Bozen – Die Hitze hat Südtirol weiterhin im Griff. Vor allem in Bozen und im Unterland sinkt die Temperatur auch in den Abendstunden kaum ab. Um sich Abkühlung zu verschaffen, springt so mancher deshalb nicht nur ins Schwimmbecken, sondern auch in den Fluss. Das birgt allerdings Risiken. Der grüne Gemeinderat Rudi Benedikter hat in der Vergangenheit wiederholt von der Stadtverwaltung gefordert, die Möglichkeit eines öffentlichen Strandbads oder eines Badesees entlang der Talfer oder am Eisack zu überprüfen – ein Projekt, das Land und Stadtgemeinde gemeinsam verwirklichen könnten. Benedikter sieht darin die Chance, Sicherheit, Umweltschutz und Raum für Erholung unter einen Hut zu bringen. Weil ein ausgedehnter Flussbereich heiße Temperaturen ausgleicht und mit viel Grün für Beschattung sorgt, könnte das gesamte Mikroklima in der Stadt davon profitieren. Bereits ein Beschlussantrag aus dem Jahr 1996 sah die Entwicklung eines natürlichen Badeareals inmitten von Bozen vor. Die Idee besteht bislang allerdings nur auf dem Papier. Dass sich das in naher Zukunft ändern wird, ist eher unwahrscheinlich: Sowohl Bürgermeister Claudio Corrarati als auch Stadtrat Marco Caruso halten ein Strandbad am Fluss für zu gefährlich. Wie die Zeitung Alto Adige berichtet, ist das mehreren Bürgern unterdessen egal. Vor allem in Bereichen, von wo man vom Ufer aus leicht ins Wasser gelangt, wurden in den vergangenen Tagen mehrere Personen beobachtet, die im Eisack baden. Neben Erwachsenen waren auch Kinder im Wasser – viele davon mit Migrationshintergrund. Die Verlockung, sich in die Becken zu tauchen, die sich während der Trockenheit im Flussbett gebildet haben, ist verständlich. Dennoch ist die Gefahr nicht unerheblich. „Eine scheinbar ruhige Situation kann sich von einem Moment auf den anderen ändern – mit allen Konsequenzen, vor allem da viele Erwachsene und deren Kinder Nichtschwimmer sind“, warnt Luca Felisetti, der in der italienischen Schwimmvereinigung für den Bereich der Rettung zuständig ist. Wenn Schleusen geöffnet werden, steigt der Wasserstand in einem Fluss plötzlich. „Aufgrund der unebenen Beschaffenheit des Flussbettes bilden sich auch häufiger Verwirbelungen und Strudel“, warnt Felisetti. Außerdem besteht die Gefahr, auf Steinen am Grund auszurutschen oder steckenzubleiben. Auch Schnittwunden sind ein Risiko, zumal rücksichtslose Mitmenschen immer noch ihren Müll im Fluss entsorgen – von Glasflaschen über Fahrräder bis hin zu kaputten Waschmaschinen, die im Wasser vor sich hin rosten.