Meran - Die Feier zum 80. Jahrestag der Unterzeichnung des Pariser Vertrages am Tag der Autonomie 2026 ist im Gange: Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella und der Österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen sind im Kurhaus Meran eingetroffen. Um 11 Uhr hat die offizielle Festveranstaltung im Kursaal begonnen. Seit dem frühen Morgen haben sich die geladenen Gäste im Kurhaus eingefunden. Auf der Kurpromenade vor dem Kurhaus versammelten sich zudem zahlreiche Medienvertreterinnen und Medienvertreter sowie Zaungäste, Bürgerinnen und Bürger, um das Eintreffen der Staatspräsidenten mitzuerleben. Auch die Stadtmusikkapelle sowie Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen und Verbänden aus Meran waren zum Empfang gekommen. Der Präsident der Italienischen Republik, Sergio Mattarella, traf mit seiner Delegation am Kurhaus ein. Landeshauptmann Arno Kompatscher, Regierungskommisärin Maddalena Travaglini und Merans Bürgermeisterin Katharina Zeller begrüßten ihn vor dem Kurhaus. Anschließend traf der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen gemeinsam mit seiner Frau Doris Schmidauer ein. Der Bundespräsident kam zu Fuß über die Kurpromenade zum Kurhaus. Präsident Mattarella begrüßte Van der Bellen. Die beiden Staatspräsidenten gingen anschließend gemeinsam in das Kurhaus, wo die Delegationen bereits versammelt waren. Nach der Vorstellung der Delegationen begeben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Kursaal. Um 11 Uhr beginnt im Kursaal des Kurhauses Meran die offizielle Feier zum 80. Jahrestag der Unterzeichnung des Pariser Vertrages am Tag der Autonomie 2026. Der Festakt wird ab 11 Uhr live auf dem Youtube-Kanal des Landes Südtirol übertragen. Kompatscher würdigt Autonomie als Erfolgsmodell Die italienischen und österreichischen Nationalhymnen eröffneten den Festakt. Nach einem musikalischen Beitrag des Haydn Orchesters von Bozen und Trient mit dem Geiger Julian Kainrath richtete Landeshauptmann Arno Kompatscher seine Ansprache an die beiden Staatsoberhäupter und die Festgäste. Kompatscher erinnerte daran, dass das Abkommen von 1946 zunächst als Enttäuschung wahrgenommen worden sei. Die erhoffte Rückkehr Südtirols zu Österreich war ausgeblieben. Es folgten politische Auseinandersetzungen, die Befassung der Vereinten Nationen und bilaterale Verhandlungen, die zum Südtirol-Paket von 1969 und zum zweiten Autonomiestatut führten. "Es war also die Notwendigkeit der Umsetzung des Pariser Vertrages, die zum Südtirol-Paket und somit auch zum zweiten Autonomiestatut führte", betonte Kompatscher. Zugleich hob er hervor, dass der Pariser Vertrag zentrale Grundpfeiler des heutigen Minderheitenschutzes festlegte: muttersprachlichen Unterricht, die Gleichstellung der deutschen und italienischen Sprache, den gleichberechtigten Zugang zu öffentlichen Ämtern sowie autonome Gesetzgebungs- und Verwaltungsbefugnisse. Heute hätten diese Schutzinstrumente ihre Wirkung entfaltet und gäben allen drei Sprachgruppen Sicherheit. Sie seien der Boden, "auf dem aus einem friedlichen Nebeneinander Schritt für Schritt ein wertschätzendes Miteinander wächst". Auch wirtschaftlich habe sich Südtirol dank der Autonomie stark entwickelt. "Autonomie bedeutet für uns Verantwortung", sagte Kompatscher. Mit Blick auf die Zukunft verwies der Landeshauptmann auf die Weiterentwicklung und Absicherung der Autonomie. Ziel sei es, sie als "wirksames Schutz- und Entwicklungsinstrument" zu bewahren, Identitäten zu stärken und zugleich den Mehrwert der Vielfalt zu nutzen. Die europäische Einigung ermögliche es, "das Trennende zu überwinden" und in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino "an einem kleinen