Von: Matthias Knapp
Trient – Die italienische Finanzpolizei von Trient hat in Zusammenarbeit mit der europäischen Justizbehörde Eurojust einen großangelegten Anlagebetrug aufgedeckt. Geködert durch den vermeintlichen Einsatz Künstlicher Intelligenz, sollen zahlreiche Anleger um hohe Beträge geprellt worden sein.
Die Finanzpolizei von Trient ermittelte außerdem gemeinsam mit dem Zentralen Ermittlungsdienstes gegen die organisierte Kriminalität (S.C.I.C.O.), der Sondereinheit zur Bekämpfung von Technologiebetrug sowie der Finanzpolizei in anderen Provinzen. Gleichzeitig wurde ein Beschluss des Ermittlungsrichters von Trient vollstreckt, der auf Antrag der Staatsanwaltschaft erlassen worden war.
Gegen fünf Personen wurden aus Gründen des vorläufigen Rechtschutzes persönliche Zwangsmaßnahmen erlassen. Außerdem haben die Ermittler insgesamt 877.000 Euro beschlagnahmt. Der Zugriff erfolgte in den Provinzen Cremona, Lecco, Mantua, Monza Brianza, in Pavia, Treviso, Vicenza sowie im Trentino, in der Gegend von Mailand und in Belgien. Die Untersuchung war bereits im April 2024 ins Rollen gekommen.
Die Hintermänner – darunter vermeintliche IT-Experten und ein lokaler Finanzberater – sollen über soziale Netzwerke Konferenzen in bekannten Hotels im Trentino organisiert und so ihre Opfer angelockt haben. Dabei wurden elektronische Apparate verkauft, die vermeintlich Künstliche Intelligenz nutzten, um exorbitante Gewinne beim Mining zu erzielen. Verlangt wurde pro Gerät ein Preis zwischen 4.000 und 30.000 Euro, wobei den Käufern unrealistische Gewinne versprochen wurden.
Wie sich im Zuge der Ermittlungen allerdings herausstellte, handelte es sich bei den angeblichen Wundergeräten um billige, zusammengeschusterte Standard-PCs mit minimaler Rechenleistung, während die von der Organisation bereitgestellten Apps und Webseiten lediglich gefälschte Gewinne anzeigten.
Der bisher nachgewiesene Schaden aus den vorliegenden Strafanzeigen beläuft sich auf rund 877.000 Euro. Die Ermittler schätzen den tatsächlichen Schaden allerdings weit höher. Betroffen sind neben Kleinanlegern auch Freiberufler, Unternehmer und Rentner.
Die Finanzströme verliefen über ein ausgeklügeltes internationales Netzwerk: Rechnungen wurden über zwei britische Gesellschaften ausgestellt, während die Gelder der Opfer direkt auf ausländische Konten – vorwiegend in Belgien – flossen.
Als einer der Drahtzieher gilt ein in der Schweiz wohnhafter Mann aus der Lombardei. Der Beschuldigte ist den Behörden kein Unbekannter: Er weist einschlägige Vorstrafen wegen aufgrund von Wirtschaftsdelikten auf, stand in der Vergangenheit in Verbindung mit Umfeldern der ‘Ndrangheta und geriet erst 2023 wegen Betrugs bei EU-Corona-Fördergeldern ins Visier der Justiz.




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