Mailand - Auch in Italien ist es am Samstag zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Nach Protesten in Mailand, Bologna und Turin wurden 28 Personen festgenommen, 197 Personen wurden identifiziert – darunter auch viele Minderjährige und Migranten der zweiten Generation. Während sich in Bologna der Gesamtschaden auf 100. 000 Euro beläuft, wird in Mailand mit einem Schaden in der Höhe von 500. 000 Euro gerechnet, den die Randalierer angerichtet haben sollen. Verteidigungsminister Guido Crosetto stellte klar, dass die Verantwortlichen dafür aufkommen müssten. Auch Innenminister Matteo Piantedosi drohte den Urhebern mit harten Strafen, Minderjährige würden ebenfalls mit aller Härte des Gesetzes verfolgt. Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala bemängelte unterdessen die geringe Anzahl an Ordnungskräften bei den Einsätzen. „Vor allem auf dem Domplatz hielt sich eine hochgradig gewaltbereite Gruppe auf, der nur eine Handvoll Polizisten gegenüberstanden: Ich befürchte, dass man die Situation unterschätzt und dass die Anzahl der Polizeikräfte, die die Quästur in Mailand zur Verfügung hat, nicht angemessen ist“, unterstrich Sala laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Ansa. Er habe den Eindruck, dass wenige auf eine Vielzahl getroffen seien. Gleichzeitig rief der Bürgermeister dazu auf, friedliche Demonstranten von Gewalttätern zu unterscheiden. Der Innenminister kritisierte darauf seinerseits Sala mit scharfen Worten. „Es ist ein natürlicher Reflex versnobter, radikaler Linker, die Schuld beim Staat zu suchen, anstatt Gewaltbereite ohne Wenn und Aber zu verurteilen. Demnach trägt die Quästur die Schuld und nicht jene, die die Stadt verwüsten und Ordnungshüter angreifen“, erklärte Piantedosi. Sala warf dem Innenminister darauf mangelnden politischen Anstand vor. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bekundete unterdessen ihre Solidarität mit der Polizei. „Ein weiteres Mal mussten Frauen und Männer der Ordnungshüter der Gewalt von Kriminellen gegenübertreten, die in organisierten Gruppen Demonstrationen ausnutzen, um Chaos zu säen“, betonte Meloni. Sie dankte sämtlichen Vertretern der Ordnungskräfte, die anwesend gewesen seien, um die Sicherheit der Bürger, der Arbeitnehmer und der Kaufleute zu schützen. Die Bürger hätten ein Recht darauf, ohne Angst in ihren Städten zu leben, schrieb die Ministerpräsidentin auf der Plattform X. Vizepremier und Lega-Chef Matteo Salvini plädierte in einem Interview unterdessen für mehr „Aktionsfreiheit“, über die Polizeikräfte verfügen sollten, und schlug ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Auch Elly Schlein, die Parteisekretärin des PD, verurteilte die Gewalt. „Wir haben mit diesen Kriminellen nichts zu tun, die man bei den Demonstrationen in den vergangenen Tagen gesehen hat. Aber man darf nicht Schläger dazu benutzen, um von Tausenden friedlicher Demonstranten abzulenken, die in Italien aufgrund der hohen Lebenskosten kein Auskommen mehr haben“, erklärte Schlein in Rom.