Osterhasen aus den Weltläden

Zu Ostern fair einkaufen

Donnerstag, 14. April 2022 | 10:13 Uhr

Bozen – Osterhasen aus den Weltläden im Schokoladen-Check sind ganz vorne. Grün, gelb rot: Nach dem Ampelsystem haben die entwicklungspolitische Organisation Südwind und die Umweltschutzorganisation Global 2000 aus Österreich auch heuer wieder Dutzende Schoko-Osterhasen nach sozialen und ökologischen Kriterien bewertet. Nur vier von 36 überprüften Osterhasen erhielten in beiden Kategorien die Farbe grün. Zu ihnen gehört der EZA-Osterhase. In den 13 Südtiroler Weltläden sind die Osterhasen der GEPA erhältlich. Das ist die große deutsche Fair-Trade-Company aus dem Wuppertal in Nordrhein-Westfalen.

Die Osterhasen der GEPA sind wie die EZA-Hasen mit dem EU-Bio-Siegel und dem Fairtrade-Gütesiegel versehen. Bewerteten Südwind und Global 2000 im vergangenen Jahr noch sechs Osterhasen mit doppelt grün,
so wurden heuer nur mehr vier Schoko-Osterhasen sowohl für soziale wie auch für ökologische Kriterien mit der Bestbewertung ausgezeichnet. Diese vier tragen sowohl das EU-Bio-Siegel als auch ein Fairtrade-Gütesiegel. Bei weiteren 18 Schokohasen leuchtet zumindest in einer Kategorie „grün“ auf. Aber mit 11 von 36 wird fast jeder dritte zum Verkauf stehende Osterhase in Österreich in beiden Kategorien mit Rot bewertet. Bei diesen Produkten fehlen unabhängige Zertifizierungen. Die doppelt-rote Ampel trifft viele Branchengrößen und Wiederholungstäter, unter ihnen Marken wie Milka, Lindt, Merci, Ferrero Rocher oder KitKat. Auch Heilemann, Klett und Hauswirth verfügen über keine unabhängige Zertifizierung.

Brigitte Gritsch koordiniert die 13 Südtiroler Weltläden und berichtet von einer zunehmend kritischen Kundschaft. „Die Menschen wissen inzwischen genau, dass der Kakaoanbau eine Risikobranche ist, dass Kinderarbeit im Spiel und der Lohn der kleinen bäuerlichen Betriebe gering ist und gleichzeitig große Mengen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.“ Dass die Großen der Branche lieber auf eigene Nachhaltigkeits-Programme setzen, könne zwar positive Anregungen bringen. Die konkrete Wirkung lasse sich jedoch nur schwer beurteilen und kaum vergleichen. In vielen Fällen werden die firmeneigenen Richtlinien gar nicht veröffentlicht. Konsumten hätten
daher keine Möglichkeit, sich ein objektives und aussagekräftiges Bild zu machen, betont Brigitte Gritsch.
Diese negativen sozialen und ökologischen Auswirkungen der Kakaoproduktion sind auf den zu geringen Preis zurückzuführen, den Bäuerinnen und Bauern für ihre Ware bekommen. Dabei spiegeln die Preise im Supermarktregal nicht unbedingt höhere oder niedrigere Kosten beim Rohstoffeinkauf wider. Hier spielen andere Faktoren wie etwa die Vermarktungsstrategie eine Rolle. Im Verkauf entscheiden oft wenige Cent mehr darüber, ob eine Bauernfamilie ihre Kinder in die Schule schicken kann oder sie bei der Ernte als vollwertige Arbeitskräfte einsetzt.

Kakao habe das Potential, vielen Millionen Menschen im Globalen Süden – vor allem in Ghana, an der Elfenbeinküste und in Ecuador – den Lebensunterhalt zu sichern, sagt Brigitte Gritsch. Als eine der wenigen global gehandelten Rohstoffe wird Kakao immer noch hauptsächlich von Kleinbauern und -bäuerinnen angebaut. Doch sie stehen unter enormem Preisdruck. Ein Ausweg sind Fairtrade-und Bio-Zertifizierungen. Wer der Gesellschaft, der Umwelt, den Bäuerinnen und Bauern und sich selbst etwas Gutes tun wolle, ist mit Bio und Fairtrade am Besten bedient, sagt Brigitte Gritsch. Das belegen unabhängige Prüfverfahren. Abgesehen davon sei Bio-Schokolade, die ohne Pestizid-Einsatz produziert wurde, auch bekömmlicher für Schokoladeliebhaber, sagt die Koordinatorin der Südtiroler Weltläden. Brigitte Gritsch verweist außerdem auf die in Italien handwerklich hergestellten und in den Weltläden erhältlichen „Colombe“. Die Osterkuchen werden unter anderem in einer Konditorei im Piemont von einer Sozialgenossenschaft gebacken, die mit Menschen mit Beeinträchtigung arbeitet. Die Zutaten stammen aus Italien und dem fairen Handel.

Von: bba

Bezirk: Bozen

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