Diskussionsrunde

Zukunft Tourismus Meran: “Zeit, uns wieder neu zu erfinden”

Dienstag, 28. April 2015 | 13:33 Uhr

Meran – Immer wieder habe sich Meran touristisch neu erfunden, nun sei es an der Zeit, wieder neue Wege einzuschlagen. Dies hat Paul Rösch, Bürgermeisterkandidat und Tourismusexperte, bei einer Diskussionsrunde zur Zukunft des Tourismus in Meran gefordert und dafür auch gleich Eckpfeiler gesetzt: Nur was den Einheimischen gut tue, fördere den Tourismus, so Rösch, der zudem auf ein verkehrsberuhigtes, innovatives Meran und den Faktor Gesundheit setzen will.

Rösch hatte Tourismustreibende und -interessierte gestern Abend ins Hotel Aurora eingeladen, um mit ihnen sowie mit dem Historiker Hans Heiss über die Zukunft der Destination Meran zu diskutieren. Während Heiss eine Außensicht auf Merans Tourismus lieferte, ging es Rösch um Ideen eines Meraners für Meran. Der Ausgangspunkt war dabei klar: „Wir sind wieder an einem Punkt angekommen, an dem wir uns Gedanken über eine Neuerfindung Merans als Tourismusdestination machen müssen“, so Rösch, der als einer der führenden Tourismusexperten Südtirols gilt und am 10. Mai mit einer eigenen Bürgerliste und den Grünen als Bürgermeisterkandidat zu den Gemeindewahlen in Meran antritt.

Rösch beließ es gestern Abend indes nicht bei der Forderung nach einer Neuerfindung, sondern lieferte auch gleich die wichtigsten Eckpfeiler dafür – fünf an der Zahl. So betonte Rösch, dass den Tourismus nur fördere, was auch – und zuallererst – für die Einheimischen gut sei. Es gehe um Authentizität, es gehe darum, Merans DNA zu erkennen und zu pflegen. Ansätze dafür seien auch schon zu erkennen: „Heute machen die Einheimischen in der Freizeit das, was auch die Touristen machen“, so Rösch, der Events wie Musikwochen, Lyrikpreis und Weinfestival oder Einrichtungen wie das Kunsthaus, die Thermen oder den Tappeinerweg als Beispiele nannte, die von Einheimischen wie Touristen gleichermaßen genutzt würden.

(Noch) nicht der Fall sei dies beim Weihnachtsmarkt oder dem Pferderennplatz. Ersterer würde von den Meranern erst als der ihre anerkannt, wenn sie selbst dort einkaufen und sich dort gern aufhalten würden, letzterer müsse als Park geöffnet und in seiner gesamten, auch historischen Dimension wahrgenommen werden. „Und warum nicht zeigen, etwa in einer Fotogalerie, was wir geleistet haben?“, fragte sich Rösch, der als Beispiele Schach-WM und Universiaden, die legendäre Paket-Landesversammlung der SVP oder die vielen internationalen Stars im Kurhaus nannte. „Warum verstecken wir diese Seite unserer Stadt? Ich jedenfalls bin stolz darauf“, so Rösch.

Merans Zukunfts-Eckpfeiler Nummer zwei ist für den Tourismusexperten die Kreativität: „Meran hat sich dank Kreativität und Innovation zu dem gemausert, was es war und heute noch ist.“ Diese zu fördern, sei eine Notwendigkeit, so Rösch, der auch hier Beispiele nannte und Ideen lancierte: das Straßenkunstfestival Asphaltart, eine „Streuung“ des Lyrikpreises über die ganze Stadt oder eine Heimstatt für einen der größten Künstlersöhne der Stadt, Rudolf Stingel. Kreative Ideen sollte jedenfalls Luft verschafft werden, so Rösch: „Sie nicht zu verhindern, sie verwaltungsmäßig und bürokratisch nicht zu drangsalieren, ist oft schon Hilfe genug.“

Dritter Eckpfeiler für Merans Neuerfindung als Tourismusdestination sei die Schaffung neuer wirtschaftlicher Möglichkeiten in der Stadt, etwa durch die Förderung innovativer Start-ups: „Die Altstadt, das Steinachviertel schreien schier nach Handwerkern, nach Menschen, die innovative Geschäftsideen verwirklichen und gastronomische Attraktionen schaffen“, so Rösch, der als vierten Eckpfeiler die bereits vorgestellten Ideen zu einer Verkehrsberuhigung, einem innovativen öffentlichen Nahverkehrssystem, zu einem klaren Leitsystem und einer Einbeziehung der Peripherie nannte.

Letzter Eckpfeiler ist für den Tourismusexperten und Bürgermeisterkandidaten schließlich der Faktor Gesundheit. „Wir wissen aus den verschiedensten Studien, dass dieser Faktor für Touristen im Urlaub eine große Rolle spielt“, so Rösch. Zum historisch bereits in Meran verankerten Gehen geselle sich heute die Ernährung. „Das Niveau unserer Küche ist hoch, nun gilt es, diese Spur weiter zu verfolgen“, so Rösch, der als Beispiele den Ausbau des vegetarischen Angebots ebenso nannte, wie die Förderung heimischer Qualitätsprodukte: „Warum nicht einmal pro Woche die von Martino Gamper designten Stände am Sandplatz für einen Biomarkt nutzen, für den Einheimische wie Gäste gleichermaßen dankbar wären?“, fragte sich Rösch.

Rösch betonte, dass seine Vorschläge einen Ausgangspunkt darstellten, viele andere Ideen bereits kursierten. Sie in einem Gesamtkonzept zusammenzuführen, sei eine prioritäre Aufgabe, die Umsetzung des Konzepts müsse dann Schritt für Schritt erfolgen – „zum Wohle von Bevölkerung, Wirtschaft und Gästen“, betonte Rösch.

Von: ©mk

Bezirk: Burggrafenamt