Von: Sophia Molitor
Bozen – Der Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister lvh.apa reagiert auf die jüngsten Proteste von Arbeitern wegen ausstehender Löhne auf Südtiroler Baustellen und unterstreicht: “Wer öffentliche Aufträge vergibt, sollte die bestehenden Möglichkeiten konsequent nutzen, Leistungen in überschaubare Lose und einzelne Gewerke aufzuteilen. Davon profitieren Betriebe, Beschäftigte und letztlich die gesamte regionale Wirtschaft.”
Der lvh nimmt die aktuellen Berichte über ausstehende Lohnzahlungen im Bausektor mit Sorge zur Kenntnis. Wo Menschen ihre Arbeitsleistung erbringen, müssen vereinbarte Löhne selbstverständlich fristgerecht bezahlt werden. Gleichzeitig zeigen solche Fälle, wie wichtig stabile und transparente Strukturen bei öffentlichen Bauvorhaben sind.
Nach Ansicht des lvh liegt ein wesentlicher Hebel bereits in der Gestaltung der Ausschreibungen. Der italienische Vergabekodex sieht ausdrücklich die Unterteilung von Aufträgen in funktionale, leistungsbezogene oder quantitative Lose vor, um insbesondere Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen eine effektive Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen zu ermöglichen. Wird auf eine Aufteilung verzichtet, muss dies von der Vergabestelle begründet werden. Auch im Südtiroler Vergaberecht wurde die Unterteilung in Lose gezielt verankert, um die Beteiligung von Kleinst- und Kleinunternehmen sowie ortsnahen Betrieben zu erleichtern.
Öffentliche Ausschreibungen stärker aufteilen
„Gerade bei größeren Bauvorhaben sollten ausschreibende Körperschaften verstärkt prüfen, welche Leistungen getrennt nach Gewerken und in mittelstandsfreundlichen Losen ausgeschrieben werden können. So erhalten spezialisierte Handwerksbetriebe die Chance, direkt an öffentlichen Ausschreibungen teilzunehmen, anstatt ausschließlich als nachgelagerte Auftragnehmer tätig zu werden“, betont lvh-Direktor Walter Pöhl.
Eine stärkere Aufteilung kann aus Sicht des Verbandes mehrere Vorteile verbinden: mehr Wettbewerb, eine breitere Beteiligung qualifizierter Betriebe und eine stärkere regionale Wertschöpfung. Vor allem aber werden Verantwortlichkeiten direkter und Vertragsketten überschaubarer. Die Losvergabe sollte daher nicht als zusätzliche Komplexität verstanden werden, sondern als Instrument für einen funktionierenden, mittelstandsfreundlichen Wettbewerb.
„Öffentliche Aufträge sind auch ein wirtschaftspolitisches Steuerungsinstrument. Die vorhandenen Spielräume sollten deshalb konsequent genutzt werden, damit Qualität, Verlässlichkeit und faire Rahmenbedingungen am Bau gestärkt werden“, so Pöhl.




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