Rovigo – Die Provinzhauptstadt Rovigo in unserer Nachbarregion Venetien ist Schauplatz eines „Kriegs“, wie ihn sich die altbekannten Filmhelden Fernandel und Gino Cervi in den lustigen „Don Camillo und Peppone“-Filmen lieferten. Der einzige Unterschied ist, dass im Jahr 2026 die Rolle des Peppone eine „Peppona“ – die 61-jährige Valeria Cittadin, die an der Spitze einer Mitte-Rechts-Koalition Rovigo als erste Bürgerin vorsteht – übernimmt, während der Part des Don Camillo dem Bischof der Diözese Adria-Rovigo, Monsignore Pierantonio Pavanello, zufällt. Der Konflikt eskalierte Anfang Oktober, nachdem Pavanello die Politik der Bürgermeisterin in Bezug auf die Aufnahme von Migranten sowie den Umgang mit den Ärmsten und Strafgefangenen öffentlich kritisiert hatte. Valeria Cittadin, die selbst gläubige Katholikin ist, wies die Kritik des Bischofs, sie kümmere sich nicht um die Ärmsten und Ausgestoßenen, zurück. Sie erinnerte ihn daran, dass es allein ihre Aufgabe sei, zu regieren und für Sicherheit zu sorgen. Es ist jedoch nicht der erste Streit zwischen den beiden und die nächsten Runden des Duells „Don Camillo gegen Peppone” werden nicht nur von den Lokalmedien mit Spannung erwartet. Der Zündfunke sprang am Sonntag, dem 4. Oktober 2026, im Dom während der Messe zum Fest des Heiligen Franz von Assisi über, als Monsignore Pierantonio Pavanello mit einer Aussage von der Kanzel herab für einen Eklat sorgte. In seiner Predigt, die er vor der in der ersten Reihe sitzenden Bürgermeisterin Valeria Cittadin hielt, erinnerte Bischof Pavanello die Institutionen an ihre Pflicht zur Solidarität und bezeichnete Ausländer, Arme und Häftlinge als die „Aussätzigen von heute“. Anschließend übte Monsignore Pavanello deutliche Kritik an der Stadtverwaltung. Er betonte, dass es in Rovigo seit vielen Monaten keinen Ombudsmann für Häftlinge mehr gebe, und forderte die von Valeria Cittadin geführte Stadtregierung dazu auf, rasch für eine Ernennung zu sorgen. Tatsächlich waren die Bürgermeisterin und Monsignore Pavanello bereits in der Vergangenheit aneinandergeraten, da die Bürgermeisterin gegen die Umwandlung eines alten Klosters in eine Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge eingeschritten war. Die resolute 61-jährige Bürgermeisterin, die seit der gewonnenen Stichwahl vor zwei Jahren an der Spitze einer Mitte-Rechts-Koalition steht, ließ die heftige, öffentlich vor ihren Augen vorgebrachte Kritik nicht auf sich sitzen. Am nächsten Tag veröffentlichte sie in den sozialen Medien eine scharfe Antwort, um eine klare Grenze zwischen den jeweiligen Zuständigkeiten zu ziehen. Diese lässt sich im folgenden Satz zusammenfassen: „Der Bischof soll Bischof sein. Die Bürgermeisterin soll Bürgermeisterin sein.“ In ihrer Stellungnahme verwies die Bürgermeisterin Valeria Cittadin nicht nur auf mehrere ihrer wesentlichen Standpunkte, sondern schloss diese auch mit einer Breitseite gegen den Bischof ab. Obwohl sie sich als gläubige Katholikin bekennt, betont sie eine strikte Trennung der Aufgabenbereiche: Während dem Geistlichen die seelsorgerische Führung obliegt, liegt die Verantwortung für das Regieren und die Gewährleistung der Sicherheit allein bei den demokratisch gewählten Vertretern. Zudem wies sie den Vorwurf des mangelnden Mitgefühls zurück und stellte klar, dass echte Hilfsbereitschaft und Solidarität niemals in ein unkontrolliertes Laissez-faire umschlagen dürfen. Das berechtigte Sicherheitsbedürfnis der von ihr vertretenen Bevölkerung müsse daher ernst genommen werden. Gleichzeitig kritisiert sie scharf die Vermischung von Religion und Politik, da sie die Nutzung der Kanzel oder des sakralen Raumes für politische und der Stadtverwaltung zustehende Botschaften als unangebracht erachtet, zumal diese Themen in vorausgegangenen persönlichen Gesprächen mit dem Bischof nicht zur Sprache gebracht worden waren. Abschließend fordert sie von der kirchlichen Führung eine ebenso entschlossene Haltung und klare Worte, wenn es um den aktiven Schutz der kulturellen Identität, der überlieferten Symbole und der christlichen Fundamente der Gemeinschaft geht – Worte, die von ihr und vielen Einwohnern von Rovigo jedoch oftmals kläglich vermisst werden. Das scharfe Duell zwischen „Don Camillo und Peppona“ hat die politische Debatte in Rovigo sofort angeheizt. Die Opposition unter Führung der Demokratischen Partei griff die Bürgermeisterin an und sprach vom „Ende ihrer politischen Amtszeit“, da sie den Diözesanbischof frontal angegriffen hatte. Die Mehrheitsparteien des Mitte-Rechts-Lagers verteidigten hingegen die Haltung von Valeria Cittadin und betonten die Pflicht der Stadtverwaltung, die Sicherheit der Einwohner von Rovigo zu gewährleisten. Im Stadtrat sprachen sich andere, gemäßigtere Stimmen hingegen für eine Klärung und einen direkten, vertraulichen Dialog zwischen der Stadtverwaltung und dem Bistum aus. Das sind zwar löbliche und besonnene Worte, aber angesichts des Scherbenhaufens, den „Don Camillo und Peppona“ inzwischen angehäuft haben, dürfte es, wie in den „Don Camillo und Peppone“-Filmen mit Fernandel und Gino Cervi, höchstens zu einem „bewaffneten Waffenstillstand“ reichen, bis der „Krieg“ erneut ausbricht. Da die Bürgermeisterin und der Bischof in fast allen Themenbereichen völlig konträre Ansichten vertreten, dürfte es laut erfahrenen Beobachtern der Lokalpolitik nicht lange dauern, bis die beiden erneut die Säbel kreuzen. Die nächsten Runden des Duells „Don Camillo gegen Peppona” werden nicht nur von den Lokalmedien mit Spannung erwartet.