Von: Sophia Molitor
Rom – Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni will ihre Stimme vor Missbrauch durch künstliche Intelligenz schützen lassen. Anlass sind die zunehmenden Fälle von Deepfakes, bei denen ihr Gesicht oder ihre Stimme ohne ihre Zustimmung für falsche Inhalte verwendet werden. Am 5. Oktober reichte sie deshalb beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) einen Antrag auf Eintragung ihrer Stimme als Marke ein. Der Antrag enthält eine nur vier Sekunden lange Aufnahme, in der Meloni zweimal den Satz „Io sono Giorgia Meloni“ – „Ich bin Giorgia Meloni“ spricht. Der Antrag befindet sich noch in der Prüfung. Diese Maßnahme stellt auch eine Kohärnz zur breiteren italienischen KI-Strategie da.
Der Satz “Ich bin Giorgia” ist für viele nicht zufällig gewählt, denn er geht auf eine bekannte Rede Melonis aus dem Jahr 2019 zurück, in der sie sich mit den Worten „Ich bin Giorgia, ich bin eine Frau, ich bin eine Mutter, ich bin Italienerin, ich bin Christin“ vorstellte. Die Formulierung wurde zu einem zentralen Bestandteil ihrer politischen Selbstdarstellung und später auch der Titel ihrer 2021 erschienenen Autobiografie.
Dass Meloni ihre Stimme schützen lassen will, kommt nicht aus dem Nichts, denn ihr Gesicht wurde bereits mehrfach für KI-generierte Fälschungen verwendet. Im Mai 2026 veröffentlichte sie selbst ein manipuliertes Bild, das sie in Unterwäsche zeigte und im Internet als echt ausgegeben worden war. Meloni reagierte mit einer Warnung vor der zunehmenden Gefahr von Deepfakes. Sie erklärte sinngemäß, dass sie sich als Regierungschefin gegen solche Angriffe wehren könne, viele andere Menschen dies aber nicht könnten.
Bereits einige Jahre zuvor leitete sie ein Zivilverfahren gegen einen Mann ein, dem vorgeworfen wird ihr Gesicht für KI-generierte pornografische Inhalte verwendet und diese veröffentlicht zu haben. Das Verfahren ist weiterhin anhängig.
Was Italien im Gegensatz zu den anderen globalen Ateuren anders macht
Der Schutz der Stimme ist aber auch ein weiterer Schritt in einer breiteren italienischen Strategie zum Umgang mit künstlicher Intelligenz. Italien hat 2025 als erstes EU-Land ein eigenes umfassendes KI-Gesetz verabschiedet, das mit dem europäischen AI Act abgestimmt ist. Es setzt auf einen ausdrücklich „menschenzentrierten“ Einsatz von KI, verlangt unter anderem menschliche Verantwortung und Nachvollziehbarkeit und sieht strafrechtliche Konsequenzen für bestimmte schädliche Anwendungen von KI-generierten Inhalten vor.
Besonders relevant für Deepfakes ist dabei der europäische Rahmen: Seit dem 2. August 2026 gelten neue Transparenzpflichten des EU AI Act. KI-generierte oder manipulierte Bilder, Videos und Audiodateien müssen unter bestimmten Voraussetzungen als solche erkennbar gemacht werden; außerdem müssen entsprechende Inhalte technisch gekennzeichnet werden können.
Damit verfolgt Europa einen anderen Ansatz als etwa die USA und China. Die EU setzt stärker auf ein umfassendes, risikobasiertes Regelwerk mit Transparenz- und Kennzeichnungspflichten. Die USA verfolgen unter Präsident Donald Trump dagegen einen deutlich stärker auf technologische Führerschaft, die Regierung hob 2025 frühere KI-Vorgaben teilweise auf und erklärte die Förderung der amerikanischen KI-Dominanz zum politischen Ziel. Gleichzeitig wurden dort einzelne Probleme wie nicht einvernehmliche intime Deepfakes gezielt gesetzlich adressiert – etwa durch den 2025 verabschiedeten TAKE IT DOWN Act.
China wiederum verbindet eine starke Förderung von KI mit einer deutlich engeren staatlichen Kontrolle ihrer Anwendung. Dort müssen KI-generierte Inhalte seit 2025 sichtbar und technisch gekennzeichnet werden; Plattformen müssen solche Kennzeichnungen kontrollieren. 2026 wurden die Kontrollen weiter verschärft: Die chinesischen Behörden gehen gezielt gegen nicht registrierte KI-Angebote, unzureichende Sicherheitsmechanismen und fehlende Kennzeichnungen vor.
Was Melonis persönlicher Markenschutz betrifft, verhindert dieser allerdings nicht automatisch jede KI-Kopie ihrer Stimme; er erweitert vielmehr die rechtlichen Möglichkeiten, gegen bestimmte Formen der unerlaubten Nutzung vorzugehen.




Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen