Von: Lukas Unterkofler
Bozen – Am 21. September steht der Welt-Alzheimer-Tag im Zeichen einer Erkrankung, die nicht nur die Betroffenen, sondern auch deren Familien vor große Herausforderungen stellt. In Südtirol leben rund 4.600 Menschen mit gesicherter Demenzdiagnose, die Alzheimer-Vereinigung geht von einer deutlich höheren Dunkelziffer von bis zu 13.000 Betroffenen aus.
Besonders die häusliche Pflege belastet Angehörige häufig erheblich. Das zeigt die neue DEM-CARE-Studie des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen, für die 118 pflegende Angehörige befragt wurden. 45,8 Prozent der Hauptpflegepersonen wiesen eine mittlere oder starke Belastung auf. 76 Prozent hatten zu wenig Zeit für sich selbst, 75 Prozent erlebten belastende Krisen und 57 Prozent berichteten von Kommunikationsproblemen oder Konflikten.
Die Studienleiterin Barbara Plagg betont, dass nicht allein die körperliche Pflegebedürftigkeit ausschlaggebend sei. Vielmehr würden Zeitdruck, Verantwortung, Krisen und Verhaltensveränderungen zusammenkommen. 43 Prozent der Befragten bewerteten ihren Gesundheitszustand höchstens als mittelmäßig, bei rund neun Prozent zeigten sich Hinweise auf erhöhte depressive Symptome.
Auch SVP-Landtagsabgeordnete Waltraud Deeg fordert deshalb mehr Unterstützung für Angehörige. Information, Beratung, Entlastungsangebote und eine bessere Vernetzung von Gesundheits- und Sozialdiensten seien entscheidend. Im August hat die Landesregierung einen landesweit einheitlichen diagnostisch-therapeutischen Betreuungspfad für Demenz und Alzheimer für die Jahre 2026 bis 2028 genehmigt. Nun gehe es darum, die vorgesehenen Strukturen mit Leben zu füllen und Betroffene wie Angehörige frühzeitig zu erreichen.
Die DEM-CARE-Studie sieht den größten Bedarf bei einer leichter zugänglichen und besser koordinierten Unterstützung. Gewünscht werden unter anderem eine zentrale Anlaufstelle nach der Diagnose, verständliche Informationen sowie flexible Tages-, Kurzzeit- und Abendpflege. Auch psychologische und soziale Unterstützung soll unkompliziert erreichbar sein.
ASAA: Stärkerer Fokus auf Menschen mit Demenz und ihre Angehören legen
Ulrich Seitz, Präsident des Vereins Alzheimer Südtirol ASAA, fordert zum Welt-Alzheimer-Tag einen stärkeren politischen und gesellschaftlichen Fokus auf Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Nach einem Vergleich mit Tirol und dem Trentino geht der Verein davon aus, dass in Südtirol rund 13.600 Menschen mit Demenz leben. Angesichts der steigenden Zahl Betroffener verlangt ASAA unter anderem einen schnelleren Zugang zu Diagnose und Therapie, mehr nicht-medikamentöse Angebote, eine bessere Begleitung nach der Diagnose sowie flächendeckende und qualifizierte Pflege- und Betreuungsangebote. Gleichzeitig müsse die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Demenz verbessert und die Selbsthilfe stärker unterstützt werden. Zum Welt-Alzheimer-Tag stellt der Verein zudem das von Liedermacherin Barbara Zanetti komponierte Lied „Vergissmeinnicht“ als Dank an Betroffene vor.




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