Die vielfach ausgezeichnete Vorarlberger Autorin Monika Helfer ist am Sonntag nach einem Sturz im Alter von 78 Jahren überraschend gestorben. In ihrem 2020 erschienenen Bestseller "Die Bagage" erzählte sie wie in den beiden Folgewerken "Vati" (2021) und "Löwenherz" (2022) aus ihrer eigenen Familiengeschichte. Mit der Trilogie schrieb sie sich in die erste Reihe der österreichischen Gegenwartsautorinnen. Aus der Politik kamen am Sonntagabend zahlreiche Würdigungen. Nach Informationen der APA ist Helfer, Ehefrau des Literaten Michael Köhlmeier und Mutter von vier Kindern, darunter der 2003 bei einer Wanderung abgestürzten Paula Köhlmeier, am Samstag in ihrem Garten gestürzt, wobei sie mit dem Kopf auf einem Stein aufkam. Sie wurde ins Landeskrankenhaus Feldkirch gebracht, wo sie in der Nacht verstorben ist. "Die ganze Familie steht unter Schock", sagte eine Angehörige. "Monika Helfer hat mit ihrer geraden, klaren, wahrhaftigen Literatur die Welt lebendiger gemacht. Mit ihrem Tod verlieren wir Schönheit", würdigte Verleger Jo Lendle vom Hanser Verlag die Autorin, die zuletzt in Hohenems und Wien gelebt hat und die in den vergangenen Jahren regelmäßig neue Bücher veröffentlicht hat. Van der Bellen: "Einfühlsame Stimme""Wenige konnten das einfache Leben mit so viel Eleganz und Würde wiedergeben wie Monika Helfer", schrieb Bundespräsident Alexander Van der Bellen auf X (vormals Twitter). "Ihre einfühlsame Stimme hat die österreichische Literatur mit jedem Buch mehr bereichert."Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) schrieb auf X, dass er die Autorin erst kürzlich bei den Bregenzer Festspielen "als außergewöhnlichen Menschen" kennengelernt habe. "Ihre Bücher haben viele Menschen bewegt und werden durch ihre sprachliche Kraft und Menschlichkeit in Erinnerung bleiben."Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) würdigte Helfer via Aussendung als eine der prägenden Stimmen der österreichischen Gegenwartsliteratur. "Mit ihrer unverwechselbaren Sprache und ihrer besonderen Art des Erzählens schuf sie Werke, die weit über Österreich hinaus gelesen und geschätzt werden", so Ludwig."Monika Helfer verstand es wie kaum eine andere, aus persönlichen Erinnerungen und Familiengeschichten große Literatur zu schaffen", so Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ). "Mit sprachlicher Klarheit, feiner Beobachtungsgabe und großer Empathie erzählte sie von den Brüchen des Lebens, ohne jemals laut werden zu müssen. Gerade diese literarische Haltung machte ihr Werk so unverwechselbar." Auch die IG Autorinnen Autoren trauern um ihre Kollegin: "Wir haben mit ihr einen der aufmerksamsten, engagiertesten, beherztesten und liebenswürdigsten Menschen verloren, mit dem wir in den letzten Jahrzehnten zu tun hatten."Erstveröffentlichung mit 30 JahrenMonika Helfer wurde am 18. Oktober 1947 in Au im Bregenzerwald geboren. Sie wuchs in einem Kriegsversehrtenheim bei Bludenz auf, wo ihr Vater, der im Krieg ein Bein verloren hatte, Verwalter war. Als Kind schon "lesesüchtig", begann sie mit elf Jahren zu schreiben, damals starb ihre Mutter. Zugleich verlor sie ihr Zuhause, die Kinder wurden in der Verwandtschaft aufgeteilt, und sie kam mit ihren Schwestern zu einer Tante nach Bregenz in beengte Verhältnisse. Sie schrieb viel, wollte weg aus Vorarlberg und studieren, wollte "die sein, die auf dem Buchrücken steht". Stattdessen absolvierte sie die Handelsschule, heiratete mit 19 Jahren, zog in den Bregenzerwald und bekam zwei Kinder. Sie beschrieb diese Zeit stets als unglücklich, die Trennung