Europa in Europa zu bauen". Kompatscher betonte die Bedeutung von Kompromiss, Rechtsstaatlichkeit, Völkerrecht, Diplomatie und internationaler Zusammenarbeit. Der Erfolg sei "nicht in den Schoß gefallen", sondern Ergebnis zäher Verhandlungen und des Willens zur friedlichen Lösung. Für die Zukunft wünschte Kompatscher sich ein Südtirol, das "seinen Menschen mit ihren starken Wurzeln und Traditionen Heimat gibt und zugleich weltoffen, europäisch und mehrsprachig ist – ein Südtirol, das "aus Vergangenem seine Lehren zieht und zuversichtlich nach vorne blickt". Ehrungen für zwei Staatspräsidenten Wenn Südtirol am Tag der Autonomie am 5. September auf seine Geschichte zurückschaut, richtet sich der Blick auch auf jene Persönlichkeiten, "weitblickend, mutig und großherzig" dazu beigetragen haben, das Erfolgsmodell Autonomie zu sichern und weiterzuentwickeln. Im Rahmen der Feier zum 80. Jahrestag der Unterzeichnung des Pariser Vertrags in Meran hat Landeshauptmann Arno Kompatscher den Präsidenten der Italienischen Republik, Sergio Mattarella, und den Bundespräsidenten der Republik Österreich, Alexander Van der Bellen, mit dem Großen Verdienstorden des Landes Südtirol ausgezeichnet. Die Ehrung steht laut Kompatscher für das gemeinsame Engagement Italiens und Österreichs bei der Lösung der Südtirol-Frage, zum Schutz von Minderheiten und zur Weiterentwicklung der Autonomie. "Die Autonomie ist das Ergebnis zäher Verhandlungen mit dem Mut zum Kompromiss und im Vertrauen auf Rechtsstaatlichkeit, Völkerrecht, Diplomatie und internationale Zusammenarbeit", betonte Kompatscher. Gerade deshalb danke das Land Südtirol jenen die dieses Erbe bewahrt und gestärkt haben. In seiner Laudatio würdigte der Landeshauptmann Mattarella als einen der wichtigsten Unterstützer der Südtirol-Autonomie in der italienischen Politik. Seit mehr als vier Jahrzehnten sei der Staatspräsident eng mit Südtirol verbunden und kenne dessen Besonderheiten wie kaum ein anderer Politiker Italiens und habe stets eine schützende Hand über Südtirol gehalten. Als Parlamentarier habe er sich für die Sonderautonomie eingesetzt. Später habe er wichtige Zuständigkeiten und Vermögenswerte an Südtirol mit auf den Weg gebracht. Als Staatspräsident sei er zu einem verlässlichen Garanten der Autonomie geworden und habe Südtirol stets mit Rat begleitet. Den österreichischen Bundespräsidenten Van der Bellen lobte Kompatscher als überzeugten Europäer und wichtigen Begleiter, dem Südtirol eine Herzensangelegenheit sei. Seine persönliche Verbundenheit mit Tirol und sein Verständnis für die Geschichte des Landes hätten ihm ein besonderes Gespür für die Anliegen Südtirols verliehen. Hervorgehoben wurde auch Van der Bellens Einsatz für die Zusammenarbeit zwischen Wien und Rom basierend auf Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung, wodurch die gemeinsame Entwicklung der Autonomie zu gelebter und erfolgreicher Praxis geworden sei. Ebenso unterstütze Van der Bellen die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino mit Engagement. "Gerade angesichts dieser großen politischen Leistungen wünsche ich mir ein Südtirol, das verantwortungsvoll mit diesem Erbe umgeht; ein Südtirol, das seinen Menschen mit ihren starken Wurzeln und Traditionen Heimat gibt und gleichzeitig weltoffen, europäisch und mehrsprachig ist. Ein Südtirol, das aus Vergangenem seine Lehren zieht und zuversichtlich nach vorne blickt", betonte Kompatscher und erinnerte daran, dass die Südtirol-Autonomie heute weltweit als Beispiel für friedliche Konfliktlösung und Minderheitenschutz gelte. Südtirol als Sinnbild für geeintes Europa In seiner Rede zum Festakt anlässlich des 80. Jahrestags der Unterzeichnung des Pariser Vertrags im Kurhaus von Meran am 5. September hat der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Entwicklung Südtirols von einer Konfliktregion zu einem europäischen Vorbild für Autonomie, Minderheitenschutz und grenzüberschreitende Zusammenarbeit nachgezeichnet. Er dankte für die ihm zuteil gewordene Auszeichnung "Großer Verdienstorden des Landes Südtirol". "Südtirol ist eine Erfolgsgeschichte, ein Sinnbild für unser geeintes Europa", unterstrich Bundespräsident Alexander Van der Bellen vor den rund 400 Ehrengästen im Kursaal und erklärte, dass ihm Südtirol als Tiroler und als Kaunertaler "ganz besonders nahe" sei. Als besonderes Stück Europa verbinde Südtirol Italien und Österreich, sagte Van der Bellen und blickte auf die Entwicklung der österreichisch-italienischen Beziehungen zurück: "Südtirol ist von einem Streitobjekt zwischen Österreich und Italien zu einem einigenden Band zwischen unseren Völkern geworden", hob der Bundespräsident hervor. Noch nie zuvor in der gemeinsamen Geschichte seien die Beziehungen zwischen Österreich und Italien "so eng und freundschaftlich" gewesen. "80 Jahre nach der Unterzeichnung des Gruber-De Gasperi-Abkommens leben die Menschen aller Sprachgruppen in Südtirol ein Leben in Frieden, in Wohlstand und unter Wertschätzung ihrer kulturellen Identität", sagte Van der Bellen. Dies sei nur deshalb möglich geworden, weil über Jahrzehnte hinweg der Weg des Dialogs eingeschlagen, das Verbindende über das Trennende gestellt, an einem friedlichen Miteinander festgehalten worden sei. Streitbeilegung, EU-Integration, Schengen, Euro und Euregio vertieften diese Entwicklung. Der Glaube an Dialog und den guten Kompromiss könne auch in der heutigen Zeit Vorbild sein, betonte Bundespräsident Van der Bellen. Der Mehrwert internationaler Organisationen wie der Vereinten Nationen sei zweifellos, dazu genüge ein Blick auf das Beispiel Südtirol. Für die Zukunft gelte es, die Autonomie gemeinsam weiterzuentwickeln. "Wenn wir wollen, dass diese Erfolgsgeschichte auch in den nächsten 80 Jahren fortgeschrieben werden kann, müssen wir dialog- und kompromissbereit bleiben (…) und die Autonomie pflegen und weitergestalten", sagte Van der Bellen. Österreich werde seine Schutzfunktion weiterhin verantwortungsvoll wahrnehmen und im Geist von Karl Gruber und Alcide De Gasperi ein loyaler Partner bleiben, erklärte der Bundespräsident abschließend. Der Sieg der Diplomatie über die Gegensätze "Die Autonomie Südtirols ist ein gemeinsames Erbe, das für Italien und Österreich von großem Wert ist und das es zu bewahren und zu fördern gilt, wie dies mit der jüngsten Reform geschehen ist": Der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella nutzte den Tag der Autonomie 2026, den 80. Jahrestag der Unterzeichnung des Pariser Vertrags und zugleich der Republik Italien, um den Wert des Abkommens zwischen Italien und Österreich hervorzuheben, das zu Südtirols Autonomie geführt hat. Mattarella hob die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Italien und Österreich hervor, die durch die Verbindung zum österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen noch gestärkt werden. Der Staatspräsident dankte Landeshauptmann Arno Kompatscher für die Ehrung und die Feierlichkeiten zum Jahrestag des De-Gasperi-Gruber-Abkommens. „Der Pariser Vertrag war das Ergebnis der Weitsicht zweier Staatsmänner, die angesichts der ungeheuren Tragödie des Zweiten Weltkriegs eine innovative und mutige Lösung für die Südtirol-Frage fanden“, sagte Mattarella. „Natürlich waren ihre jeweiligen Positionen von unterschiedlichen Visionen geprägt. Das Ergebnis war kein einfacher Kompromiss, sondern ein Modell, auf das man sich auch heute noch in schwierigen Situationen in Europa beruft.