Von: importer
Ein Erdbeben der Stärke 3,1 hat sich Freitagfrüh bei Innsbruck ereignet – ein weiteres in einer Serie von spürbaren, wenngleich nach wie vor leichten Beben mit Epizentren nahe Tirols Landeshauptstadt sowie Hall in Tirol in den vergangenen Wochen. Die Experten des Erdbebendienstes von Geosphere Austria sprachen von einer “temporär erhöhten Aktivität”, die zwar “unüblich ist, in der Region aber bereits mehrmals aufgetreten ist.”
Hinweise auf ein unmittelbar bevorstehendes stärkeres Erdbeben gebe es derzeit nicht, wurde betont. “Weitere Erdbeben und verspürte Nachbeben sind möglich. Zeitpunkt und Stärke zukünftiger Ereignisse können jedoch nicht vorhergesagt werden”, erklärte Maria Papí-Isaba, die Leiterin des Erdbebendienstes.
Seit Anfang August habe man im Raum Innsbruck-Hall eine “erhöhte seismische Aktivität” registriert. “In diesem Zeitraum ereigneten sich mehr als 270 Erdbeben, 28 davon waren spürbar”, sagte Papí-Isaba. Und machte klar, dass es sich um keine außergewöhnliche Situation handelt, denn: Eine solche Häufung spürbarer Ereignisse sei zwar nicht alltäglich, trete in Tirol aber in unregelmäßigen Abständen immer wieder auf. Angeführt wurde das Beispiel von Waidring im Tiroler Unterland im Jahr 2024. Damals habe es dort 45 verspürte Erdbeben gegeben – bei über 300 registrierten Ereignissen, wie man gegenüber der APA präzisierte.
“Tektonische Störungszone”
In Tirol habe man es mit einer “tektonischen Störungszone” zu tun, erläuterte Papí-Isaba. Phasen mit erhöhter Erdbebenaktivität würden immer wieder auftreten. “Es handelt sich um eine Schwächezone in der Erdkruste. Die Platten möchten gerne aneinander vorbeigleiten, die Spannungen werden im Untergrund zu hoch für das Gestein, es kann nicht mehr standhalten, es kommt zum Bruch und wir verspüren es als Erdbeben”, veranschaulichte die Seismologin. Generell gelte Tirol als das Bundesland mit den meisten Erdbebenaktivitäten. Das bisher stärkste Ereignis der aktuellen Serie hatte sich am 26. September südöstlich von Innsbruck mit einer Magnitude von 3,8 ereignet – gefolgt von einem Beben am Mittwoch mit Stärke 3,7. Erdbeben solcher Stärken gelten als sehr leichte bzw. leichte Erdbeben. Schäden an Gebäuden waren bei der momentanen Serie bisher keine bekannt und bei dieser Stärke auch nicht zu erwarten.
Heuer bisher 1.163 gemessene Beben in Österreich
Abseits der Beurteilung der Beben in Tirol wartete der Erdbebendienst auch mit österreichweiten Zahlen auf: So seien heuer bisher 1.163 Erdbeben gemessen worden – 49 davon waren spürbar. 708 Beben seien allein in Tirol gemessen worden. Das stärkste Erdbeben des heurigen Jahres ereignete sich im Juli bei Schottwien mit einer Magnitude von 4,4. Dabei entstanden auch leichte Schäden, wie etwa Risse im Verputz von Hausmauern.
Störungszonen gebe es übrigens nicht nur in Tirol, sondern auch anderswo, konkret das Mur-Mürz-System in der Steiermark sowie das Wiener Becken, die Ostalpen-Störungssysteme wie die Pustertal-Gailtal-Störung, die Katschberg-Störung und die Lavanttal-Störung in Kärnten sowie die Nordalpine Überschiebung im Nordosten Österreichs.
Stärkste Beben der heimischen Geschichte
Das stärkste Erdbeben der jüngsten österreichischen Geschichte ereignete sich laut GeoSphere Austria am 16. April 1972 in Seebenstein in Niederösterreich mit einer Stärke von 5,3. Die Folgen waren bis Wien spürbar, wo die Feuerwehr zu etwa 400 Einsätzen gerufen wurde. Damals stürzten Teile der Balustrade der Wiener Universität herab und zahlreiche Schornsteine im Stadtgebiet wurden beschädigt. Am 8. Oktober 1927 wiederum hatte ein Beben der Stärke 5,2 in Schwadorf bei Wien irreparable Gebäudeschäden. Als stärkstes Erdbeben überhaupt in Österreich gelte jenes vom 15. September 1590 am Riederberg bei Wien. Damals stürzten in Wien zahlreiche Kirchtürme ein, es gab auch Todesopfer zu beklagen. Die geschätzte Magnitude betrug 5,7 bis 6,0.




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