Benzin- und Dieselkosten boosten Elektroboom – ein Kommentar

Schale Freude über den Preisdeckel

Donnerstag, 01. Oktober 2026 | 01:12 Uhr

Von: Martin Geier

Bozen – In den letzten Tagen hat den Südtirolern kaum etwas mehr Freude bereitet als die Entscheidung von Eni, die Preise für Benzin und Diesel zu deckeln.

Nachdem sich die Literpreise für Diesel kurz zuvor der Drei-Euro-Schallmauer genähert hatten, setzte der teilstaatliche italienische Energie- und Mineralölkonzern eine Obergrenze von 2,19 Euro pro Liter Diesel und 1,99 Euro pro Liter Benzin durch. Zu dumm nur, dass diese „günstigeren Treibstoffpreise” noch vor wenigen Monaten eher zu einem Volksaufstand als zu Freudentränen geführt hätten.

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Tatsächlich ist es nur eine schale Freude, denn kühlen Rechnern ist bewusst, dass selbst diese Preise tiefe Löcher in die Familienkasse reißen – insbesondere bei Pendlern. Wer heutzutage aber neudeutsch smart ist, hat sich längst für ein Elektrofahrzeug entschieden, denn es braucht keinen Rechenschieber, um sich bewusst zu werden, dass sich die Unabhängigkeit von Kriegen, Sanktionen und fernen Meerengen auszahlt, und das Anzapfen der heimischen Wallbox genügt, um mit sehr wenigen Euros Hunderte von Kilometern weit zu fahren. Wer das Glück hat, mit Solarpanelen Strom selbst zu erzeugen, fährt noch viel günstiger.

APA/APA/dpa/Julian Stratenschulte

So erleben E-Autos – einst unter Motorheads verpönte Exoten – dank eines immer größer werdenden Modellangebots, kürzerer Ladezeiten gepaart mit längerer Reichweite und sinkender Preise einen wahren Boom. Militärische Konflikte und das dadurch gekappte Öl- und Gasangebot sowie die Sorge vor einer ausufernden Auseinandersetzung schaffen genau das, wofür bisher mit viel Aufwand und hehren Appellen zumeist vergeblich geworben wurde: den lange ersehnten Elektroboom.

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Das ist Südtirols große Chance: Mehrere einheimische Unternehmen – darunter Alpitronic, Intercable und GKN Driveline – sind maßgeblich an der Zukunft der Elektromobilität beteiligt. Es wird noch einige Rückschläge geben, doch es besteht kaum Zweifel, dass sich Elektrofahrzeuge letztlich durchsetzen werden.

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Umbrüche sind nie leicht und haben auf allen Ebenen Gewinner und Verlierer. Das Bewusstsein, die eigenen vier Räder an der hauseigenen Stromzapfsäule „betanken” zu können, lässt jedoch ruhiger schlafen, denn der gebannte Blick auf Meeresstraßen, Tanker und Pipelines sowie die Suche nach der günstigsten Tankstelle gehören dann der Vergangenheit an.

Bezirk: Bozen

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