Am Freitag ist der Ölpreis auf den höchsten Stand seit vier Monaten gestiegen, und das könnte noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein, warnt der Energieexperte Walter Boltz. An den österreichischen Tankstellen blieben die Preise am gestrigen Donnerstag allerdings stabil, nachdem sie zuvor leicht angestiegen waren. Diesel kostete, wie am Vortag, 2,168 Euro/Liter, bei Benzin wurden 1,918 Euro verrechnet (nach 1,934 Euro am Vortag). Den ehemaligen E-Control-Chef Boltz würden Literpreise von mehr als 2 Euro bei Benzin und 2,50 bei Diesel nicht überraschen, sagte er Donnerstagabend in der "ZiB2". Er geht davon aus, dass die Energiepreise noch um 20 bis 30 Prozent steigen werden. Mit dem derzeit steigenden Gaspreis wäre zumindest mittelfristig auch mit steigenden Strompreisen zu rechnen. Erstmals seit Mai über 100 DollarDerzeit blickt die Energiebranche jedenfalls besorgt in den Nahen Osten. Die Angriffe verfeindeter Parteien rund um die wichtigsten Schifffahrtsrouten haben die Sorge vor Lieferengpässen geschnürt und die Preise an den Weltmärkten angetrieben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich um ein Prozent auf 108,68 Dollar. Der Preis für US-Leichtöl WTI stieg ebenfalls um ein Prozent auf 103,45 Dollar. Beide Sorten steuerten auf einen Wochengewinn von fast 13 Prozent zu und lagen damit erstmals seit Mitte Mai über der Marke von 100 Dollar/Barrel. In den USA sorgen wiederum anstehende Zwischenwahlen für Unruhe unter Republikanern und Demokraten. Die stetig steigenden Lebenshaltungskosten könnten Ersteren empfindliche Wahlverluste bescheren. Am Donnerstag überstieg der Durchschnittspreis für Diesel in den USA erstmals die Marke von sechs Dollar pro Gallone (3,8 Liter). Gestiegene Inflation in ÖsterreichUnd auch in Österreich zieht die Teuerung an. Die Preise für einen typischen Warenkorb sind im August im Jahresvergleich um 3,2 Prozent gestiegen, während im Juli die Teuerungsrate noch bei 2,8 Prozent lag. Preistreiber waren laut Statistik Austria die Treibstoffe. Die hohen Spritpreise schlagen sich auch in den Neuzulassungen der Autos wieder. Während das Zulassungsplus über alle Antriebsformen in Österreich im August bei 1,6 Prozent lag, verzeichneten reine Elektroantriebe einen Zuwachs von 46,4 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist inzwischen um Beruhigung bemüht. Die globale Wirtschaftsleistung werde 2026 voraussichtlich weiterhin um etwa drei Prozent wachsen, teilte der IWF am Donnerstag mit. "Bisher hat sich die Weltwirtschaft trotz des sechsmonatigen Krieges im Nahen Osten als robust erwiesen", so IWF-Sprecherin Julie Kozack. Der IWF hatte im Juli seine Prognose für das globale Wachstum 2026 auf 3,0 Prozent gesenkt, verglichen mit einem Durchschnitt von 3,5 Prozent für die Jahre 2024 und 2025. Kräftige Gewinnsteigerung bei ÖlkonzernenZu beruhigen versucht auch die österreichische Regierung. Sie hat Ende August die Spritpreisbremse um einen weiteren Monat verlängert. Bis Ende September wird die Mineralölsteuer (MöSt) um 1,9 Cent pro Liter gesenkt. Ebenfalls fortgesetzt wurde die Regelung, dass die Tankstellen Preissenkungen bei den internationalen Preisnotierungen verpflichtend und rasch weitergeben müssen. Die von SPÖ, Grünen und Gewerkschaften geforderte Margenbeschränkung bleibt ausgesetzt, Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) sieht nämlich durch Markteingriffe die Versorgungssicherheit gefährdet. Die Ölkonzerne haben zuletzt jedenfalls gut verdient. So hat die heimische teilstaatliche OMV im zweiten Quartal 2026 ihren bereinigten operativen Gewinn um 65 Prozent auf 1,71 Mrd. Euro gesteigert. Der britische BP-Konzern steigert den bereinigten Gewinn im zweiten Quartal auf 5,73 Mrd. Dollar, ein Plus von 144 Prozent. Shell verdiente im zweiten Quartal so viel wie seit Beginn des Ukraine-Kriegs nicht mehr. Der bereinigte Nettogewinn sprang auf 9,8 Mrd. Dollar und lag damit mehr als doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor.