Bozen - Bei der traditionellen Friedhofsfeier zu Allerheiligen in Bozen hat Bischof Ivo Muser heute Sonntag, 1. November 2026, an die Verantwortung jedes Einzelnen für den Frieden erinnert. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine kritisierte er, dass mehr über den Sieg als über Wege zum Frieden gesprochen werde. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Predigt war der Umgang mit schwerkranken und sterbenden Menschen. Muser betonte ihre unveräußerliche Würde und forderte, sie gerade am Lebensende nicht allein zu lassen. „Wer der Toten gedenkt, darf sich deshalb nicht mit dem Unfrieden der Lebenden abfinden.“ Mit diesen Worten verband Bischof Ivo Muser bei der Friedhofsfeier in Bozen-Oberau das Gedenken an die Verstorbenen mit einem Appell an die Lebenden. Friedhöfe seien nicht nur Orte der Erinnerung, sondern würden auch zur Versöhnung einladen: mit anderen Menschen, mit schmerzhaften Erinnerungen und mit sich selbst. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine und die Gewalt im Gazastreifen äußerte sich der Bischof besorgt. Es werde viel mehr über den Sieg als über Wege zum Frieden gesprochen. Die Folgen von Krieg, Zerstörung und Hass würden noch Generationen belasten. Umso wichtiger sei es, im persönlichen Umfeld Frieden zu stiften. „Frieden beginnt im Kleinen: in unseren Familien, Nachbarschaften und Begegnungen.“ Dazu brauche es die Bereitschaft, zuzuhören, Unterschiede auszuhalten und Versöhnung zu ermöglichen. Frieden bedeute allerdings nicht, Unrecht zu leugnen oder Leid zu verharmlosen. Menschenwürde auch am Lebensende achten Einen weiteren Schwerpunkt seiner Predigt widmete Muser dem Umgang mit schwerkranken und sterbenden Menschen. Fragen der medizinischen Behandlung, der Selbstbestimmung am Lebensende und des assistierten Suizids stellten die Gesellschaft vor schwierige Entscheidungen. Dabei dürfe es weder vorschnelle Urteile noch vereinfachende Antworten geben. Hinter diesen Fragen stünden Menschen mit ihren Ängsten, ihrem Leid und ihren Hoffnungen. Der Bischof betonte, dass die Würde des Menschen weder von seiner Leistungsfähigkeit noch von seiner Selbstständigkeit abhänge. Niemand dürfe das Gefühl haben, aufgrund von Alter, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit eine Last zu sein. Notwendig seien eine gute medizinische Versorgung, verlässliche Hospiz- und Palliativangebote sowie Menschen, die Zeit und Nähe schenken. Eine menschliche Gesellschaft zeige sich vor allem daran, wie sie mit ihren verletzlichsten Mitgliedern umgehe. Allerheiligen als Fest der Hoffnung Bereits am Vormittag hatte Bischof Muser beim Gottesdienst in Lengstein die christliche Hoffnung auf die Auferstehung in den Mittelpunkt gestellt. Allerheiligen sei nicht nur ein Fest der Erinnerung, sondern ein Fest der Hoffnung. Dabei erinnerte er auch an die vielen unbekannten „Heiligen des Alltags“, die durch ihre Hilfsbereitschaft und ihre Bereitschaft zur Versöhnung Gottes Liebe sichtbar gemacht hätten. Bei der Friedhofsfeier in Bozen griff Muser diesen Gedanken erneut auf. Entscheidend sei am Ende nicht, wie viel ein Mensch besessen oder erreicht habe, sondern ob er für andere da gewesen sei, Frieden gestiftet und Menschen in schwierigen Situationen nicht allein gelassen habe. Die Erinnerung an die Verstorbenen solle deshalb auch dazu ermutigen, bewusster, menschlicher und hoffnungsvoller zu leben.