Freigabe soll unverzüglich erfolgen

G7 geben bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl frei

Freitag, 02. Oktober 2026 | 18:44 Uhr

Von: importer

Die G7-Staaten haben sich auf die Freigabe von 100 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl und Diesel aus ihren strategischen Reserven geeinigt. Damit reagiert das Bündnis auf den Druck der USA, das Angebot zu erhöhen und die wegen des Iran-Kriegs stark gestiegenen Kraftstoffpreise zu senken.

“Wir werden unsere Verpflichtungen durch eine koordinierte Freigabe von 100 Millionen Barrel über die IEA (Internationale Energieagentur, Anm.) umsetzen, die unverzüglich anlaufen und sich über vier Monate erstrecken soll”, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der G7 am Freitag. Dies beinhalte zudem eine vorgezogene, erhebliche Freigabe von Diesel innerhalb der ersten 20 Tage durch die G7-Mitglieder und ihre Partner. In den kommenden Tagen wolle man im Rahmen der IEA über mögliche weitere Freigaben beraten.

Der G7 gehören die USA, Kanada, Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Japan an. US-Präsident Donald Trump begrüßte die Entscheidung. “Europa hat soeben zugestimmt, erhebliche Mengen seiner gut gefüllten Dieselbestände freizugeben. Die Freigabe wird unverzüglich anlaufen”, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. Trump versucht, die Kraftstoffpreise im eigenen Land vor den US-Kongresswahlen am 3. November zu senken. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte am Donnerstag unter Berufung auf drei mit den Gesprächen vertraute Personen berichtet, dass die US-Regierung Deutschland und Frankreich mit einem Exportverbot für Diesel gedroht habe, sollten die beiden Länder ihre Notfallreserven nicht anzapfen. Insidern zufolge hatten die USA von großen europäischen Staaten die Freigabe von 100 Millionen Barrel Diesel innerhalb von 20 Tagen gefordert.

“Märkte nicht weiter verunsichern”

Die EU-Staaten hatten zuvor über einen Vorschlag Frankreichs beraten, wonach die europäischen Staaten 50 Millionen Barrel Diesel und die übrigen IEA-Mitglieder 50 Millionen Barrel Rohöl freigeben sollten. Eine Freigabe von 50 Millionen Barrel Diesel entspricht nach Daten der Statistikbehörde Eurostat (Stand Mai 2025) etwa 17 Prozent der gesamten Notfallvorräte der EU an Diesel und Benzin sowie rund 3 Prozent des jährlichen Verbrauchs in der Gemeinschaft. Die EU muss dabei abwägen, wie sie die hohen Kraftstoffkosten senken kann, ohne ihre strategischen Reserven zu gefährden, die bei anhaltenden Lieferausfällen im Nahen Osten infolge des Iran-Kriegs dringend benötigt werden könnten.

An den Finanzmärkten sorgte die Ankündigung für Entlastung: Die US-Diesel-Futures fielen im Handelsverlauf um mehr als 4 Prozent auf 4,4491 Dollar (3,9316 Euro) pro Gallone (3,79 Liter). Die europäischen Benchmark-Diesel-Futures gaben Daten von LSEG zufolge um mehr als 100 Dollar je Tonne nach. Die deutsche Bundesregierung hatte sich am Mittag noch zurückhaltend über die Pläne geäußert. “Der Grund für die hohen Kraftstoffpreise liegt zuvorderst in der Lage im Nahen Osten und der damit zusammenhängenden Verknappung des Angebots. Es gilt jetzt, die Märkte nicht weiter zu verunsichern”, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille.

Nervosität im Weißen Haus

Das weltweite Dieselangebot ist derzeit extrem angespannt. Neben dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran belasten ein russisches Exportverbot für Diesel – eine Reaktion auf ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien – sowie die vorübergehende Aussetzung chinesischer Kraftstoffexporte den Markt. Europa, das früher stark von Importen aus Russland und dem Nahen Osten abhängig war, bezieht Diesel seit einigen Jahren zunehmend aus den USA. Die aus 32 Mitgliedstaaten bestehende IEA hatte im März als Reaktion auf den Iran-Krieg eine koordinierte Freigabe von 400 Millionen Barrel aus den strategischen Ölreserven beschlossen – die bisher umfangreichste in der Geschichte der Organisation. IEA-Chef Fatih Birol erklärte diese Woche, dass die Mitglieder davon bisher etwa zwei Drittel freigegeben hätten.

“Da sie Anfang des Jahres bei den versprochenen Freigaben strategischer Reserven gezögert haben und nun von möglichen US-Exportbeschränkungen aufgeschreckt wurden, werden die europäischen Staaten wahrscheinlich mehr Diesel und möglicherweise auch Rohöl aus ihren Beständen freigeben”, sagte Bob McNally, Präsident des Beratungsunternehmens Rapidan Energy Group. Die Freigabe europäischer Reserven sei eine notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung, um US-Exportbeschränkungen zu verhindern. Diese stünden angesichts der großen politischen Nervosität im Weißen Haus wegen der hohen Preise an den Zapfsäulen weiterhin im Raum, erklärte McNally weiter.

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