Bei längerer Belichtungszeit steht die Kamera lieber auf einem Stativ

Worauf es bei Kamerastativen ankommt

Donnerstag, 04. April 2019 | 15:21 Uhr

Wackelfreie Bilder und sanfte Schwenks: Stative geben Kameras Halt. Doch das richtige Modell muss man erstmal finden. Manchmal helfen auch schon viel einfachere Hilfsmittel weiter.

Ob beim Sport, im Fotostudio oder in der Natur: Wer wackelfreie Bilder möchte, fixiert seine Kamera in einem Stativ. Das steigert die Qualität der Aufnahmen. Stativ ist allerdings nicht gleich Stativ. Die Gestelle gibt es in unterschiedlichen Bauweisen. Welches Modell ist das Richtige? Die Antwort hängt in erster Linie von der Art der Fotos oder Videos ab, die man machen möchte.

Einbeinstativ: Es besticht durch gute Handlichkeit. Auf Reisen, Wanderungen und Klettertouren macht sich das Leichtgewicht mit der kompakten Größe kaum im Rucksack bemerkbar. “Einbeinstative bieten sich vor allem für Motive mit kurzen Belichtungszeiten an und werden beispielsweise beim Sport verwendet”, erklärt Thomas Hoffmann von der Fachzeitschrift “c’t”.

Praktisch zudem: Mit Einbeinstativen lassen sich vertikale Verwacklungen stark reduzieren, wie Lars Theiß vom “Fotomagazin” erklärt. “Der Fotograf braucht das Kameragewicht nicht zu halten. Zudem erlauben sie schnelle Positionswechsel.” Nachteile: Man kann das Stativ nicht hinstellen. Bei sehr langen Belichtungszeiten reicht es nicht aus, um ein Verwackeln zu verhindern.

Dreibeinstativ: Diese Variante sorgt für mehr Beständigkeit. Die Kamera wird stabil positioniert. Langzeitbelichtungen, Videoschwenks oder Panoramaaufnahmen gelingen ohne Verwackeln. “Für normale Film-und Fotoaufnahmen sind Dreibeinstative am besten geeignet, weil sie sich an verschiedenen Stellen und in unterschiedlichen Höhen recht schnell aufbauen und justieren lassen”, sagt Theiß.

Vierbeinstativ: Wer noch etwas mehr Stabilität wünscht, besorgt sich so ein Modell. Bei diesem erhöht sich die Auflagefläche und damit die Belastbarkeit. “Vierbeinstative sind extra stabil und eignen sich vor allem für schwere Videokameras”, beschreibt Hoffmann.

Schwebestativ: Sie eignen sich besonders für Videoaufnahmen. “Sie sorgen für eine ruhigere Kameraführung. Für Fotoaufnahmen sind sie eher ungeeignet”, beurteilt Theiß.

Saugstativ: Wer actionreiche Aufnahmen beim Motorbootfahren oder von Spritztouren mit seinem Auto machen möchte, benutzt idealerweise solch ein Stativ. Es hält auf glatten Glas- oder Metalloberflächen. “Verbraucher sollten jedoch stets die Haltekraft des Saugstativs und das Gewicht der dranhängenden Ausrüstung im Auge behalten”, erklärt Theiß. Saugstative ermöglichen spektakuläre Bilder, sind aber starr und unflexibel in ihrer Position.

Die Grundkonstruktion sollte allerdings nicht das einzige Entscheidungskriterium sein. Das gilt besonders beim Kauf von Stativen für Videokameras. Eine große Rolle spielt hier der Videokopf, mit dem die Kamera bewegt werden kann.

Theiß erklärt: “Für Videodrehs ist zuerst ein stabiler Stand erforderlich, damit einmal eingestellte Perspektiven erhalten bleiben, auch wenn ein Lüftchen geht oder an der Kamera justiert wird.” Stativ und Stativkopf müssten ausreichend dimensioniert sein, um die Kameraausrüstung tragen zu können.

Gerade Hobby-Filmer nutzen gerne Camcorder. Hierfür kann ein Fotostativ als Halterung genügen. Aber Vorsicht: “Die Stative sind deutlich windempfindlicher als schwere Videostative, sodass bereits bei einer kräftigen Sommerbrise Verwackler im Film sichtbar werden”, sagt Holger Hagedorn vom Magazin “Foto Hits”.

Außerdem sollte man beim Stativkopf auf ein flüssigkeitsgedämpftes System (Fluid-Neiger) achten. Mit dieser Art von Mechanik lässt sich die Videokamera drehen oder kippen, was etwa während eines Schwenks über eine Landschaft oder dem vertikalen Schwenk bei einem Gebäude wichtig ist. Beim Kauf dieser Systeme gibt es große preisliche Unterschiede von knapp 100 Euro bis zu mehreren Tausend Euro.

“Manche einfachen Konstruktionen können schon bei leichten Frosttemperaturen so schwergängig werden, dass keine weichen Kameraschwenks mehr möglich sind”, so Hagedorn. Bei hochwertigen Videoköpfen passiere das nicht und sie erlaubten mehr Einstellungen.

Der Videokopf sollte einen relativ langen Verstellarm haben. Je länger er ist, desto größer wird die Hebelwirkung, um den Stativkopf bei Schwenks sehr gefühlvoll bewegen zu können. “Im Idealfall sollte eine Schwenkbewegung im Film nämlich ganz vorsichtig beginnen und in der Mitte ihr höchste Geschwindigkeit erreichen, um dann wieder langsam auszuklingen”, beschreibt Hagedorn.

Ein Stativ muss nicht immer sein. “Viele Kameras oder Objektive bieten eine eingebaute Bildstabilisierung. Dazu können hochwertige Kameras auch bei hoher Empfindlichkeit gute Bilder machen”, erklärt Hoffmann. Bei Sonnenschein etwa sei kein Stativ nötig.

Grundsätzlich hilft in Situationen, in denen eine zusätzliche Stabilisierung der Kamera ratsam ist, alles, was die Bewegung der Kamera während der Aufnahme reduziert. Martin Knapp von “Foto Hits” zählt auf: “Das beginnt bei der richtigen Körper- und vor allem der Armhaltung, geht über klassische Hilfsmittel wie das Bohnensäckchen bis hin zum Aufstellen oder Anlehnen der Kamera etwa an eine Wand, einen Baum oder auf einer Mauer.”

Und wer Geld sparen will oder seine eigenen Bedürfnisse ohne Kompromisse umsetzen möchte, bastelt selbst ein Stativ. Dafür ist neben ausreichend Zeit aber handwerkliches Geschick nötig. Im Netz finden sich entsprechende Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

Theiß hält von der Idee nicht viel: “Der finanzielle und zeitliche Aufwand stehen bei einem Stativ Marke Eigenbau in keinem Verhältnis.” Man bekomme schon ausreichend stabile Stative für 100 Euro, die eine normale Einsteiger-Spiegelreflexkamera oder Spiegellose tragen.

Von: APA/dpa