Bozen - Der Weltkopfschmerztag findet jedes Jahr am 5. September statt. Damit soll auf Kopfschmerzen und Migräne als ernstzunehmende Volkskrankheiten aufmerksam gemacht werden. Wiederkehrende Kopfschmerzen sollten ernst genommen werden, darauf weist der Südtiroler Sanitätsbetrieb hin. Kopfschmerzen sind den meisten Menschen wohl aus eigener Erfahrung bekannt. Was für die einen eine vorübergehende Unannehmlichkeit ist, kann für andere eine Erkrankung sein, die den Alltag erheblich einschränkt. Migräne, Spannungskopfschmerzen und andere Kopfschmerzerkrankungen gehören zu den häufigsten neurologischen Beschwerden. Zum Weltkopfschmerztag am 5. September macht der Südtiroler Sanitätsbetrieb darauf aufmerksam, dass wiederkehrende oder besonders starke Kopfschmerzen nicht einfach hingenommen werden sollten. Eine aktuelle internationale Studie, die 2026 im Journal of Headache and Pain veröffentlicht wurde, zeigt, dass weltweit an einem beliebigen Tag mehr als 600 Millionen Menschen zwischen 18 und 65 Jahren unter Kopfschmerzen leiden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Kopfschmerzerkrankungen zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Migräne ist mehr als Kopfschmerz Typisch für eine Migräne sind anfallsartige, häufig einseitige und pulsierende Kopfschmerzen. Zusätzlich können Übelkeit und Erbrechen sowie eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen oder Gerüchen auftreten. Manche Betroffene erleben zudem eine sogenannte Aura mit Sehstörungen, Kribbeln oder Sprachstörungen. Auch Spannungskopfschmerzen sind weit verbreitet. Sie äußern sich meist durch einen drückenden oder beengenden Schmerz und sind häufig weniger stark als eine Migräne. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Stärke einzelner Schmerzepisoden, sondern deren Häufigkeit. Aber ab wann sollte man sich wegen Kopfschmerzen an einen Arzt oder eine Ärztin wenden? „Wenn die Symptome neu und ungewohnt sind, ungewöhnliche oder plötzliche Merkmale aufweisen und mit anderen Symptomen einhergehen, dann sollte man einen Arzt aufsuchen. Entscheidend ist es, festzustellen, ob die Schmerzen anders als sonst sind, ob sie plötzlich aufgetreten sind und von anderen neurologischen oder systemischen Anzeichen begleitet werden“, betont Raffaele Nardone, Primar der Abteilung Neurologie am Krankenhaus Meran. Auf Trigger achten Aber was passiert eigentlich im Kopf der Betroffenen während einer Migräneattacke? Nardone: „Während einer Migräneattacke kommt es im Gehirn zu einer Abfolge von Veränderungen, welche die bioelektrische Aktivität, die Schmerzbahnen, entzündungsfördernde Neuropeptide sowie Nervenzentren betreffen, welche Übelkeit und neurologische Funktionen, insbesondere das Sehen und die Empfindlichkeit gegenüber Reizen, regulieren. Daher werden Kopfschmerzen typischerweise von Übelkeit, Lichtempfindlichkeit, Lärmempfindlichkeit und Sehstörungen begleitet. Verschiedene neurologische Ausfälle können der Migräneattacke vorausgehen und sie begleiten; diese werden als sogenannte ‚Migräneaura‘ bezeichnet.“ Dabei, so Primar Nardone, gibt es auch typische Auslöser für Migräneattacken: „Jede Person hat ihr eigenes ‚Triggerprofil‘. Zu den häufigsten Faktoren zählen Stress, Schlaf, hormonelle Aktivität, Ernährung, sensorische Reize, Flüssigkeitszufuhr, Wetter sowie der Lebensstil.“ Kopfschmerzen können auch ein Anzeichen beziehungsweise Erstsymptom einer anderen, auch schweren neurologischen Erkrankung sein, insbesondere wenn sie ungewöhnliche oder plötzliche Merkmale aufweisen oder mit neurologischen Symptomen einhergehen, unterstreicht Primar Nardone. Auch wenn die meisten Kopfschmerzerkrankungen „gutartig“ seien, gäbe es Situationen, in denen Kopfschmerzen ein Warnsignal darstellen und eine dringende ärztliche Abklärung erfordern. Muster beobachten Klar ist: Nicht jeder Kopfschmerz benötigt eine eingehende Untersuchung - manche allerdings schon. Deshalb ist es wichtig, nicht nur den einzelnen Kopfschmerzanfall zu behandeln, sondern auch das Muster dahinter zu betrachten: Wie häufig treten die Beschwerden auf? Wie lange dauern sie? Welche Begleitsymptome gibt es? Welche Medikamente werden eingenommen und wie oft? Dabei kann für Betroffene ein Kopfschmerztagebuch hilfreich sein. Darin werden Datum, Dauer und Stärke der Beschwerden, Begleitsymptome, mögliche Auslöser sowie eingenommene Medikamente festgehalten. Dadurch lassen sich eventuelle Muster erkennen. Der Kopfschmerztag am 5. September soll vor allem eines vermitteln: Kopfschmerzen müssen nicht einfach ausgehalten werden. Wer regelmäßig darunter leidet, sollte sich Unterstützung holen – denn eine genaue Diagnose ist der erste Schritt zu einer gezielten Behandlung und damit zu mehr Lebensqualität.