Brixen - Brixens Städtepartnerschaften werden derzeit auf beiden Seiten gepflegt. Nachdem die Vertreter der Partner- und befreundeten Städte beim Brixner Altstadtfest zu Gast waren, ist nun die Brixner Delegation mit Vizebürgermeister Ferdinando Stablum und Stadträtin Bettina Kerer zum Gegenbesuch unterwegs. Erste Station war Bernkastel-Kues in Deutschland, nun geht es nach Havlíčkův Brod in Tschechien. In Bernkastel-Kues fiel der Besuch mit dem traditionellen Weinfest zusammen. Zwischen Festprogramm und offiziellen Begegnungen blieb Raum für den politischen Austausch. Die Verbindung zwischen beiden Städten reicht bis zu Nikolaus von Kues zurück, der im 15. Jahrhundert Fürstbischof von Brixen war. Was einst über eine gemeinsame historische Figur begann, ist heute Teil eines regelmäßigen kommunalen Austauschs. In Havlíčkův Brod steht ein besonderes Jubiläum im Mittelpunkt: Die tschechische Stadt erinnert heuer an ihre erste urkundliche Erwähnung vor 770 Jahren, im Jahr 1256. Das Jubiläum wird mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begangen. Havlíčkův Brod, heute ein regionales Zentrum in der Region Vysočina, blickt dabei auf eine Geschichte zurück, die eng mit Handel, Handwerk und dem mittelalterlichen Silberbergbau verbunden ist. Auch zwischen Brixen und Havlíčkův Brod gibt es einen historischen Anknüpfungspunkt. Der tschechische Publizist und Politiker Karel Havlíček Borovský verbrachte zwischen 1851 und 1855 Jahre im Brixner Exil. Sein ehemaliges Wohnhaus erinnert noch heute an diese Zeit. Dort wurde im Rahmen des diesjährigen Besuchs ein Kranz niedergelegt und zugleich auf das 770-Jahr-Jubiläum der Partnerstadt hingewiesen. Wie lässt sich Wohnen im Alter organisieren? Doch bei den Treffen soll es nicht bei historischen Bezügen bleiben. Im Zentrum stehen zunehmend Fragen, die die Kommunen heute unmittelbar beschäftigen: Wie lässt sich Wohnen im Alter organisieren? Wie kann Jugendarbeit funktionieren? Welche Antworten gibt es auf Klimawandel und Umweltfragen? Gesprochen wird zudem über Landwirtschaft, Energie, Mobilität, nachhaltige Stadtentwicklung, Tourismus sowie die Zusammenarbeit von Vereinen und kulturellen Einrichtungen. Gerade darin liegt die praktische Seite der Partnerschaften. Unterschiedliche Städte stehen häufig vor ähnlichen Problemen, gehen aber nicht immer dieselben Wege. Der Austausch bietet die Möglichkeit, Erfahrungen aus Verwaltung und Politik miteinander zu vergleichen und Kontakte auch außerhalb der Rathäuser zu vertiefen – in Wirtschaft, Kultur, Bildung und im Vereinsleben. Die Gegenbesuche knüpfen damit unmittelbar an den Austausch beim Brixner Altstadtfest an. Die historische Verbundenheit bleibt der gemeinsame Ausgangspunkt. Entscheidend für die weitere Zusammenarbeit ist jedoch zunehmend, was die Städte aus ihren heutigen Erfahrungen miteinander teilen können.