Von: importer
Je müder sich Männer und Frauen auf einen E-Scooter stellen, desto gefährlicher ist die Fahrt. Mangelndes Risikobewusstsein verschärft die Lage zusätzlich, da die Selbsteinschätzung der Probanden erheblich von den gemessenen Daten abweicht, wie eine Studie des ÖAMTC in Zusammenarbeit mit dem Institut für Schlaf- und Wachforschung (ISWF) am Mittwoch zeigte. Für die Analyse wurden 18 Personen bei insgesamt 72 Fahrten in der Früh und am Abend begleitet.
“Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen abends langsamer reagieren und ihre Umgebung schlechter wahrnehmen. Gleichzeitig fahren sie schneller und verlieren öfter das Gleichgewicht als morgens”, sagte ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Für die Analyse wurden objektive Messungen und die Selbsteinschätzung der Teilnehmenden erfasst.
Kampagne für mehr Aufmerksamkeit
Müdigkeit und Ablenkungen gehören laut Seidenberger zu den gefährlichsten Unfallursachen im Straßenverkehr. “Eine schlechte Selbsteinschätzung vermittelt in beiden Fällen ein falsches Sicherheitsgefühl, da die Betroffenen ihre Leistungsfähigkeit stark überschätzen”, so die Expertin. Laut dem Mobilitätsclub würden die Erkenntnisse der Studie die Bedeutung der aktuellen FIA-Verkehrssicherheitskampagne “Im Straßenverkehr brauchen alle deine Aufmerksamkeit” unterstreichen.
Die FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) ist der internationale Dachverband der weltweiten Mobilitäts- und Automobilclubs. Mit einer Social-Media-Kampagne macht die FIA mit Reels und kurzen Videos darauf aufmerksam, dass schon kurze Momente der Ablenkung alle Verkehrsteilnehmer gefährden können.
Abends signifikant schlechtere Ergebnisse
Das ISWF prüfte vor den realen Fahrten der Probanden ihre Reaktionszeit am Computer. Dabei zeigte sich, dass die Teilnehmer am Abend signifikant schlechter abschnitten. Besonders galt dies für jene, die nach Mitternacht zu Bett gehen. Zwischen 20.00 und 22.30 Uhr setzten die E-Scooter-Fahrerinnen und -Fahrer deutlich öfter einen Fuß zur Stabilisierung auf den Boden. Als mögliche Ursachen werden die anstrengendere optische Erfassung der Fahrbahn durch das fehlende Tageslicht sowie Ermüdung aufgezählt. Interessanterweise gelang die Abschlussbremsung abends aber besser als morgens.
Besonders alarmierend zeigten sich die Studienleiter zu Ergebnissen zur Umgebungsaufmerksamkeit: In der Früh übersahen 78 Prozent der Teilnehmer einige gut sichtbare gelbe Luftballons nahe der Fahrtstrecke. “Abends bemerkten immerhin 50 Prozent einige bunte Fußbälle an ähnlicher Stelle – ein gewisser Lerneffekt, aber kein beruhigender Wert, schließlich hätten die Gegenstände zu unfallauslösenden Hindernissen werden können”, so Seidenberger.
Frauen fahren vorsichtiger
Auch zwischen den Geschlechtern zeigten sich Unterschiede: Frauen gingen die Herausforderungen laut ÖAMTC langsamer an und fuhren in der Früh vorsichtiger als die männlichen Teilnehmer. Sie dosierten abschnittsweise das Tempo besser, was zu geringeren Gleichgewichtsproblemen führte.
Der ÖAMTC empfiehlt auf Basis der Erhebung daher: “Regelmäßig üben, abends das Tempo bewusst reduzieren und den E-Scooter konsequent als Verkehrsmittel mit Regeln und Risiken begreifen, statt als Freizeitgerät, das sich von selbst beherrschen lässt.”




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