folgte. Im Alter von 30 Jahren veröffentlichte sie ihren Erstling "Eigentlich bin ich im Schnee geboren" (1977). Bei den "Randspielen", einem Gegenfestival zu den Bregenzer Festspielen, lernte sie den Schriftsteller Michael Köhlmeier kennen, den sie 1981 heiratete. Sie bekamen zwei gemeinsame Kinder: Lorenz Helfer ist Maler, Tochter Paula Köhlmeier verunglückte 2003 bei einer Wanderung tödlich - ein tiefer, schmerzlicher Verlust, den Monika Helfer 2010 in ihrem Roman "Bevor ich schlafen kann" aufarbeitete. Der große Durchbruch gelang ihr spät, mit über 70: Wochenlang stand 2020 der Roman "Die Bagage", der auf dem Leben ihrer Großmutter mütterlicherseits und deren Kindern basiert, auf den Bestenlisten. Der über 100. 000 Mal verkaufte Bestseller wurde für den Österreichischen Buchpreis nominiert, erhielt beim Bayerischen Buchpreis den Publikumspreis. Erfolg mit Trilogie zur FamiliengeschichteDas erfolgreiche Rezept, die eigene Familie als literarischen Stoff zu verwenden, behielt Monika Helfer bei mit den Folge-Romanen "Vati" (2021), mit dem sie ihrem bücherliebenden Vater ein Denkmal setzte, und "Löwenherz" (2022) über ihren lebenskünstlerischen Bruder Richard. Ihr Schreiben, in dem Fiktionales und Autobiografisches verschwimmen, zeichnete sich durch große Empathie aus, die sie ihren Figuren entgegenbrachte, oft Kinder oder/und Außenseiter. Dabei wahrte sie jedoch stets Distanz und behielt selbst bei Romanen eine gewisse Kürze. Monika Helfer veröffentlichte zahlreiche Romane, Erzählungen, Kinderbücher und Stücke, darunter "Die wilden Kinder" (1984), "Kleine Fürstin" (1995), "Wenn der Bräutigam kommt" (1998) oder "Mein Mörder" (1999). 1999 las sie beim Bachmann-Preis-Wettbewerb. Zu ihren Theaterstücken zählen "Die Aufsässige" (1992), "Bestien im Frühling" (1999) und "Kreuzers Kinder" (2010). Jahrelang schrieb sie eine Kolumne für die "Vorarlberger Nachrichten". 2022 stand sie mit ihrem Erzählband "Bettgeschichten und andere" neuerlich auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises. Auch mit ihrer 750-seitigen Geschichtensammlung "Wie die Welt weiterging" (2024) war sie im Finale um den Österreichischen Buchpreis. Auch Zusammenarbeit mit Ehemann Michael KöhlmeierAuch zusammen mit ihrem Mann Michael Köhlmeier, ihrem stets kritischen, ersten Leser, entstanden immer wieder Werke, so schufen sie gemeinsam "Das Leben der Krawatten" (2022). Sie illustrierte zudem Köhlmeiers Erzählung "Lange Nacht heim" (2022). 2016 erhielt sie gemeinsam mit ihrem Mann das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. 2021 unternahm Monika Helfer mit der Ausstellung "Sühne" einen Ausflug ins Bildnerische (zusammen mit Sabine Morgenstern). Gemeinsam mit der Illustratorin Kat Menschik veröffentlichte sie "Bücherfreund" und erst Anfang 2026 die Novelle "Wer bist du" rund um die doppelte Begegnung zweier Frauen. Für ihre literarische Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ehrenpreis des Vorarlberger Buchhandels (1995), dem Würdigungspreis für Literatur (1997), dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis (2003 und 2011), dem Bodensee-Literaturpreis (2021), dem "Solothurner Literaturpreis" (2020) und dem Johann-Peter-Hebel-Preis (2022). Anfang dieses Jahres erhielt sie den mit 10. 000 Euro dotierten Boccaccio. cc-Preis für ihre Erzählung "Sie wollten sich trennen". Bezug nehmend auf den prämierten Text schrieb die IG Autorinnen Autoren am Sonntag: "Es ist durch ihren Tod eine großartige Autorin von uns gegangen, von der wir literarisch noch viel erwarten hätten können."