Von: Lukas Unterkofler
Bozen – Eine junge Arbeitnehmerin sucht in Bozen eine Wohnung und stößt dabei auf Preise von 1.100 bis 1.300 Euro monatlich, teils ohne Möbel und Küche. Laut Immobilienexperte Carlo Perseghin verschärft sich die Mietkrise weiter: Im Schnitt fließen bereits 47 Prozent des Einkommens in die Miete.
„1.100 Euro im Monat, dazu die Kondominiumspesen“: Dieses Angebot erhielt eine Frau, die für ihre Arbeit nach Bozen gekommen ist. Die Wohnung nahe der Drususstraße umfasst rund 30 Quadratmeter, eine Küchenzeile fehlt. Bei einem weiteren Besichtigungstermin nahe den Bozner Lauben wurden 1.300 Euro verlangt – für eine unmöblierte Wohnung. Die Frau sucht weiter und möchte anonym bleiben, wie die Zeitung Alto Adige berichtet.
Der Fall ist laut Carlo Perseghin, langjährigem Vertreter des Immobilienmaklerverbands Fiaip, kein Einzelfall. Nach den ihm vorliegenden Daten beanspruchen Mieten im Schnitt 47 Prozent des Einkommens der Bozner Bevölkerung – Tendenz steigend. In mehr als der Hälfte der Fälle liege der Anteil sogar bei 50 bis 60 Prozent des Familieneinkommens.
Zu wenig Angebot, steigende Preise
Viele Vermieter entschieden sich für den freien Mietmarkt statt für längerfristige Mietverträge mit festgelegten Konditionen. Angesichts des knappen Angebots fänden sich meist rasch Interessenten, erklärt Perseghin. Besonders betroffen seien Arbeitnehmer und Kulturschaffende, die von außerhalb nach Bozen kommen und häufig kleine Wohnungen suchen.
Die Ursachen sieht der Immobilienexperte vor allem im fehlenden Wohnraum und in den hohen Baukosten. Wer eine Immobilie kaufe, habe dafür bereits viel Geld investiert und wolle entsprechende Mieteinnahmen erzielen. Zugleich gebe es zu wenige neue Bauflächen und nur wenige Wohnanlagen, die gezielt für die Vermietung vorgesehen seien. Auch die hohen Baustandards verteuerten das Bauen zusätzlich.
Perseghin sieht deshalb vor allem die Politik gefordert. Private Eigentümer könnten nicht allein für die Lösung der Wohnungsnot verantwortlich gemacht werden. Solange das Angebot knapp bleibe, werde sich der Mietmarkt kaum selbst regulieren. Die hohen Wohnkosten könnten zudem zum Problem für den Arbeitsmarkt werden: Unternehmen finden zwar Beschäftigte, doch für viele wird es zunehmend schwierig, in Bozen eine bezahlbare Unterkunft zu finden.




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