“ Für den Staatspräsidenten lag sowohl De Gasperi als auch Gruber das Schicksal der deutschen und ladinischen Minderheit am Herzen. Mit ihrem Abkommen sei ihnen dies gelungen, selbst in einem so komplizierten geopolitischen Kontext wie dem der Nachkriegszeit. Die Absicht habe darin bestanden, geopolitische Grenzen willkürlich mit ethnischen Grenzen gleichzusetzen und die Rechte der Menschen in den jeweiligen Gebieten von ihrer kulturellen Identität abhängig zu machen. Die beiden jungen Republiken wollten mit dem Gruber-De-Gasperi-Abkommen jedoch ein entgegengesetztes Prinzip festschreiben: Man sei in seiner eigenen Heimat kein ‚Fremder‘ und kein ‚Ausländer‘, so Mattarella. Grundsätze, die auch in der Verfassung (Art. 3) verankert seien. Das Jahr des Pariser Vertrags war zugleich das Jahr der Gründung der Republik. „Republik und Autonomien haben in diesen Jahrzehnten gemeinsam die Entwicklung der italienischen Demokratie geprägt“, betonte Mattarella. Anschließend unterstrich er erneut die Bedeutung des Pariser Vertrags und verwies auf die "Rückoptionen" und auf das erste Autonomiestatut der Region Trentino-Südtirol, das den Weg zu einer „vollständigen Anerkennung der Sonderautonomien der darin zusammengefassten Gebiete“ ebnete – bis 1992 der Streitfall bei den Vereinten Nationen beigelegt werden konnte. „Es handelte sich um den Sieg der Diplomatie über die Gegensätze“, sagte der Staatspräsident und erinnerte dankend an das Wirken der damaligen Landeshauptleute Silvius Magnago und Alcide Berloffa. „Das Modell, das sich aus dieser international anerkannten Methode zur Streitbeilegung und zum Schutz ethnischer und sprachlicher Minderheiten ableitet, macht Südtirol heute zu einem Vorbild für Zusammenleben und Integration“, betonte Mattarella abschließend und verwies dabei auch auf das Potential der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino. Haydn Orchester und Landesjugendchor als emotionaler Motor Die Musikerinnen und Musiker des Haydn Orchesters von Bozen und Trient und die Sängerinnen und Sänger des Landesjugendchors haben den Festakt "80 Jahre Pariser Vertrag" am 5. September in Meran musikalisch gestaltet, dirigiert von Chefdirigent Alessandro Bonato. Beide Klangkörper vereinen Musikerinnen und Musiker der drei historischen Sprachgruppen Südtirols. "Bei der Auswahl der Werke", berichtet der künstlerische Leiter André Comploi, "wurde Wert darauf gelegt, dass alle drei Sprachgruppen vertreten sind, wie übrigens auch im Orchester selbst; es wurden also Kompositionen italienischer, österreichischer und Südtiroler Komponisten ausgewählt. 'Polyphonic Superpower' ist ein Auftragswerk für den Anlass, ebenso wie das Arrangement von Giorgio Moroders 'Hand in Hand'. Bei der Programmauswahl wurde auch auf stilistische Vielfalt geachtet: von Mozart über Paganini bis Giorgio Moroder und Gerd Hermann Ortler. Es begegnen sich auch Generationen." In Mozarts Ouvertüre und Chor "Che del ciel, che degli Dei" aus der Oper "La clemenza di Tito" wird die Milde des Herrschers gepriesen, eine Botschaft von Menschlichkeit und Versöhnung. Mit Moroders "Hand in Hand" erklang ein Welthit des aus Gröden stammenden weltbekannten Komponisten. Der ebenfalls aus Gröden stammende Komponist Matthäus Crepaz hatte für diesen Festakt ein eigenes Arrangement für das Haydn Orchester, den Landesjugendchor und die international erfolgreiche Gadertaler Sängerin Marlene Schuen geschaffen, "ein musikalisches Zeichen gelebter Verbundenheit über Sprach- und Landesgrenzen hinweg", unterstreicht André Comploi. Im Cantabile in D von Niccolò Paganini war der in Meran geborene Geiger Julian Kainrath zu hören. "Julian