WIFO-Wirtschaftsbarometer Frühjahr 2022

Zuversicht im Dienstleistungssektor, Besorgnis im Transportgewerbe

Montag, 04. April 2022 | 09:46 Uhr

Bozen – Das Geschäftsklima im Dienstleistungssektor ist weiterhin positiv, auch wenn es Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen gibt. Im Transportgewerbe sind die Unternehmen sehr besorgt über den starken Anstieg der Kraftstoffpreise. Bei den Liftanlagenbetreibern hat sich das Geschäftsklima verbessert, weil die Skisaison heuer gerettet werden konnte. Dies geht aus der Frühjahrsausgabe des Wirtschaftsbarometers vom WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hervor. Die Erhebung wurde Ende Februar abgeschlossen.

Das Geschäftsklima im Dienstleistungssektor ist nach wie vor eher positiv: 88 Prozent der Unternehmen sind mit der Ertragslage im Jahr 2021 zufrieden und mehr als neun von zehn äußern sich auch für 2022 optimistisch. Die negativen Auswirkungen der höheren Rohstoff- und Energiepreise waren schwächer als in anderen Wirtschaftsbereichen, aufgrund der geringeren Bedeutung dieser Kostenposten für die Dienstleistungsunternehmen. Die Stimmung unterscheidet sich aber erheblich zwischen den einzelnen Branchen. Die Ertragserwartungen für das laufende Jahr sind vor allem im Bereich der freiberuflichen, technischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten, der Dienstleistungen für Unternehmen und im Kredit- und Versicherungssektor positiv und fast alle Unternehmen dieser Branchen gehen heuer von einer befriedigenden Rentabilität aus. Das Geschäftsklima im Immobiliengewerbe sowie in der Verlag- und Kommunikationsbranche ist hingegen verhaltener. Auch die Erwartungen im Bereich der Persönlichen Dienstleistungen sind unterdurchschnittlich.

Die Beschäftigungslage ist insgesamt positiv: 2021 nahm die Anzahl der Mitarbeiter/innen im privaten Dienstleistungssektor um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu und dieser Wachstumstrend soll sich nach Angaben der befragten Unternehmen auch heuer fortsetzen. In den ersten beiden Monaten 2022 gab es tatsächlich einen Anstieg der unselbständig Beschäftigten um 1,9 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2021.

Im Transportsektor sind die Bewertungen zur Ertragslage im Jahr 2021 sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr bei mehr als vier von fünf Unternehmen positiv. Im vergangenen Jahr verzeichneten beide Branchen dank der Erholung des Tourismus und der Wirtschaft eine gute Umsatzdynamik. Vor dem Ausbruch des Krieges zwischen Russland und der Ukraine rechneten die Unternehmer/innen mit einem erneuten Anstieg der Nachfrage im laufenden Jahr, gleichzeitig waren sie aber bereits sehr besorgt über die steigenden Kraftstoffpreise. Daher waren die Rentabilitätsprognosen zwar positiv, aber nur selten „gut“. Mit dem Beginn der Kampfhandlungen hat sich die Kostensituation noch wesentlich verschärft. Darüber hinaus klagt der Güterverkehrssektor über den Mangel an Lkw-Fahrern.

Nach einem besonders schlechten Jahr hat der normale Verlauf der Wintersaison 2021/2022 auch bei den Liftanlagenbetreibern Zuversicht zurückgebracht. Trotz des starken Anstiegs der Kosten (insbesondere der Energie) gibt es einen gewissen Optimismus, vor allem weil die Auswirkungen der Omikron-Variante auf die Touristenströme im Vergleich zu den vorherigen Pandemiewellen gering sind. Fast alle Betreiber erwarten heuer eine zufriedenstellende Ertragslage.

Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, unterstreicht die entscheidende Rolle vom Transportgewerbe für die Wirtschaft und die Gesellschaft: „Die Transportunternehmen haben ihre Tätigkeit auch in den schlimmsten Phasen der Pandemie fortgesetzt. Somit wurden die Wertschöpfungsketten erhalten und die Mobilität von Menschen und Gütern gewährleistet. Der Sektor muss jetzt unterstützt werden, denn durch die schwierigen Rahmenbedingungen riskieren viele Transportunternehmen, nicht mehr weiterarbeiten zu können.“

Methodische Anmerkung      

Im Rahmen des WIFO-Wirtschaftsbarometers umfasst der Dienstleistungssektor folgende Branchen: Verlag und Kommunikation, Informatik, Kredit und Versicherung, Immobilienverwaltung sowie personen- und unternehmensbezogene Dienste. Nicht eingeschlossen sind Handel und Gastgewerbe. Das Transportgewerbe wird gesondert untersucht.

Nachfolgend die Stellungnahmen der Wirtschaftsverbände:

Letizia Lazzaro, Vizepräsidentin CooperDolomiti

„Wir müssen die Unternehmen dabei unterstützen, von diesem moderaten Aufschwung zu profitieren, indem wir innovative Dienstleistungen anbieten und ihnen bei der Suche nach Liquidität helfen. Zum Thema Energie gibt es immer wieder Anfragen nach Beratung und Unterstützung. Die Antworten liegen zum einen in der Schaffung von Unternehmensgemeinschaften, wie z. B. Energiegemeinschaften und zum anderen in der Unterstützung der Haushalte durch soziale und territoriale Wohlfahrtsmaßnahmen.“

Philipp Moser, hds-Präsident

„Die Stimmung in den Sektoren Dienstleistungen für Unternehmen und persönliche Dienstleistungen reicht von positiv, befriedigend bis verhalten und unterdurchschnittlich. Wir sind bestrebt, die Wahrnehmung der Dienstleister auf dem Territorium zu stärken. Der Überbegriff Dienstleister ist sehr weitläufig und nicht immer aussagekräftig genug, um die große Vielfalt und Heterogenität des Sektors zu beschreiben. Es ermöglicht wenig Identifikation. Was sie aber vereint, ist ihre hohe Kompetenz, in Kombination mit unserem Territorium.“

Thomas Baumgartner, Präsident Sektion Transport im Unternehmerverband Südtirol

„Steigende Dieselpreise, Einschränkungen im internationalen Transitverkehr, Fahrermangel und die Notwendigkeit von Investitionen in den ökologischen Wandel: Unsere Branche steht vor entscheidenden Herausforderungen für die Zukunft. Wie schon während der Pandemie werden die Logistikunternehmen auch weiterhin ihren Beitrag leisten, aber auch der öffentliche Sektor muss Verantwortung übernehmen, indem er die Betriebe unterstützt und in moderne Infrastrukturen investiert.“

Elmar Morandell, Obmann der Berufsgruppe Transport im lvh

„Die Situation wird immer dramatischer. Zu den angespannten Lieferketten und dem Lkw-Fahrer-Notstand kommt der explosive Anstieg der Treibstoffpreise dazu. Italien hat außerdem durch die letzthin um 30,5 Cent gesenkten Benzin- und Dieselpreise den Akzisen-Bonus für die Transportunternehmen gestrichen. Wenn das so weiter geht, werden reihenweise Warentransporteure Pleite gehen.“

Von: luk

Bezirk: Bozen

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