Trient - Hoch oben in den Brenta-Dolomiten bei Madonna di Campiglio liegt die „Baita Natalia“, eine traditionsreiche Berghütte mit ungewöhnlichen Gästen. Einer von ihnen war Michael Schumacher. Der Formel-1-Star hat einen äußerst bleibenden EIndruck bei den Besitztern hinterlassen. Er war aber längst nicht die einzige prominente Persönlichkeit, die in der Hütte einkehrte. Erbaut wurde die Hütte 1954 von den Brüdern Raffaele und Natale Vidi, die als Bergführer und Skilehrer tätig waren. Ursprünglich trug sie den Namen „Rifugio 5 Laghi“, seit 2023 heißt sie „Baita Natalia“ – benannt nach Natalia Vidi, die das Haus jahrzehntelang gemeinsam mit ihrem Mann Augusto führte. Heute wird die Hütte von ihrer Tochter Martina Marcora weitergeführt. Hin und wieder kehrten auch prominente Persönlichkeiten in die rustikale Berghütte ein. Unter ihnen waren Sportgrößen wie Valentino Rossi, Michael Schumacher und Ingemar Stenmark, Politiker wie Romano Prodi und Giuliano Vassalli, aber auch Schauspieler und Künstler wie Walter Chiari, Anita Ekberg, Moana Pozzi, Enrico Montesano und Enrico Brignano. Auch Saadi al-Gaddafi, Sohn des damaligen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, gehörte zu den Gästen. Besonders lebendig erinnert sich Martina an Valentino Rossi. Der Motorrad-Weltmeister kam eines Tages am Nachmittag mit einer Gruppe aus Madonna di Campiglio vorbei, die vor allem aus Skilehrern bestand, er schaute kurz ins Selbstbedienungsrestaurant und nahm sich völlig selbstverständlich ein Schnitzel mit Pommes. Martina erinnert sich an Rossi als einen ausgesprochen sympathischen und bodenständigen Gast. "Seine typisch romagnolische Art zu sprechen sorgte für eine lockere und herzliche Atmosphäre", betont Martina. Auch der Besuch von Saadi al-Gaddafi, Sohn des ehemaligen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, ist der Familie in Erinnerung geblieben. Er kam vorbei als er zu Gast in einem naheliegenden Hotel übernachtete. "Bevor er mit seiner Frau, seinem Bruder und weiteren Begleitern eintraf, kamen zunächst vier Leibwächter, die die gesamte Hütte inspizierten und insbesondere Ein- und Ausgänge kontrollierten. Anschließend saß die Sicherheitsmannschaft strategisch verteilt im Lokal." erzält Martina. Sie erinnert sich an Gaddafi als einen äußerst gutaussehenden Mann. Er und seine Frau waren beide im westlichen Stil gekleidet und seien sehr freundlich gewesen. Als seine Frau nach dem Zustand des Weges zum Ritorto-See fragte, riet Martina wegen des noch vorhandenen Schnees und ihrer Moon Boots von der Wanderung ab. Schumacher wollte vor allem eins: einmal unsichtbar sein Einen bleibenden Eindruck hinterließ jedoch vor allem Michael Schumacher. Als sein Besuch angekündigt wurde, wusste das Personal, dass der Formel-1-Star möglichst unerkannt bleiben wollte. Nach dem Essen verließ Schumacher die Hütte schließlich durch die Küchentür und mit aufgesetztem Helm, um nicht von anderen Gästen erkannt zu werden. "Er hat vor allem unseren Risotto geliebt". Der frühere Ministerpräsident Romano Prodi gehörte auch zu den wiederkehrenden Gästen und kam laut der Wirtin auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt regelmäßig vorbei. Bei einem Besuch begrüßte ihn Augusto Marcora mit einem Scherz über seine neu gewonnene Freiheit: "Beschweren Sie sich nicht, nun können Sie so viel Fahrrad fahren, wie Sie möchten". Prodi nahm den Spruch mit Humor. Seitdem erkundigte er sich bei seinen Besuchen regelmäßig nach den Hüttenbetreibern, um sich mit ihnen zu unterhalten. Trotz ihrer völlig unterschiedlichen Lebenswelten verband die prominenten Gäste offenbar der Fakt, dass sie alle in der Hütte das einfache Leben suchten, keinen exklusiven Luxus, sondern die Berge, traditionelle Küche und eine ungezwungene Atmosphäre. Genau das macht für Martina auch heute noch das Lokal aus, es ist bewusst eine klassische Berghütte geblieben – mit traditioneller Einrichtung, typischen Gerichten und einer gemütlichen Atmosphäre. Das schätzen nicht nur bekannte Persönlichkeiten, sondern auch zahlreiche internationale Gäste aus verschiedenen Ländern, die vor allem im Winter nach Madonna di Campiglio kommen und einen Halt in der Berghütte machen.