Der Friedensnobelpreis geht an die Juristin Navanethem "Navi" Pillay aus Südafrika. Sie sei "eine Person von außergewöhnlichem Mut und außergewöhnlicher Integrität", hieß es vonseiten des norwegischen Nobelkomitees in Oslo am Freitag. Die 85-Jährige war in ihrer Laufbahn unter anderem Richterin am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH), am Internationalen Gerichtshof (IGH) und UNO-Menschenrechtskommissarin."Wenn ihr noch ein bisschen mehr klatscht, teile ich diesen Preis vielleicht mit Trump", sagte die diesjährige Friedensnobelpreisträgerin Navi Pillay am Freitag, als sie mit stehenden Ovationen gefeiert wurde. Pillay hält sich derzeit in Nürnberg auf. Die Chefin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Agnès Callamard, filmte den Moment, als die südafrikanische Juristin von ihrer Ehrung erfuhr, und veröffentlichte ein Video davon im Onlinedienst X. Die Auszeichnung ist mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, was rund einer Million Euro entspricht. Der Friedensnobelpreis wird am 10. Dezember in Oslo überreicht. Im vergangenen Jahr war der Friedensnobelpreis an die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado gegangen. Trump, der den Friedensnobelpreis seiner Meinung nach schon mehrfach verdient hätte, blieb enttäuscht zurück. Er musste sich mit der Friedensnobelpreis-Medaille begnügen, die ihm Machado Anfang Jänner 2026 als Zeichen ihrer Anerkennung überreichte. Pillay amtierte als Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte und leitete die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission der UNO zu den besetzten palästinensischen Gebieten. Zuvor hatte Pillay 1967 als erste Frau in ihrer Heimatprovinz Natal eine Anwaltskanzlei eröffnet. Anschließend verteidigte sie Anti-Apartheid-Aktivistinnen und Aktivisten, deckte Folter auf und trug zur Durchsetzung der Rechte von Gefangenen bei. Weitere Reaktionen auf EhrungDas UNO-Menschenrechtsbüro lobte die Entscheidung und würdigte Pillays langjährigen Einsatz. Dies sei eine großartige Nachricht, und es brauche mehr Hingabe und Engagement für die Menschenrechte, teilte die UNO-Behörde in Genf mit. Die Auszeichnung sei besonders bedeutend "in einer Zeit, in der Menschenrechte an so vielen Fronten unter Beschuss stehen - auch vonseiten derer, die enorme Macht ausüben", ergänzte der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk, in Genf. Türk dankte seiner früheren Amtsvorgängerin Pillay im Namen des UNO-Büros für Menschenrechte: "Du bleibst eine Inspiration für uns und Millionen anderer Menschen. Wir werden den Sieg davontragen", sagte der österreichische UNO-Diplomat. Auch der Menschenrechtsexperte Manfred Nowak begrüßte die Entscheidung im Ö1-Mittagsjournal und hob Pillays Einsatz für Frauenrechte hervor. Die Ehrung Pillays sei laut Nowak auch symbolisch zu werten und soll dem IStGH sowie dem IGH den Rücken stärken. Die Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, Tomoko Akane, sagte, der Preis sei "eine wichtige Würdigung der entscheidenden Rolle, die die internationale Justiz als Eckpfeiler eines dauerhaften Friedens spielt". Gerade in der heutigen Zeit, in der Institutionen des internationalen Rechts unter großem Druck stünden, sei diese Auszeichnung von besonderer Bedeutung. Auch Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa würdigte Pillays Einsatz für Frieden, Menschenwürde und Gerechtigkeit. "Sie hat der Menschheit mit Prinzipientreue und dem Glauben gedient, dass die Welt ein besserer Ort sein kann und sollte", erklärte er. Die Ehrung erinnere daran, allen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und ihren Lebensumständen die Möglichkeit zu geben, ihr Potenzial zu entfalten und zur Gesellschaft beizutragen. Pillay ist nach Albert Luthuli, Desmond Tutu, Nelson Mandela und Frederik Willem de Klerk die fünfte südafrikanische Persönlichkeit, die den Friedensnobelpreis erhält. