Weltpolitische Lage dämpft Erwartungen

COP31 in Antalya: Zwei Präsidenten und Maßnahmen als Ziel

Sonntag, 08. November 2026 | 05:02 Uhr

Von: importer

Mit dem Novum einer geteilten Präsidentschaft startet am 9. November die 31. UNO-Klimakonferenz COP31 im türkischen Antalya. Während Australiens Umweltminister Chris Bowen als Präsident der Verhandlungen agieren wird, ist sein türkischer Amtskollege Murat Kurum der eigentliche COP-Präsident. Auf dem offiziellen Webportal wurden mit Finanzierung, Klimawandelanpassung und Klimazielen die drei Schwerpunkte für die kommenden zwei Wochen genannt.

Es gehe in allen Punkten darum, die auf den vergangenen COPs eingegangenen Verpflichtungen in konkrete Maßnahmen umzusetzen – eine Zielsetzung, die auch EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra teilt. Er erklärte gegenüber Bloomberg Ende Oktober jedoch auch, dass “jede Diskussion über neue Finanzmittel zum Scheitern verurteilt” sei – zumindest dann, wenn es die EU sei, die diese bereitstellen soll. Eine Aussage, die die Nachrichtenagentur dahingehend interpretierte, dass diese sich erneut an Staaten wie China oder die Golfstaaten richtete.

Auch die UNO meldete sich im Vorfeld der COP31 zur Thematik: Angesichts der zunehmenden Folgen der Klimakrise müsse sich die Finanzierung der Klimaanpassung ärmerer Länder in den kommenden Jahren auf 305 Milliarden Dollar (273 Milliarden Euro) jährlich nahezu zu verzehnfachen. Eine Finanzierungsdiskussion scheint auch in Antalya eine sichere Bank zu sein, nicht zuletzt weil das neue, vor zwei Jahren beschlossene Klimafinanzierungsziel (“New Collective Quantified Goal”) auf seine Umsetzung wartet. Betreffende Dispute sind wohl in der zweiten Verhandlungswoche zu erwarten, in der dann auch Österreichs Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) bei der bis 21. November angesetzten COP anwesend sein wird. Davor wird Bundespräsident Alexander Van der Bellen von 10. bis 12. November an der UNO-Klimakonferenz teilnehmen.

“Keine einzelne COP ist ein Wundermittel”

Der aktuelle UNO-Klimagipfel findet im Hintergrund einer herausfordernden weltpolitischen Lage und erneut ohne die USA statt, die seit 2026 auch wieder aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen sind. “Keine einzelne COP ist ein Wundermittel, das den Klimawandel über Nacht aufhalten kann. Aber jede der jüngsten COPs hat wesentliche Fortschritte erzielt. Das wird auch bei der COP31 in Antalya der Fall sein”, gab sich der Exekutivsekretär der UNO-Klimarahmenkonvention (UNFCCC), Simon Stiell, aber wenige Tage vor dem Beginn der Verhandlungen vorsichtig optimistisch. Fix erwarten kann man, dass der zweite Global Stocktake (GST), die globale Bestandsaufnahme zum Pariser Klimaabkommen, starten wird.

Dass die Klimakrise fortschreitet, daran besteht jedenfalls weiterhin kein Zweifel. Ein Beispiel dafür ist etwa, dass das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) im August feststellte, dass die Erde auch im Best-Case-Szenario auf eine Erhitzung von 1,8 Grad zusteuern würde. Dieses Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze, auch Overshoot genannt, ist für Greenpeace etwa ein Anlass, dass dies zu “beispiellosen politischen Reaktionen auf der diesjährigen Klimakonferenz in Antalya führen muss”.

Türkei will mit “Global 35×35 Pledge” punkten

Die türkische Präsidentschaft hofft indessen mit dem “Global 35×35 Pledge” zu punkten. Damit ist das Versprechen gemeint, den Anteil von Strom am gesamten Endenergieverbrauch weltweit bis 2035 auf 35 Prozent zu steigern (“35 bis 35”), “ergänzend zu den Bemühungen zum Ausbau erneuerbarer Energien”. Charlotte Unger vom Berliner RIFS Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit hielt dazu in einem Briefing des Science Media Centers (SMC) Deutschland fest, dass dieses Ziel einerseits kein Verhandlungsstrang sei und daher nicht unbedingt im abschließenden Text landen muss, sondern eine Deklaration sein könne, zu der sich dann einzelne Staaten freiwillig bekennen.

