Politik

Richard Gere macht Italien Ansage wegen Migration – berechtigte Kritik?

Dienstag, 06. Oktober 2026 | 11:55 Uhr

Von: importer

Hollywood-Star Richard Gere meldet sich in einem neuen Video für die Hilfsorganisation ActionAid zur europäischen Migrationspolitik zu Wort. Der Schauspieler und Aktivist kritisiert dabei insbesondere den zunehmenden Einsatz von Abschiebung, Inhaftierung und der Verlagerung von Migrationskontrollen außerhalb der EU. Einen konkreten politischen Lösungsansatz legt Gere dabei allerdings nicht vor. Sein Aufruf bleibt vor allem ein Appell an Regierungen und Gesellschaft, bei der Migrationspolitik die Menschenrechte und die Würde der Betroffenen nicht aus den Augen zu verlieren. Insbesondere kritisierte er den aus seiner Sicht zunehmend entwürdigenden Umgang der italienischen Regierung mit Migration.

Gere warnt davor, Migration als Rechtfertigung dafür zu benutzen, grundlegende Werte und Rechte von Menschen zu relativieren. Menschen, die ihre Heimat aufgrund von Krieg, Verfolgung, Armut, Ungleichheit oder Klimakatastrophen verlassen, suchten letztlich dasselbe wie alle anderen: Sicherheit, Würde und Hoffnung. Unabhängig von Herkunft oder Aufenthaltsstatus hätten alle Menschen dieselben grundlegenden Menschenrechte.

Besonders kritisch äußert sich Gere über die Entwicklung in Italien. Er verweist auf den zunehmenden Einsatz von Schubhaftzentren für Migranten und vor allem auf das sogenannte Albanien-Modell. Italien hat dafür Strukturen in Albanien geschaffen, in denen Teile des italienischen Migrations- und Rückführungssystems außerhalb des EU-Gebiets abgewickelt werden. Für Gere bedeutet dies eine Verlagerung der Migrationskontrolle über die europäischen Grenzen hinaus und zugleich eine größere Distanz zur öffentlichen Kontrolle.

Der Schauspieler warnt davor, dass das Albanien-Modell zum Vorbild für die künftige europäische Migrationspolitik werden könnte. Inhaftierung, Abschiebung und die Verlagerung von Menschen über europäische Grenzen hinweg, sollten aus seiner Sicht, nicht als normale Lösungen dargestellt werden.

Die von ActionAid veröffentlichten Zahlen sollen die Kritik der Organisation am italienischen System noch stärker untermauern. Nach Angaben von ActionAid wurden 2025 in Italien insgesamt 4.784 Menschen zwangsweise zurückgeführt. Davon kamen 1.732 aus den sogenannten CPR, den italienischen Abschiebe- und Rückführungszentren. Weitere 3.052 Rückführungen erfolgten, ohne dass die Betroffenen zuvor in einem CPR untergebracht waren.

Gleichzeitig wurden 2025 insgesamt 6.835 Menschen in die CPR eingewiesen – so viele wie nie zuvor. Tatsächlich zurückgeführt wurden anschließend 25,3 Prozent der dort untergebrachten Personen. Die Zahl der Rückführungen aus den CPR lag zudem 45,1 Prozent niedriger als 2022. ActionAid leitet daraus ab, dass eine steigende Zahl von Inhaftierungen nicht automatisch zu mehr Rückführungen führt.

Diese Schlussfolgerung ist allerdings bereits eine Interpretation der Organisation: Aus den Zahlen allein geht zunächst lediglich hervor, wie viele Menschen in CPR eingewiesen und wie viele von dort aus zurückgeführt wurden. Ob die Inhaftierung tatsächlich mit dem Ziel erfolgt, möglichst viele Rückführungen zu erreichen, und wie ihre Wirksamkeit deshalb zu bewerten ist, lässt sich daraus nicht unmittelbar ableiten.

Gere richtet seinen Appell gegen eine Migrationspolitik, bei der Sicherheit auf Kosten von Menschenrechten verfolgt werde. Migration müsse aus seiner Sicht durchaus von Regierungen gesteuert werden – allerdings ohne unmenschliche Bedingungen, ohne das Recht auf Asyl zu schwächen und ohne Menschenrechte als Hindernis zu betrachten. Am Ende steht sein Aufruf, die gemeinsame Menschlichkeit zu verteidigen. „Wir sind alle Migranten“, sagt der erfolgreiche US-Schauspieler.

Ausgeblendet bleibt dabei jedoch die übergeordnete Frage nach den globalen politischen und wirtschaftlichen Strukturen, die Kriege, Instabilität und damit auch Migration begünstigen und die Voraussetzungen für ein sicheres und menschenwürdiges Leben in vielen Ländern nicht gewährleisten.

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