Immer mehr Fälle von Halloween-Naschereien mit Metall

Weitere Fälle von präparierten Süßigkeiten angezeigt

Mittwoch, 04. November 2026 | 17:14 Uhr

Von: importer

Am Mittwochnachmittag sind der Polizei in Niederösterreich zwei weitere Fälle von manipulierten Halloween-Süßigkeiten gemeldet worden, betroffen waren neuerlich die Bezirke Melk und Bruck an der Leitha. Damit stieg die Zahl österreichweit auf insgesamt 17 Anzeigen. In Wien gibt es einen ersten Verdacht, im Linzer Frackviertel hatten eine Großmutter und ihr neunjähriger Enkel in einem Schokoriegel einen drei bis vier Zentimeter langen Nagel entdeckt, so die Exekutive.

Die gesammelten Naschereien seien “im vergleichbaren Modus Operandi” mit spitzen, metallischen Gegenständen präpariert gewesen, berichtete das Bundeskriminalamt. Gröbere Verletzungen gab es bisher keine.

Großmutter und Enkel zerdrückten Riegel

Der neu angezeigte Fall aus Linz ist der dritte in der oberösterreichischen Landeshauptstadt und der vierte in dem Bundesland. Die Großmutter des Buben hatte die mediale Berichterstattung rund um die anderen gleichgelagerten Fälle verfolgt und rief ihren Enkel zur Vorsicht auf. Gemeinsam zerdrückten sie einen Riegel, fanden darin tatsächlich einen Nagel und meldeten dies der Polizei.

Im Stadtteil Ebelsberg entdeckte Dienstagnachmittag ein 28-Jähriger ebenfalls einen manipulierten Schokoriegel. In der Süßigkeit, die seine Kinder – acht und vier Jahre alt – zu Halloween gesammelt hatten, steckte eine Schraube, berichtete die Landespolizeidirektion. Alarmiert durch ein Video auf Social Media, in dem auf die in den vergangenen Tagen entdeckten Manipulationen aufmerksam gemacht wurde, hatte der 28-Jährige die Süßigkeiten, die seine Kinder heimgebracht hatten, überprüft. Woher der betroffene Riegel stammt, konnte laut Polizei bisher nicht nachvollzogen werden. In Linz waren bereits am Montag Süßigkeiten mit Nägeln aufgetaucht.

Das sind die neu gelegten Anzeigen aus den anderen Bundesländern: In Niederösterreich wurden fünf zusätzliche Fälle in den Bezirken Bruck an der Leitha, Amstetten und Melk bekannt. In der Steiermark kamen zwei weitere Fälle in den Bezirken Murtal und Leibnitz hinzu.

Sechs Anzeigen in Niederösterreich und der Steiermark

Damit verteilen sich die bisher bekannten Fälle auf Niederösterreich (sechs), Oberösterreich (vier), Salzburg (einer) und die Steiermark (sechs). Im Bezirk Leibnitz war bereits Montagabend eine Nascherei mit Metall gefunden worden, damit sind in dem Bezirk nun zwei Fälle zu verzeichnen. Bei einem der beiden nun bekannt gewordenen steirischen Fälle war eine Mutter durch die Berichterstattung der vergangenen Tage aufmerksam geworden. Bevor sie die Naschsachen ihren Kindern gab, brach sie die Süßigkeiten auf und fand das Metall darin.

Ebenfalls auf eine durch die Berichte alarmierte Mutter geht der erste Verdachtsfall in der Bundeshauptstadt zurück. Offenbar entdeckte diese in einem Schokoladenbonbon eine Schraube. Nachdem die Frau darüber auf Facebook gepostet hatte, dürfte sich die Polizei in den Donaustädter Fall eingeschaltet und mit der Mutter Kontakt aufgenommen haben. Anzeige lag bis Mittwoch am frühen Nachmittag noch keine vor, das könnte sich aber noch ändern. “Es ist ein Verdachtsfall bekannt. Wir nehmen das sehr ernst, der Fall wird geprüft”, sagte Polizeisprecherin Irina Steirer auf APA-Anfrage.

“SOKO Treat” ermittelt

Die öffentliche Sensibilisierung sei wichtig, betonte das Bundeskriminalamt, das die Ermittlungen in der “SOKO Treat” bündelt. Die Medienberichterstattung trage “zur Aufklärung bei”.

Die am Mittwoch in Niederösterreich neu bekannt gewordenen Anzeigen betrafen die Orte Amstetten, Loosdorf (Bezirk Melk/zwei Fälle) sowie das Gemeindegebiet von Mannersdorf am Leithagebirge (Bezirk Bruck an der Leitha/ebenfalls zwei Fälle), teilte die Landespolizeidirektion auf Anfrage mit. In verschiedenen, großteils bei Halloween-Rundgängen erlangten Süßigkeiten wurden jeweils metallische Gegenstände entdeckt. Verletzt wurde bei diesen fünf Vorfällen allerdings niemand. Bereits am Montag war in Winklarn (Bezirk Amstetten) ein Fall aufgetaucht. Dort war eine Zehnjährige durch einen Biss in eine Minischokolade, in der eine Nadel versteckt war, leicht im Mund verletzt worden.

Polizei mahnt zur Vorsicht

Die Polizei erneuert ihren Warnhinweis. Eltern und andere Erziehungsberechtigte sollen mit ihren Kindern die zu Halloween gesammelten Süßigkeiten sorgfältig kontrollieren. Verdächtige Naschereien sollten keinesfalls verzehrt werden. Offensichtlich manipulierte Süßigkeiten soll man samt Verpackung aufbewahren und der Polizei melden. Aufgefundene Fremdkörper sollen nicht entfernt oder verändert werden, um mögliche Spuren für die kriminalpolizeilichen Ermittlungen zu sichern.

“Wenn wir uns denken, dass hier in Europa, vor allem im deutschsprachigen Raum, diese Art und Weise sehr ähnlich ist, muss es eine Art Vernetzung gegeben haben”, analysierte Gerald Tatzgern, Leiter der Abteilung Ermittlungen, Organisierte und Allgemeine Kriminalität im Bundeskriminalamt, im Gespräch mit dem Ö1-Mittagsjournal. Es könnte vor Halloween einen “Aufruf” im Netz gegeben haben, worauf nun ähnlich gelagerte Fälle etwa auch aus Deutschland, Norwegen, Irland oder Kanada gemeldet werden.

Auch die europäische Polizeibehörde Europol prüft einen internationalen Zusammenhang. Kommunikationschef Jan op gen Oorth sagte im Mittagsjournal des ORF-Radio, es sei “natürlich interessant, dass es eine regionale Bündelung in einem bestimmten Kernbereich Zentraleuropas gibt”. Das eröffne jedenfalls Europol die Möglichkeit, die nationalen Strafverfolgungsbehörden zu unterstützen, weil Landesgrenzen überschritten wurden. Dass ein internationales “Netzwerk” dahinterstecke, sei zumindest nicht ausgeschlossen. Solche Netzwerke müssten sich mittlerweile gar nicht mehr große Mühe geben und etwa ins Darknet gehen oder Sonder-Software verwenden, sie könnten “einfach die legalen, verschlüsselten Dienste” benutzen.

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