Er brachte die Natur ins Klassenzimmer und stellte die großen Fragen des Lebens

Romano Kohlmayer: Südtirol verliert einen Lehrer fürs Leben

Mittwoch, 23. September 2026 | 07:59 Uhr

Von: Sophia Molitor

Meran – Mit dem Tod von Romano Stamatios Kohlmayer verliert Südtirol einen engagierten Lehrer, Naturwissenschaftler und leidenschaftlichen Naturbeobachter. Kollegen, ehemalige Schülerinnen und Schüler sowie Freunde erinnern sich an einen Menschen, der Wissen nicht einfach vermitteln, sondern Begeisterung wecken wollte. Für Kohlmayer war der Unterricht am Realgymnasium „Albert Einstein“ in Meran weit mehr als die Vermittlung von Lernstoff in den Fächern Chemie, Biologie und Erdwissenschaften. Die Natur war für ihn ein Zugang, um die Welt zu verstehen, Fragen zu stellen und letztlich auch die Freude am Leben zu entdecken. Genau das versuchte er auch seinen Schülern mitzugeben.

Es war ihm besonders wichtig die Schülerinnen und Schüler nicht ausschließlich im Klassenzimmer mit wissenschaftlichen Inhalten zu konfrontieren, sondern sie mit nach draußen zu nehmen. Dort zeigte er ihnen Tiere und Landschaften und ermunterte sie, genau zu beobachten und eigene Fragen zu entwickeln.

Diese Haltung spiegelte auch seine Persönlichkeit wider. Kohlmayer galt als neugierig, humorvoll, offen und ausgesprochen engagiert. Er konnte sich leidenschaftlich für eine Sache einsetzen und seine Überzeugungen mit Nachdruck vertreten, war aber ebenso bereit, die eigene Position zu hinterfragen. Freunde beschreiben ihn als loyalen und hilfsbereiten Menschen, der sich nicht nur für seine Schülerinnen und Schüler, sondern auch für die Menschen in seinem Umfeld interessierte und ihnen zur Seite stand. Sein augenzwinkerndes Motto „Life is hard, and then you die“ spiegelte seine ausgeprägte Lebensfreude wieder. Er liebte Gespräche über die großen Fragen des Lebens, ebenso wie gemeinsame Abende mit Pizza und Bier.

Fledermäuse als Leidenschaft, ein Kriminalroman und Staunen über die großen Fragen des Lebens

Er hatte unter anderem eine besondere Leidenschaft für Fledermäusen. Nach seinem Studium der Biologie und Zoologie an der Universität Innsbruck widmete er seine Diplomarbeit dem Nahrungsspektrum und den Jagdhabitaten des Großen Mausohrs in der Kulturlandschaft von Gargazon. Die Fledermauskolonie in der Pfarrkirche von Gargazon blieb ihm sein Leben lang im Herzen. Immer wieder führte er Menschen dorthin, um ihnen den abendlichen Flug der Tiere zu zeigen.

Kohlmayer engagierte sich auch über die Schule hinaus für Forschung und Naturschutz. Er beteiligte sich an grenzüberschreitenden Projekten zum Schutz bedrohter Fledermausarten, organisierte Beobachtungen der Abendsegler, Besuche in Winterquartieren sowie Vorträge und Veranstaltungen wie die „Batnights“ und den „Fledermausfasching“. Sein Wissen teilte er außerdem mit dem Planetarium Südtirol und dem Naturmuseum Bozen.

Dabei leistete er auch einen wichtigen Beitrag zur sprachlichen Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte. Kohlmayer übersetzte Fachinformationen und Materialien ins Italienische und machte wissenschaftliches Wissen damit einem größeren Publikum zugänglich. 2024 veröffentlichte er zudem den in Südtirol angesiedelten Kriminalroman „Winternacht“.

Seine Art, Wissen mit Staunen und wissenschaftliche Fragen mit den großen Fragen des Lebens zu verbinden, dürfte auch über seinen Tod hinaus in Erinnerung bleiben.

Der letzte Abschied von Romano Stamatios Kohlmayer findet am Freitag, 25. September, um 15.30 Uhr in der Aula Magna des Realgymnasiums „Albert Einstein“ in der Wolfstraße in Meran statt.

Bezirk: Burggrafenamt

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