Bozen - Nur rund zehn Sekunden hat ein Ladendiebstahl im Elektrogeschäft Sixpol Electronics in der Bozner Altstadt gedauert. Doch neben dem Warenwert und dem Vorfall an sich beschäftigt die Inhaber eine wichtige Frage. Wie in der Videoaufnahme zu sehen ist, betrat eine bislang unbekannte Frau gegen 16. 46 Uhr das Geschäft in der Bindergasse. Während ein Mitarbeiter mit einem Kunden beschäftigt war, hat sie eine ausgestellte weißes JBL-Bluetooth-Box im Wert von 149 Euro an sich genommen und in ihrer Tasche gesteckt. Zehn Sekunden nach dem Betreten hat sie das Geschäft auch schon wieder verlassen. Nach Entdeckung des Diebstahls verständigten die Betreiber über die Notrufnummer 112 die Sicherheitskräfte. Laut „Sixpol Electronics“ wurde der Betrieb an diesem Tag an die Carabinieri verwiesen. Da die Frau das Geschäft bereits verlassen hatte, sei aber keine Streife mehr gekommen. Für die Anzeige müsse man persönlich zu einer Dienststelle kommen, hieß es aus der Dantestraße. "Dass eine nachträgliche Anzeige persönlich aufgenommen werden muss, können wir grundsätzlich nachvollziehen. Was bei uns nach diesem Gespräch dennoch zurückblieb, war der subjektive Eindruck, dass ein solcher Vorfall bei einem Warenwert von 149 Euro keine besondere Dringlichkeit genießt." Das Unternehmen betont, es gehe ihm nicht allein um den Wert des gestohlenen Geräts. Vielmehr wolle man auf das Problem von Ladendiebstählen und die aus Sicht des Handels damit verbundenen Folgen aufmerksam machen. Am Montag erstattete „Sixpol Electronics“ nach eigenen Angaben dann bei der Staatspolizei in Bozen eine formelle Anzeige wegen des Diebstahls und übergab dabei auch das Videomaterial. Hier habe man aus früheren Vorfällen gute Erfahrungen gemacht. Man wolle in Bezug auf die Sicherheitskräfte keine pauschalen Vorwürfe erheben, heißt es. "Wir können lediglich schildern, wie sich die Situation für uns als unmittelbar betroffenen Betrieb dargestellt hat." Und weiter: "Was uns vielmehr beschäftigt, ist eine grundsätzlichere Frage: Wie viele solcher Vorfälle muss der Einzelhandel mittlerweile als normalen Bestandteil des Geschäftsrisikos hinnehmen, und wie können Geschäftsleute das Vertrauen behalten, dass auch vermeintlich kleinere Eigentumsdelikte konsequent verfolgt werden? 149 Euro mögen für Außenstehende zunächst kein großer Schaden sein. Für uns entscheidet jedoch nicht die Höhe des Preisschildes darüber, ob ein Diebstahl ernst zu nehmen ist."