Von: importer
Nach dem 90-Minuten-Eingriff zur Entfernung eines Lungentumors am Dienstag verläuft die Rekonvaleszenz des Papstes nach Plan. Leo XIV. habe am Mittwoch die vorgesehenen Blutuntersuchungen und eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs absolviert. Die Ergebnisse bestätigten einen regulären Heilungsverlauf, teilten Leos Leibarzt Luigi Carbone und Professor Stefano Margaritora in einer Mitteilung zum postoperativen Verlauf mit. Die beiden Ärzte hatten den Papst am Dienstag operiert.
Bei dem Eingriff in der römischen Poliklinik Agostino Gemelli bestätigte sich beim Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ein Lungenadenokarzinom – das ist die häufigste Form bösartiger Lungentumoren. Wird es in einem frühen Stadium entdeckt, kann die Erkrankung allein durch eine Operation geheilt werden. Anschließend ist laut Fachärzten eine Rückkehr zum normalen Alltag möglich. Der Papst wird nach Angaben des Vatikan circa sieben Tage im Krankenhaus bleiben müssen. Er hat all seine Termine bis zum 20. Oktober abgesagt.
Adenokarzinom tritt häufiger bei Nichtrauchern auf
Das Adenokarzinom tritt häufiger bei Nichtrauchern wie Leo auf als bei Rauchern. Für diese Tumorart stehen inzwischen besonders viele neue Medikamente zur Verfügung. Die Entwicklung der Krankheit hängt vor allem davon ab, in welchem Stadium sie entdeckt wird. Der Papst hatte von einem Knoten gesprochen, der sich “in einem sehr frühen und klar begrenzten Stadium” befinde.
Drei Untersuchungen führten zu der ärztlichen Empfehlung, Leo XIV. an der Lunge zu operieren. Dabei handelte es sich um eine robotergestützte Bronchoskopie mit Biopsie, eine Thorax-Computertomografie mit Kontrastmittel sowie eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET), berichtete Bruni.
Die Lobektomie ist die bevorzugte Operationsmethode in frühen Krankheitsstadien. Dabei wird ein vollständiger Lungenlappen entfernt. Zusätzlich werden die Lymphknoten im Brustraum entfernt. Operiert wurde der Papst mit einer sogenannten videoassistierten Chirurgie (VATS/Video-Assisted Thoracic Surgery). Dabei handelt es sich um eine minimalinvasive Operationstechnik. Sie ermöglicht eine schnellere Erholung und verringert das Risiko von Komplikationen.
Ergebnis der histologischen Untersuchung muss abgewartet werden
Noch unklar ist, ob sich der Papst jetzt einer Chemotherapie, einer Strahlentherapie oder einer anderen Behandlung unterziehen muss. Zunächst muss das vollständige Ergebnis der Gewebeuntersuchung abgewartet werden. Sollte sich im daraus resultierenden histologischen Befund herausstellen, dass die entfernten Lymphknoten vom Tumor befallen sind, wird geprüft, ob eine postoperative Behandlung erforderlich ist. Welche Therapie infrage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die sich aus den weiteren Untersuchungen ergeben.
Sind die Lymphknoten dagegen tumorfrei, könnte die am Dienstag durchgeführte Operation ausreichen. In diesem Fall seien die Heilungschancen sehr hoch, meinen Fachärzte. Bei Menschen, deren Lungenfunktion vor der Operation normal war, führt der Eingriff in der Regel nicht zu Einschränkungen, die die Lebensqualität beeinträchtigen.
Südamerika-Reise könnte verschoben werden
Im November steht für den Papst eine fast zweiwöchige Reise nach Uruguay, Argentinien und Peru auf dem Programm. In Peru war der frühere, weltweite Chef des Augustinerordens viele Jahre als Missionar und Bischof tätig. Er hat auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Zur Reise gehört ein Besuch der Stadt Cusco in 3.400 Metern Höhe. Bei manchen Leuten führt diese Höhe zu Atemproblemen und zur Höhenkrankheit. Die peruanische Präsidentin Keiko Fujimori sagte am Mittwoch, der Besuch von Papst Leo XIV. in Lateinamerika könnte sich aus gesundheitlichen Gründen verschieben.
“Wir hoffen, dass sich der Papst schnell und bald erholt und sein Besuch stattfinden kann. Wir werden aber auch Verständnis haben, wenn dies nicht möglich sein sollte. Entscheidend ist, dass Seine Heiligkeit wieder gesund wird”, sagte Fujimori. Sie bekundete zudem ihre Solidarität mit dem Papst. Die Präsidentin zeigte sich erleichtert, dass der Lungeneingriff am Vortag erfolgreich verlaufen sei und sich das Kirchenoberhaupt erhole. Die Diagnose habe große Besorgnis ausgelöst. Millionen Peruaner beteten für seine rasche Genesung, sagte Fujimori.
Bruder des Papstes erhielt Nachricht von Mitarbeiter des Kirchenoberhaupts
Der Bruder des Papstes, Louis Prevost, hat nach eigenen Angaben eine Nachricht von einem engen Mitarbeiter des Kirchenoberhaupts erhalten. Dieser habe ihm mitgeteilt, dass der Papst den Operationssaal verlassen habe, wach sei, sich gut fühle und keine Schmerzen habe, sagte Prevost in einer Liveschaltung mit dem US-Sender Newsmax am Mittwoch. Louis Prevost sagte, er habe seinem Bruder geraten, zur Behandlung in die USA zurückzukehren. Der Papst habe geantwortet, dass es in Rom hervorragende Ärzte gebe. Die gute Nachricht, fügte Louis Prevost hinzu: Auch wenn der Tumor bösartig gewesen sei, er sei gesamt entfernt worden. Louis Prevost selbst befindet sich derzeit wegen einer Krebserkrankung in den USA im Krankenhaus.
Erstmals in der Amtszeit Leos XIV. hat am Mittwoch inzwischen der Kardinaldekan anstelle des erkrankten Papstes dessen Predigt vorgetragen. Zum Abschluss einer einwöchigen internationalen Bischofsversammlung zum Thema Ehe und Familie im Vatikan übernahm der philippinische Kurienkardinal Luis Tagle (69) die Leitung des Gottesdienstes, an dem Hunderte Bischöfe und Priester sowie Zehntausende Besucherinnen und Besucher teilnahmen. Aus Österreich feierte der Salzburger Erzbischof und Bischofskonferenz-Vorsitzende Franz Lackner die Messe mit. Kardinäle und Gläubige beteten zusammen für die Gesundheit des Papstes.




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