“Die Verhandlungen in Antalya müssen zum weltweiten Befreiungsschlag aus der fossilen Abhängigkeit werden. Elektrifizierung ist eine Lösung dafür, jedoch nur, wenn der Strom fossil- und atomfrei produziert wird”, betonte Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace in Österreich. Die NGO fordert, dass bis 2035 mindestens 75 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen müssen.

Ob fossile Energien in Antalya, auch jenseits des “Global 35×35 Pledge”, tatsächlich zu einem am Ende auch schriftlich festgehaltenen Thema werden, kann jedoch bezweifelt werden: Bei der Vorgänger-COP im brasilianischen Belem, der “Konferenz der Wahrheit”, hat es nicht einmal das Wort “fossil” in die Abschlusserklärung geschafft. Der Gastgeber reagierte mit der Ankündigung einer “Roadmap” auf freiwilliger Basis. Zum Abschluss der Amtszeit hat COP30-Präsident André Corrêa do Lago Anfang der Woche nun zwei internationale Fahrpläne vorgestellt: Einen zur Abkehr von fossilen Brennstoffen in den Energiesystemen, die genannte “Roadmap”, wie auch einen weiteren zur Beendigung der Entwaldung.

Große Forderungen vs. kleine Erwartungen

Nicht nur Pledges oder freiwillige Fahrpläne will hingegen der WWF in der Türkei sehen, sondern konkrete Fortschritte beim Entwaldungsstopp bis 2030 sowie die Umlenkung fossiler Subventionen in Klimaschutz und Renaturierung. “Mit ihrer bisherigen Politik steuern die Staaten weit am Pariser Klimaziel vorbei. Die COP31 muss einen klaren Fahrplan für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas auf den Weg bringen”, sagt WWF-Experte Reinhard Uhrig.

Ganz anders sieht die EU in Richtung Türkei, denn früher habe man sich auf einen einzelnen, großen Durchbruch konzentriert oder auf nachprüfbare Ziele: “Aber die veränderte geopolitische Lage erfordert eine Neuausrichtung”, hieß es in einem Strategiepapier, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt und Mitte Oktober publiziert wurde. “Wenn solche Erwartungen formuliert werden, kann ein fehlender Durchbruch später als Beleg für ein Scheitern dargestellt werden”, hieß es da.

(S E R V I C E – Offizielle COP31-Webpräsenz: https://cop31.tr/, UNFCCC: https://unfccc.int/cop31)

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COP31 in Antalya: Zwei Präsidenten und Maßnahmen als Ziel

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Mit dem Novum einer geteilten Präsidentschaft startet am 9. November die 31. UNO-Klimakonferenz COP31 im türkischen Antalya. Während Australiens Umweltminister Chris Bowen als Präsident der Verhandlungen agieren wird, ist sein türkischer Amtskollege Murat Kurum der eigentliche COP-Präsident. Auf dem offiziellen Webportal wurden mit Finanzierung, Klimawandelanpassung und Klimazielen die drei Schwerpunkte für die kommenden zwei Wochen genannt.

Es gehe in allen Punkten darum, die auf den vergangenen COPs eingegangenen Verpflichtungen in konkrete Maßnahmen umzusetzen – eine Zielsetzung, die auch EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra teilt. Er erklärte gegenüber Bloomberg Ende Oktober jedoch auch, dass “jede Diskussion über neue Finanzmittel zum Scheitern verurteilt” sei – zumindest dann, wenn es die EU sei, die diese bereitstellen soll. Eine Aussage, die die Nachrichtenagentur dahingehend interpretierte, dass diese sich erneut an Staaten wie China oder die Golfstaaten richtete.

Auch die UNO meldete sich im Vorfeld der COP31 zur Thematik: Angesichts der zunehmenden Folgen der Klimakrise müsse sich die Finanzierung der Klimaanpassung ärmerer Länder in den kommenden Jahren auf 305 Milliarden Dollar (273 Milliarden Euro) jährlich nahezu zu verzehnfachen. Eine Finanzierungsdiskussion scheint auch in Antalya eine sichere Bank zu sein, nicht zuletzt weil das neue, vor zwei Jahren beschlossene Klimafinanzierungsziel (“New Collective Quantified Goal”) auf seine Umsetzung wartet. Betreffende Dispute sind wohl in der zweiten Verhandlungswoche zu erwarten, in der dann auch Österreichs Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) bei der bis 21. November angesetzten COP anwesend sein wird. Davor wird Bundespräsident Alexander Van der Bellen von 10. bis 12. November an der UNO-Klimakonferenz teilnehmen.