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen würdigte Pillay als Verfechterin "der Rechtsstaatlichkeit gegenüber dem Recht des Stärkeren". Die Juristin sei "die Verteidigerin der Verfolgten, der Schutzbedürftigen, der Stimmlosen und der Ausgegrenzten", schrieb von der Leyen auf X. Scharfe Kritik aus IsraelScharfe Kritik kam indes aus Israel. Das Nobelpreiskomitee habe "die größte Lüge des 21. Jahrhunderts" belohnt, hieß es in einer Stellungnahme des israelischen Außenministeriums auf der Plattform X. Zuletzt leitete Pillay eine UN-Untersuchungskommission, die Israel 2025 Völkermord im Gazastreifen vorwarf. Israels Regierung weist die Vorwürfe entschieden zurück. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte die Anschuldigung, sein Land begehe im Gazastreifen einen Völkermord, kürzlich als "größte Lüge des Jahrhunderts" bezeichnet. Israel spricht angesichts der heftigen internationalen Kritik am Vorgehen der israelischen Armee im Gaza-Krieg von Selbstverteidigung nach dem Hamas-Terrorangriff vom 7. Oktober 2023. Israels Ansehen hat international großen Schaden genommen. Von Israels Außenministerium hieß es weiter: "Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Pillay ist keine Würdigung der Gerechtigkeit. Es ist die groteske Instrumentalisierung einer Auszeichnung, um antiisraelischen Hass und Vorurteile zu legitimieren." Israel warf der Preisträgerin zugleich vor, die "politisch motivierte Dämonisierung Israels" voranzutreiben. Der nationalsozialistische Propagandaminister Joseph Goebbels applaudiere "sicher aus der Hölle", hieß es in der Mitteilung weiter. Von der Busfahrertochter zur UNO-SpitzenjuristinPillay wurde 1941 als Tochter eines Busfahrers im südafrikanischen Durban geboren. Weil sie als indischstämmige Frau während der Apartheid keine Anstellung als Anwältin fand, eröffnete sie 1967 als erste Frau in der damaligen Provinz Natal ihre eigene Kanzlei. Sie verteidigte Gegner des Apartheidregimes und setzte sich für die Rechte politischer Gefangener ein. 1995 wurde sie als erste nicht weiße Frau zur Richterin an einem südafrikanischen Obergericht ernannt. Im selben Jahr wechselte sie an das UNO-Kriegsverbrechertribunal für Ruanda, dem sie später vier Jahre lang vorstand. Dort wirkte sie 1998 an einem wegweisenden Urteil mit, das Vergewaltigung erstmals als mögliche Form des Völkermords anerkannte. Von 2003 an war Pillay Richterin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, bevor sie 2008 das Amt der UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte übernahm. Bis 2014 blieb sie im Amt. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Ehrendoktorwürden. 2021 übernahm Pillay den Vorsitz einer UNO-Untersuchungskommission zu Israel und den besetzten Palästinensergebieten. Im September 2025 kam das Gremium zu dem Schluss, dass Israel im Gazastreifen Völkermord begangen habe. Israels Regierung wies die Vorwürfe als voreingenommen und falsch zurück. Die Vorwürfe der Voreingenommenheit wiederum wies Pillay mit Verweis auf die Beweislage von sich. Insgesamt 287 Personen nominiertIn diesem Jahr waren insgesamt 287 Kandidaten für den Friedensnobelpreis nominiert - und damit deutlich weniger als 2025. Vorschläge für Preisträger können etwa Kabinettsmitglieder, Universitätsprofessoren, Staatsoberhäupter oder frühere Preisträger machen. Unter den Nominierten waren diesmal 208 Personen und 79 Organisationen. Die Verkündung des Friedensnobelpreises ist die letzte Bekanntgabe in dieser Woche. In den vergangenen Tagen sind bereits Preisträger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie und Literatur verkündet worden. Die prestigeträchtige Auszeichnung für Literatur ging in diesem Jahr an die Kanadierin Anne Carson. Am Montag folgt als letzte Auszeichnung noch der Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel. Offiziell ist die Auszeichnung kein Nobelpreis, weil sie nicht auf das Testament des schwedischen Industriellen und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833-1896) zurückgeht. Sie wird aber traditionell nach den Nobelpreisen vergeben.