichts”, sagte UFO-Tarifvorstand Nicoley Baublies der in Düsseldorf erscheinenden “Rheinischen Post”. Es stünde “nach Aussagen aller Beteiligten fest, dass Air Berlin nicht unabhängig bleiben kann und Lufthansa das Unternehmen übernehmen will”, sagte Baublies. Darum solle der Marktführer, die Lufthansa, jetzt einen offenen Dialog mit dem Unternehmen und der Belegschaft darüber führen, unter welchen Bedingungen eine Integration möglich sei.

Air Berlin hatte in der vergangenen Woche bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Voranfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags gestellt. Als Voraussetzung für mögliche staatliche Hilfen gilt ein tragfähiges Zukunftskonzept des Unternehmens. Zuvor waren Verhandlungen zwischen dem Großaktionär Etihad und dem TUI-Konzern über eine gemeinsame Ferienfluggesellschaft der Air-Berlin-Tochter Niki mit TUIfly gescheitert.

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin steckt nach strategischen Fehlern und einer jahrelangen Verlustserie in einer existenziellen Krise. Allein voriges Jahr standen unter dem Strich knapp 800 Millionen Euro Verlust.

Von: APA/ag.