Von: Sophia Molitor
Salemi – Vier australische Freunde – Miles, Ricky, Jack und Riley – kamen nicht mit einem festen Plan nach Italien, geschweige denn mit dem Traum, ausgerechnet in Sizilien ein neues Zuhause zu finden. Ausgangspunkt waren die hohen Immobilienpreise in Australien. Statt sich dort für ein eigenes Haus hoch zu verschulden, wollten sie herausfinden, ob der Traum vom Eigenheim in Italien tatsächlich für nur einen Euro zu haben ist.
Sie kündigten also ihre Jobs, verkauften einige ihrer Besitztümer, packten ihre Koffer und mieteten ein Auto. Dann machten sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Ein-Euro-Haus. Ihre Reise dokumentierten sie von Anfang an auf Instagram. Was als persönliches Abenteuer begann, entwickelte sich innerhalb weniger Wochen zu einer täglichen Geschichte, die inzwischen Tausende Menschen verfolgen. Heute sind die vier bei Tag 46 ihrer 90-Tage-Challenge – und noch längst nicht am Ziel.
Die ersten Besichtigungen waren allerdings eher ein Albtraum als ein Traum vom eigenen Haus. Zahlreiche italienische Gemeinden bieten leer stehende Immobilien für einen symbolischen Euro an, um sie sanieren und wiederbeleben zu lassen. Doch viele der Gebäude sind seit Jahren unbewohnt und entsprechend stark verfallen: eingestürzte Dächer, Löcher in Böden und Decken, fehlende Wasser- und Stromanschlüsse sowie massive Bauschäden sind keine Seltenheit.
Auch das erste Haus, das sich die vier genauer ansahen, erwies sich als nahezu unbewohnbar. Der Zustand war so schlecht, dass selbst die vier Freunde, die eigentlich bereit waren, bei der Renovierung selbst Hand anzulegen, von dem Objekt wieder Abstand nahmen.
Nach weiteren Besichtigungen fiel die Entscheidung schließlich auf ein Haus in Salemi, in der Provinz Trapani, in Sizilien. Salemi gilt als einer der bekanntesten Orte Italiens im Rahmen des Projekts „Häuser für einen Euro“. Die Altstadt ist bis heute von den Folgen des verheerenden Belice-Erdbebens von 1968 und der anschließenden Abwanderung eines Teils der Bevölkerung in die Neustadt geprägt. Zahlreiche Gebäude standen über Jahre leer. Mit dem Verkauf zu symbolischen Preisen wollte die Gemeinde die Häuser wiederbeleben und zugleich neue Bewohner und Investitionen in die historische Altstadt holen.
Der Ort erhielt bereits in der Vergangenheit internationale Aufmerksamkeit unter anderem durch die britische Serie „Amanda & Alan’s Italian Job“. Darin renovierten Amanda Holden und Alan Carr ein anderes Haus, das ebenfalls im Rahmen des Ein-Euro-Haus-Projekts erworben worden war.
Zwischen Baustelle, italienischer Realität und Dolce Vita
Schließlich konnten die vier australischen Freunde für einen symbolischen Euro ein Haus erwerben. Doch der Kaufpreis ist dabei nur der Anfang, denn das Gebäude muss von Grund auf saniert werden. Dafür haben sich die vier ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Innerhalb von rund 90 Tagen wollen sie aus der heruntergekommenen Immobilie wieder ein bewohnbares Zuhause machen. Inzwischen ist Tag 46 angebrochen – mehr als die Hälfte der Zeit ist also bereits um.
Bei der Sanierung prallen die Pläne der vier allerdings schnell auf die italienische Realität: Bürokratische Hürden, falsche Lieferungen, enge Gassen und unerwartete Probleme auf der Baustelle gehören inzwischen ebenso zum Alltag wie das Einreißen und Wiederaufbauen von Mauern. Ein Lieferwagen kam etwa nicht durch die schmalen Straßen von Salemi. Statt des benötigten Materials wurde zudem eine Tonne falscher Sand geliefert – und plötzlich mussten die vier selbst herausfinden, wie sie das richtige Material überhaupt zur Baustelle bekommen.
Auch die Bürokratie sorgt immer wieder für Verzögerungen. Bereits montierte Fensterrahmen mussten wieder abgebaut werden, nachdem es Probleme mit den erforderlichen Genehmigungen und der Materialanlieferung gegeben hatte.
Doch die vier erzählen nicht nur von den Schwierigkeiten, sondern zeigen auch, wie viel Freude sie an ihrem Abenteuer haben. Sie lernen die Menschen in Salemi kennen, kaufen im örtlichen Baumarkt ein, erhalten Hilfe und Ratschläge von Einheimischen, essen gemeinsam Granita und entdecken neben der Baustelle zunehmend auch das Leben im Ort.
Aus den zunächst fremden Reisenden, denen die Bewohner mit einer gewissen Skepsis begegneten, sind inzwischen gern gesehene Gäste geworden. Sie knüpfen persönliche Kontakte, erhalten Unterstützung und werden Schritt für Schritt Teil des Alltags in Salemi.




Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen