Beeindruckend: Wie Wildschweinsäue ihre Frischlinge vor Wölfen schützen – VIDEO

„Ein Ring, der sie alle beschützt“

Mittwoch, 04. November 2026 | 07:08 Uhr

Von: Martin Geier

Pisa – Ein Überlebenskampf von Wildschweinsauen, die ihre Frischlinge vor Wölfen schützen, der bisher noch nie gefilmt wurde, begeistert weltweit Wildbiologen und Naturliebhaber.

Ein kürzlich im Park von Migliarino, San Rossore, Massaciuccoli bei Pisa aufgenommenes Dokumentarvideo zeigt einen koordinierten Angriff von vier Wölfen auf eine Wildschweinrotte und enthüllt dabei die außergewöhnliche Verteidigungsstrategie der Bachen. Das unglaubliche Video, das von einer im Wildpark versteckten Fotofalle aufgenommen wurde, zeigt, wie es den Bachen gelingt, sich und ihren Nachwuchs gegen ein Rudel von vier hungrigen Wölfen zu verteidigen.

Instagram/Frame Video/Parco di San Rossore

Die Wölfe greifen an, doch binnen weniger Sekunden bilden die Wildschweine „bewegliche Barrieren“ für ihren Nachwuchs, während die Leitbache den Leitwolf angreift. „So haben die Wildschweine versucht, ihren Nachwuchs zu verteidigen. Es ist eine koordinierte, mehrfach wiederholte Verteidigungsstrategie, die zeigt, wie komplex und kooperativ das Sozialleben dieser Tiere sein kann“, so die Verantwortlichen des Parks über die unglaublichen Bilder, die nun Gegenstand einer wissenschaftlichen Arbeit sind.

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Eine von Fotofallen im Regionalpark Migliarino, San Rossore und Massaciuccoli aufgezeichnete Sequenz gewährt einen weltweit einmaligen Einblick in das Sozial- und Verteidigungsverhalten von Wildschweinen. Die am 11. Mai 2026 im Rahmen eines Wildtiermonitoring-Projekts entstandenen spektakulären Aufnahmen zeigen, wie sich eine Wildschweingruppe innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde koordiniert, um ihren Nachwuchs vor einem aus vier Wölfen bestehenden Rudel zu verteidigen.

 

Instagram/Frame Video/Parco di San Rossore

Das von versteckten Fotofallen aufgezeichnete Filmmaterial dokumentiert eine Taktik, die in dieser Form noch nie zuvor auf Video festgehalten wurde: Treffen die Wölfe auf die Rotte der Wildschweine, stellt sich die Leitbache dem Leitwolf frontal entgegen. Gleichzeitig bilden die übrigen weiblichen Wildschweine in Sekundenschnelle bewegliche, halbkreisförmige und dreieckige Barrieren um die Frischlinge. Entgegen landläufiger Vermutungen geraten die Tiere nicht in Panik und ergreifen bei der Begegnung mit den Raubtieren nicht einfach die Flucht. Stattdessen reagieren sie als geschlossene Gruppe, passen ihre Formationen fließend an und wiederholen diese Manöver mehrfach, um die Wölfe von den Frischlingen fernzuhalten.

Tatsächlich gelingt es den Bachen, die gefährlichen großen Räuber zu vertreiben und ihre Jungen zu schützen – die Wölfe, die vergeblich versucht hatten, eines der Frischlinge zu erhaschen, gehen dieses Mal leer aus.

Das Video wurde auf dem Instagram-Profil des Parks veröffentlicht und fand sofort große Beachtung. Inzwischen ist die Szene Gegenstand einer wissenschaftlichen Veröffentlichung in der renommierten Fachzeitschrift Current Zoology.

Der am 2. November 2026 erschienene Artikel trägt den Titel One ring to protect them all („Ein Ring, der sie alle beschützt”, Anm. d. Red.) und widmet sich der ersten dokumentierten Videoaufzeichnung eines sogenannten „Verteidigungsrings” bei Wildschweinen. Zu den Autoren der Studie gehören Marco Del Frate, Ibra Edoardo Monti, Paolo Bongi, Giulia Gaimari, Massimo Scandura und Marco Apollonio vom Department für Veterinärmedizin der Universität Sassari auf Sardinien.

Instagram/Frame Video/Parco di San Rossore

Das Projekt ist Teil einer offiziellen Zusammenarbeit zwischen der Parkverwaltung und der Universität Sassari. Im Rahmen dessen werden Wildtiere mithilfe von Fotofallen und GPS-Halsbändern überwacht. Der Vorfall liefert der Wissenschaft wertvolle Erkenntnisse über die Strategien, mit denen sich Beutetiere und ihre Jungen vor Raubtieren schützen, sowie über die Bedeutung von komplexem Sozialverhalten für das Überleben in der freien Natur.

Instagram/Frame Video/Parco di San Rossore

Da sich der Wolf inzwischen wieder dauerhaft in der ländlichen Umgebung des San-Rossore-Gebiets etabliert hat und dort neben zahlreichen Damhirschen und Wildschweinen lebt, bietet die Region ideale Bedingungen für die Wildtierforschung. Die Rückkehr des Großraubtiers hat das ökologische Gleichgewicht positiv verändert und ermöglicht es den Forschern, die Dynamik zwischen Beute- und Raubtieren aus nächster Nähe zu studieren.

Für den Park sind die Aufnahmen eine erneute Bestätigung des hohen wissenschaftlichen Wertes seines Areals – ein natürliches Freilandlabor, in dem sich die komplexen Beziehungen zwischen den Arten beobachten lassen.

Dieses Mal genügte eine Fotofalle, die im perfekten Moment auslöste, um ein ebenso überraschendes wie selten dokumentiertes Beispiel für kollektive Verteidigung in der Tierwelt festzuhalten.

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