Kainraths musikalischer Weg", hebt Comploi hervor, "führte ihn von Südtirol über Wien nach Brüssel und ist damit beispielhaft für das Talent unseres Landes und den lebendigen kulturellen Austausch zwischen Italien, Österreich und Europa." Der aus Glurns stammende und in Wien lebende Gerd Hermann Ortler hat "Polyphonic Superpower" als Auftragswerk für diesen Festakt geschrieben. Das Stück beginnt mit einem Glockenschlag auf dem Ton A, der für die Autonomie steht. "Ortler übersetzt in diesem Werk die Mehrsprachigkeit und kulturelle Pluralität Südtirols in Musik", schildert Comploi: "Unterschiedliche musikalische Stimmen treten in einen lebendigen Dialog und finden zu einem gemeinsamen Klang: Ein Werk, das Pluralität nicht als Gegensatz, sondern als verbindende Kraft versteht, vereint in Vielfalt." Zum Auftakt des Festaktes spielten die Musikerinnen und Musiker des Haydn Orchesters die italienische Nationalhymne und die österreichische Bundeshymne, während die Feierstunde mit Beethovens "Ode an die Freude" ausklang, dem Ausschnitt aus der 9. Symphonie, in dem der Landesjugendchor den Text von Friedrich Schiller sang: "Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt; alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt." Was also der gesellschaftliche Brauch und die Standesunterschiede (die "Mode") voneinander getrennt haben, sollte in ein Ideal von Freiheit, Gleichheit und universeller Menschlichkeit münden. Ein Wunsch, der weit über den Festakt nachklingt. Verbindung von Ausbildung, Regionalität und Gastfreundschaft Noch vor Beginn des neuen Unterrichtsjahres stand für die Schülerinnen und Schüler dreier Landeshotelfachschulen ein außergewöhnliches Ereignis auf dem Programm: Das offizielle Mittagessen für Staatspräsident Sergio Mattarella und den österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen sowie deren Delegationen in der Landeshotelfachschule Kaiserhof. "Dieses Projekt", berichtet Kaiserhof-Direktor Hartwig Gerstgrasser, wurde als gemeinsames Projekt aller drei Meraner Gastgewerbeschulen umgesetzt: "Neben der Landeshotelfachschule Kaiserhof Meran waren dies die Landeshotelfachschule Cesare Ritz Meran und die Landesberufsschule für das Gastgewerbe Savoy Meran. Die organisatorische Planung dafür war bereits während der Sommermonate erfolgt. Und in der Woche vor der Veranstaltung leisteten Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen umfangreiche Vorbereitungsarbeiten in den Bereichen Empfang, Küche, Service, Logistik und Protokoll." Schülerinnen und Schüler der Savoy waren verantwortlich für Empfang, Begrüßung und Gästebetreuung. Schülerinnen und Schüler von Kaiserhof und Ritz trugen die gemeinsame Verantwortung für Küche und Service, bereiteten mit ihren Lehrpersonen die Speisen zu, präsentierten die einzelnen Gänge und übernahmen den Service während des offiziellen Mittagessens. "Das Menü wurde bewusst rund um die drei Themenräume Italien, Österreich und Südtirol entwickelt", erläutert Direktor Gerstgrasser: "Die Weinbegleitung verbindet Weine österreichischer, Südtiroler und italienischer Herkunft. Verwendet wurden regionale Produkte, alpine Zutaten und kulinarische Traditionen, die zeitgemäß interpretiert wurden. Dazu zählen unter anderem Rote-Bete-Ravioli mit Almricotta und Topinamburschaum, ein Duett vom Kalb mit Waldpilzen, ein Walderdbeersorbet auf Buchweizen-Crumble mit Südtiroler Apfel. Auch für die Begleitdelegationen wurde ein eigenes Menü ausgearbeitet." Die Schülerinnen und Schüler bereiteten für die Ehrengäste auch die offiziellen Gastgeschenke vor und überreichten ihnen Pralinen und Gin aus eigener Produktion der beteiligten Schulen. Damit wurden die handwerklichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler ebenso sichtbar wie die Verbindung von Ausbildung, Regionalität und Gastfreundschaft. "Das Projekt ermöglichte den Schülerinnen und Schülern und den Lehrpersonen ihr Können bei einer Veranstaltung mit höchstem protokollarischem Anspruch unter Beweis zu stellen", unterstreicht Direktor Gerstgrasser. Sichtbar wurden dabei die zentralen Ausbildungsbereiche der Gastgewerbeschulen: Empfang und Gästebetreuung, Küche, Service, Mehrsprachigkeit, Teamarbeit, Organisation großer Veranstaltungen. Gleichzeitig war die Veranstaltung ein Beispiel für die enge Zusammenarbeit der drei Meraner Gastgewerbeschulen und für die Qualität der Südtiroler Berufsbildung. Verschiedene Blickwinkel auf den "Grundstein" unserer Autonomie Historische, rechtliche und internationale Perspektiven auf den Pariser Vertrag vereint die neue Broschüre des Landes Südtirol zum 80. Jahrestag des Gruber-De-Gasperi-Abkommens. Zu Wort kommen Experten wie Carlo Romeo, Hans Heiss, Walter Obwexer und Esther Happacher, die Diplomaten Gregor Schusterschitz und Fernand de Varennes sowie die Südtiroler Journalistin Lilli Gruber. Die Publikation wurde von der Agentur für Presse und Kommunikation auf Anregung von Landeshauptmann Arno Kompatscher herausgegeben. "Unsere Idee war es, die Bedeutung und Tragweite des Pariser Vertrags aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten: historisch, juridisch und gesellschaftspolitisch, aber auch im Lichte des Völkerrechts und aktueller Entwicklungen", unterstreicht Abteilungsdirektorin Claudia Messner. Die Perspektive der Historiker Carlo Romeo zeigt auf, dass das bilaterale Abkommen zwischen zwei Ländern, die als Verlierer aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen waren, auf internationaler Ebene wichtige Grundsätze verankerte. Hans Heiss nimmt das Abkommen von 1946 zum Ausgangspunkt für einen Streifzug durch die Südtiroler Geschichte. In Zehnjahresschritten zeichnet er die Entwicklung nach und wagt schließlich sogar eine Prognose für die Zukunft. Werner Pescosta richtet den Blick auf die ladinische Minderheit. Sie war im De-Gasperi-Gruber-Abkommen nicht berücksichtigt worden und erhielt erst in weiterer Folge umfassendere Formen des Schutzes. Der Pariser Vertrag von außen betrachtet Der österreichische Botschafter Gregor Schusterschitz betont in seinem Beitrag, dass das Abkommen zwar seinerzeit von vielen als unzureichender Ersatz für das ersehnte Selbstbestimmungsrecht angesehen wurde, sich langfristig aber als solide Grundlage für eine friedliche Lösung der Südtirolfrage erwiesen hat. Fernand de Varennes, ehemaliger Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen, erklärt im Interview, dass der Erfolg der Südtiroler Autonomie auf Inklusion, Verhältnismäßigkeit, Gleichbehandlung und dem Schutz der Sprachen beruhe. Er regt an, die Erfahrungen Südtirols als Modell für die Lösung internationaler Minderheitenkonflikte zu teilen. Zwei besondere Einblicke Walter Obwexer und Esther Happacher widmen sich dem diplomatischen Notenwechsel zwischen Italien und Österreich nach der Streitbeilegungserklärung 1992. Sie zeigen auf, wie sich aus der Lösung der internationalen Kontroverse eine besondere Form der bilateralen Zusammenarbeit entwickelte. Einen persönlichen Blick auf die Geschichte des Pariser Vertrags eröffnet die Journalistin Lilli Gruber. In ihrem Beitrag fordert sie aufgrund ihrer Erfahrungen als Südtirolerin in Verona und später in Rom auf, Sprache und Kultur als Schlüssel für ein gutes Miteinander zu begreifen. Die Publikation "80 Jahre Pariser Vertrag 1946-2026" findet sich online in der Bibliothek zur Autonomie in den drei Sprachen deutsch, italienisch und ladinisch.