Von: Matthias Knapp
Bozen – Leistungsdruck, ein hektischer Alltag und die ständige Erreichbarkeit können junge Menschen belasten. Zum Welttag der psychischen Gesundheit am 10. Oktober erinnert der Südtiroler Jugendring (SJR) daran, wie wichtig es ist, seelisches Wohlbefinden ernst zu nehmen und Unterstützung zugänglich zu machen. Seine Jugendberatungsstelle Young+Direct bietet Jugendlichen kostenlose, vertrauliche und unbürokratische Beratung und Begleitung.
Psychische Gesundheit beeinflusst, wie Menschen ihren Alltag bewältigen, Beziehungen gestalten und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Gerade im Jugendalter treffen persönliche Veränderungen auf Erwartungen in Schule, Ausbildung und Familie. In einer digitalisierten Welt kommen eine kaum überschaubare Informationsfülle, soziale Vergleiche und widersprüchliche Botschaften hinzu. Da kann es schwerfallen, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und Orientierung zu finden.
Nicht jeder schlechte Tag ist Anlass zur Sorge. Traurigkeit, Unsicherheit und Überforderung dürfen Platz haben und müssen nicht überspielt werden. Gespräche mit Freund:innen, Familienangehörigen oder anderen Vertrauenspersonen können entlasten. Sich Unterstützung zu holen und sie anzunehmen, ist ein wichtiger Schritt, um mit Belastungen umzugehen.
Über Belastungen sprechen und Begleitung ermöglichen
„Jugendliche müssen nicht schon genau erklären können, was mit ihnen los ist, um sich an uns zu wenden. Ein erstes Gespräch kann helfen, Gedanken zu ordnen und gemeinsam nächste Schritte zu finden. Damit aus der Ermutigung, Unterstützung zu suchen, auch ein konkreter Schritt werden kann, braucht es leicht erreichbare Anlaufstellen und Menschen, die zuhören und begleiten“, erklärt Michael Reiner, Psychologe und Psychotherapeut sowie Leiter der Jugendberatungsstelle Young+Direct.
Offen über psychische Gesundheit zu sprechen, kann Hemmschwellen abbauen. Entscheidend ist zugleich, dass Jugendliche wissen, wo und wie sie Unterstützung erhalten. Gerade angesichts der Vielzahl digitaler Informationen sollten konkrete Anlaufstellen in ihrem Alltag sichtbar sein. Eltern, Schulen und Jugendarbeit können dazu beitragen, Beratungsangebote näherzubringen und den ersten Kontakt zu erleichtern.
„Die psychische Gesundheit junger Menschen verdient Aufmerksamkeit. Als Südtiroler Jugendring setzen wir uns dafür ein, dass Jugendliche mit ihren Sorgen ernst genommen werden und verlässliche Unterstützung finden“, betont Katja Oberrauch, Vorsitzende des SJR.
Young+Direct bietet Raum für das, was Jugendliche beschäftigt. Beratung und Begleitung sind kostenlos, vertraulich und niederschwellig. Eine Kontaktaufnahme ist unkompliziert per WhatsApp, Jugendtelefon, E-Mail oder persönlich möglich.
Young+Direct – die Jugendberatung des Südtiroler Jugendrings
WhatsApp: 345 0817 056 | Jugendtelefon: 0471 155 1 551
E-Mail: online@young-direct.it
Psychische Gesundheit von Studierenden stärker in den Fokus rücken
Anlässlich des Tages der psychischen Gesundheit am 10. Oktober weist auch die Südtiroler HochschülerInnenschaft (sh.asus) auf die zunehmende Belastung vieler Studierender hin. Psychische Gesundheit ist eine zentrale Voraussetzung für ein erfolgreiches Studium. Dennoch kämpfen immer mehr junge Menschen mit Stress, Überforderung, Ängsten oder anderen psychischen Herausforderungen.
Besonders der Studienbeginn stellt für viele Studierende eine große Umstellung dar. Ein neues Umfeld, der Wechsel des Wohnortes, die Trennung vom vertrauten sozialen Umfeld sowie neue Anforderungen an Eigenverantwortung und Organisation können zu Unsicherheit und Überforderung führen. Viele Erstsemestrige stehen unter Druck, ihren Platz in der neuen Lebenssituation zu finden und den Erwartungen an das Studium gerecht zu werden.
Doch auch im weiteren Studienverlauf sind psychische Belastungen keine Seltenheit. Prüfungsängste, Notendruck, Lernschwierigkeiten sowie die Herausforderung, Studium, Arbeit und Privatleben miteinander zu vereinbaren, können erhebliche Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben. Nicht selten fühlen sich Studierende mit ihren Sorgen allein gelassen oder scheuen sich, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
„Psychische Probleme sind keine Ausnahme, sondern betreffen viele Menschen. Umso wichtiger ist es, offen darüber zu sprechen und Betroffene frühzeitig zu unterstützen. Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke“, betont die Südtiroler HochschülerInnenschaft.
Um Studierende in schwierigen Situationen zu unterstützen, stellt die sh.asus seit über zehn Jahren eine psychologische Studierendenberatung zur Verfügung, an die sich Studierende anonym und unkompliziert wenden können. Das Angebot soll dazu beitragen, Hemmschwellen abzubauen und jungen Menschen einen niederschwelligen Zugang zu professioneller Unterstützung zu ermöglichen.
Die Südtiroler HochschülerInnenschaft ruft anlässlich des Tages der psychischen Gesundheit dazu auf, psychische Belastungen ernst zu nehmen und das Thema stärker zu enttabuisieren. Niemand sollte mit seinen Sorgen alleine bleiben müssen.




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