Von: Redaktion Südtirol News
Martell – „Außerordentliche Instandhaltung und Neutrassierung von Teilstücken des Viehtriebweges zur unteren Flimalm“ nennt sich das Projekt, das den Bau eines Fahrweges auf die kleine, idyllisch gelegene untere Flimalm in Martell vorsieht. Der Weg ist bereits fast zur Gänze gebaut und windet sich in 24 kurzen, sehr steilen, mit Zyklopenmauern gesicherten Kehren, über 400 Höhenmeter durch extrem steilen Wald bergauf.
“Der Eingriff schlägt massive, nicht wiedergutzumachende Wunden in eine ökologisch wertvolle Waldlandschaft. Intensive Niederschläge können zudem auf diesem Gelände starken Oberflächenabfluss zur Folge haben. Nicht genug des Frevels: das letzte, noch ausständige Wegstück im oberen Teil soll quer durch ebenfalls steiles, felsiges Gelände durch NATURA 2000-Schutzgebiet bis zum Bärenplattboden führen. Das gesamte Projektgebiet liegt zudem im Nationalpark Stilfserjoch und wurde von deren Verwaltern abgesegnet”, kritisieren der Heimatpflegeverband Südtirol, der Dachverband für Natur- und Umweltschutz sowie die Umweltschutzgruppe Vinschgau
„Da kann man nur verständnislos den Kopf schütteln“ meint Elisabeth Ladinser, Präsidentin des Dachverbandes für Natur und Umweltschutz, und fährt fort: “Vor allem wenn man bedenkt, dass in den Projektunterlagen als Zweck die Notwendigkeit ‚nachhaltiger Almbewirtschaftung‘ angegeben wird. Mit Nachhaltigkeit hat ein derart brachialer Wegebau rein gar nichts zu tun.“ Die untere Flimalm werde lediglich mit 60-80 Jungrindern und einigen Ziegen bestoßen, die bisher die Alm auf alten Wegen erreicht haben.
Die Gelder für dieses Projekt stammen laut den Verbänden zum größten Teil aus dem LEADER-Fördertopf und zum Teil von Beiträgen aus dem Landeshaushalt. “Es muss in diesem Zusammenhang die berechtigte Frage gestellt werden, wozu mit Steuergeldern immer wieder derart naturzerstörerische Projekte finanziert werden”, gibt Josef Gruber, Vorsitzender der Umweltschutzgruppe Vinschgau zu bedenken.
In seiner Unbedenklichkeitserklärung erklärt der Direktor des Amtes für den Nationalpark Stilfserjoch, dass das Projekt den Schutzzielen des Nationalparks nicht entgegensteht.
Die Umweltverbände widersprechen: “Der Schutz der Landschaft ist keine Nebensache. Traditionelle Alm- und Weidewirtschaft wird dadurch nicht infrage gestellt. Eine nachhaltige Bewirtschaftung der Almen muss auch bedeuten, dass die dafür erforderlichen Eingriffe in Natur, Landschaft, Boden und Wald verhältnismäßig, standortgerecht und langfristig verantwortbar sind. Beim Viehtriebweg zur unteren Flimalm scheint dies nicht der Fall zu sein.”
Die Umweltverbände fordern von den zuständigen Behörden eine sofortige Baueinstellung. Es müsse geprüft werden, ob die NATURA-2000-Schutzbestimmungen verletzt werden und ob Straßenbau in einer sehr hohen Gefahrenzone in diesem Ausmaß rechtens sei. Es müsse auch geprüft werden, ob der vom Projekt vorgegebene Zweck „Erhaltung der Ökosystemdienstleistung Weidewirtschaft“ nicht durch die Begleiterscheinung „Großflächige Ökosystemzerstörung im Schutzwald“ aufgehoben werde.
Mehr als bedenklich sei auch der Präzedenz-Charakter dieses massiven Eingriffs, heißt es weiter. “Eine Reihe weiterer Projekte dieser Art werden in verschiedenen Landesteilen vorgeschlagen oder schon geplant. Die weitaus große Mehrheit der Almen in Südtirol ist heute bereits erschlossen. Nun ist es an der Zeit, mit neuen Almerschließungen mit überdimensionierten Zufahrtswegen aufzuhören, und die noch unerschlossenen Almen zu bewahren, um bei Wahrung der gewachsenen Kulturlandschaft unverhältnismäßige Eingriffe in die Landschaft und Naturzerstörung zu verhindern.”




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