Falsche Pässe, Ausbeutung und eine Spur durch ganz Italien

Das dreckige Geschäft mit der Pflege-Not

Mittwoch, 07. Oktober 2026 | 15:46 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Bozen – Die Finanzpolizei Bozen meldet eine groß angelegte Ermittlungsoperation gegen ein mutmaßliches kriminelles Netzwerk: Insgesamt 95 Hausdurchsuchungen laufen seit den Morgenstunden in zehn italienischen Provinzen, darunter Bozen und Trient. 29 Personen wurden bereits festgenommen.

Den Ermittlern zufolge soll die Gruppe ausländische Frauen illegal nach Italien gebracht und anschließend als Pflege- und Haushaltshilfen – sogenannten “Badanti” vermittelt haben.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen der Finanzpolizei Meran stehen zwei georgische Frauen, die demnach Landsfrauen in Georgien angeworben haben. Die Frauen sollen anschließend illegal nach Italien gebracht und über ein Netzwerk in Haushalten vor allem in Südtirol und im Trentino untergebracht worden sein. Dort verrichteten sie Pflege- und Haushaltsdienste. Die Familien, wo die Frauen anpackten, waren ahnungslos.

Eine Arbeitsvermittlungsagentur in Meran soll dabei die formelle Anstellung ermöglicht haben. Die dort tätigen Betreiber hätten laut Ermittlern von der tatsächlichen Herkunft und dem Status der Frauen gewusst.

Finanzpolizei

Um die gesetzlichen Vorgaben für die Beschäftigung von Nicht-EU-Bürgerinnen zu umgehen, soll das Netzwerk Identitätsdaten manipuliert und gefälschte Dokumente sowie falsche Steuernummern erstellt haben.

Auf diese Weise seien mehr als hundert georgische Frauen fälschlich als EU-Bürgerinnen ausgewiesen worden. Damit konnten laut Finanzpolizei unter anderem die Einwanderungsbestimmungen und jährliche Kontingente zur Einwanderung umgangen werden.

Den Ermittlungen zufolge wurden die Frauen zudem stark kontrolliert, teilweise ihrer Ausweisdokumente beraubt und nach den Interessen des Netzwerks von einem Haushalt in einen anderen vermittelt. Außerdem mussten sie laut der Finanzpolizei einen Teil ihres Lohns oder Zahlungen an die Vermittlerinnen abgeben.

Insgesamt wurden 101 Personen wegen verschiedener Delikte angezeigt, darunter Arbeitsausbeutung und illegale Arbeitsvermittlung, Urkundenfälschung sowie Beihilfe zur illegalen Einwanderung.

An der Operation sind italienweit rund 220 Finanzpolizisten beteiligt. Die Durchsuchungen finden neben Südtirol und Trentino auch in Udine, Crotone, Reggio Emilia, Reggio Calabria, Gorizia, Pordenone, Pisa und Bologna statt. Dabei werden gefälschte Dokumente, elektronische Geräte und weitere Beweismittel gesucht.

29 Personen wurden laut Finanzpolizei bereits auf frischer Tat mit gefälschten Dokumenten angetroffen und festgenommen.

Die Ermittlungen dauern an. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung, bis eine rechtskräftige Verurteilung vorliegt.

Bezirk: Burggrafenamt

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