Der Flussuferläufer gilt als gefährdet

Flussuferläufer ist Österreichs Vogel des Jahres

Dienstag, 13. Oktober 2026 | 14:05 Uhr

Von: importer

Der Flussuferläufer ist Österreichs Vogel des Jahres 2027. Mit der Wahl will die Organisation BirdLife Österreich auf die Gefährdung des selten gewordenen Bodenbrüters und den Verlust seiner natürlichen Lebensräume aufmerksam machen. Die Art gilt laut Österreichischer Ampelliste für den Vogelschutz als gefährdet, ihre Bestände haben sich nach starken Rückgängen zuletzt auf niedrigem Niveau stabilisiert, wie es am Dienstag in einer Aussendung hieß.

Der Flussuferläufer ist auf naturnahe Flusslandschaften mit Kies-, Sand- und Schotterbänken angewiesen. Er kommt unter anderem an Rhein, Lech, Inn, Enns, Donau, March, Drau und Mur vor. In Wien und im Burgenland ist er als Brutvogel in den vergangenen Jahrzehnten verschwunden. Hauptursachen für den Bestandsrückgang sind laut BirdLife die Regulierung von Flüssen und die damit verbundene Zerstörung geeigneter Brutplätze. Hinzu kommen Störungen durch Freizeitaktivitäten an den verbliebenen naturnahen Gewässerabschnitten.

Freizeitnutzung gefährdet Bruterfolg

Der kleine Watvogel legt seine meist vier gut getarnten Eier auf Schotterbänken und vegetationsarmen Uferflächen ab. Badegäste, Wassersportler und freilaufende Hunde können die Tiere während der Brutzeit von April bis Juli aufscheuchen. Dadurch werden Gelege mitunter aufgegeben, Eier und Jungvögel können zudem unbemerkt zertreten werden.

“Oft passiert das ganz unbewusst und ohne böse Absicht. Deshalb braucht es entsprechende Bewusstseinsbildung, um Menschen für die Bedürfnisse des Flussuferläufers zu sensibilisieren”, erklärte BirdLife-Geschäftsführer Gábor Wichmann am Dienstag.

Die Einstufung als “gelbe Art” auf der Österreichischen Ampelliste für den Vogelschutz verdeutliche den Handlungsbedarf. Aufgrund seiner Gefährdung und der rückläufigen Bestandsentwicklung habe der Schutz des Flussuferläufers hohe Priorität, betonte Wichmann.

Renaturierung soll Lebensräume sichern

BirdLife fordert den Erhalt und die Wiederherstellung naturnaher Flussabschnitte. Flüsse müssten ausreichend Raum erhalten, damit durch natürliche Umlagerungsprozesse neue Kies- und Schotterbänke entstehen können. Chancen dafür biete insbesondere die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung. Zudem seien Schutzzonen an wichtigen Brutplätzen notwendig. Besucher sollten während der Brutzeit auf ausgewiesenen Wegen bleiben und Schotterbänke meiden.

Von solchen Maßnahmen würden laut BirdLife nicht nur bedrohte Vogelarten profitieren. Naturnahe Flusslandschaften könnten auch Hochwasserspitzen abmildern, Wasser zurückhalten und zur Sicherung des Grundwassers beitragen. “Helfen wir dem Flussuferläufer, helfen wir auch anderen bedrohten Arten und nicht zuletzt uns selbst”, sagte Wichmann.

Der Flussuferläufer ist an seiner graubraunen Oberseite, dem weißen Bauch und einem charakteristischen weißen Keil an den Brustseiten zu erkennen. Auffällig ist zudem sein häufiges Wippen mit dem Schwanz. Er ernährt sich vorwiegend von Insekten.

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