“Keine einzelne COP ist ein Wundermittel”

Der aktuelle UNO-Klimagipfel findet im Hintergrund einer herausfordernden weltpolitischen Lage und erneut ohne die USA statt, die seit 2026 auch wieder aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen sind. “Keine einzelne COP ist ein Wundermittel, das den Klimawandel über Nacht aufhalten kann. Aber jede der jüngsten COPs hat wesentliche Fortschritte erzielt. Das wird auch bei der COP31 in Antalya der Fall sein”, gab sich der Exekutivsekretär der UNO-Klimarahmenkonvention (UNFCCC), Simon Stiell, aber wenige Tage vor dem Beginn der Verhandlungen vorsichtig optimistisch. Fix erwarten kann man, dass der zweite Global Stocktake (GST), die globale Bestandsaufnahme zum Pariser Klimaabkommen, starten wird.

Dass die Klimakrise fortschreitet, daran besteht jedenfalls weiterhin kein Zweifel. Ein Beispiel dafür ist etwa, dass das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) im August feststellte, dass die Erde auch im Best-Case-Szenario auf eine Erhitzung von 1,8 Grad zusteuern würde. Dieses Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze, auch Overshoot genannt, ist für Greenpeace etwa ein Anlass, dass dies zu “beispiellosen politischen Reaktionen auf der diesjährigen Klimakonferenz in Antalya führen muss”.

Türkei will mit “Global 35×35 Pledge” punkten

Die türkische Präsidentschaft hofft indessen mit dem “Global 35×35 Pledge” zu punkten. Damit ist das Versprechen gemeint, den Anteil von Strom am gesamten Endenergieverbrauch weltweit bis 2035 auf 35 Prozent zu steigern (“35 bis 35”), “ergänzend zu den Bemühungen zum Ausbau erneuerbarer Energien”. Charlotte Unger vom Berliner RIFS Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit hielt dazu in einem Briefing des Science Media Centers (SMC) Deutschland fest, dass dieses Ziel einerseits kein Verhandlungsstrang sei und daher nicht unbedingt im abschließenden Text landen muss, sondern eine Deklaration sein könne, zu der sich dann einzelne Staaten freiwillig bekennen.

“Die Verhandlungen in Antalya müssen zum weltweiten Befreiungsschlag aus der fossilen Abhängigkeit werden. Elektrifizierung ist eine Lösung dafür, jedoch nur, wenn der Strom fossil- und atomfrei produziert wird”, betonte Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace in Österreich. Die NGO fordert, dass bis 2035 mindestens 75 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen müssen.

Ob fossile Energien in Antalya, auch jenseits des “Global 35×35 Pledge”, tatsächlich zu einem am Ende auch schriftlich festgehaltenen Thema werden, kann jedoch bezweifelt werden: Bei der Vorgänger-COP im brasilianischen Belem, der “Konferenz der Wahrheit”, hat es nicht einmal das Wort “fossil” in die Abschlusserklärung geschafft. Der Gastgeber reagierte mit der Ankündigung einer “Roadmap” auf freiwilliger Basis. Zum Abschluss der Amtszeit hat COP30-Präsident André Corrêa do Lago Anfang der Woche nun zwei internationale Fahrpläne vorgestellt: Einen zur Abkehr von fossilen Brennstoffen in den Energiesystemen, die genannte “Roadmap”, wie auch einen weiteren zur Beendigung der Entwaldung.

Große Forderungen vs. kleine Erwartungen

Nicht nur Pledges oder freiwillige Fahrpläne will hingegen der WWF in der Türkei sehen, sondern konkrete Fortschritte beim Entwaldungsstopp bis 2030 sowie die Umlenkung fossiler Subventionen in Klimaschutz und Renaturierung. “Mit ihrer bisherigen Politik steuern die Staaten weit am Pariser Klimaziel vorbei. Die COP31 muss einen klaren Fahrplan für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas auf den Weg bringen”, sagt WWF-Experte Reinhard Uhrig.

Ganz anders sieht die EU in Richtung Türkei, denn früher habe man sich auf einen einzelnen, großen Durchbruch konzentriert oder auf nachprüfbare Ziele: “Aber die veränderte geopolitische Lage erfordert eine Neuausrichtung”, hieß es in einem Strategiepapier, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt und Mitte Oktober publiziert wurde. “Wenn solche Erwartungen formuliert werden, kann ein fehlender Durchbruch später als Beleg für ein Scheitern dargestellt werden”, hieß es da.

(S E R V I C E – Offizielle COP31-Webpräsenz: https://cop31.tr/, UNFCCC: https://unfccc.int/cop31)

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