Jetzt dreht sich die Debatte um Datenschutz

Gemeinde Salerno zeigt Müllsünder im Hawaiihemd

Mittwoch, 14. Oktober 2026 | 07:00 Uhr

Von: Sophia Molitor

Salerno – Ein Ende September veröffentlichtes Video der Gemeinde Salerno sorgt in Italien für Diskussionen. Darauf ist ein Mann zu sehen, der nachts illegal einen Kühlschrank in einer Gasse der Altstadt abstellt und rund zehn Tage später zurückkehrt, um auch ein Bügelbrett dort zu entsorgen. Für Aufsehen sorgt dabei weniger die illegale Müllentsorgung, die in Kampanien ein wiederkehrendes Problem darstellt, als vielmehr die Frage nach dem Datenschutz des Mannes. Die Gemeinde hatte die Aufnahmen im Internet veröffentlicht, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Obwohl das Gesicht des Mannes unkenntlich gemacht worden war, verlangte die italienische Datenschutzbehörde Auskunft von der Gemeinde.

Im Zentrum der Kontroverse steht Vincenzo De Luca, ehemaliger Präsident der Region Kampanien und heutiger Bürgermeister von Salerno, der am 10. Oktober in einem Facebook-Video das aus seiner Sicht absurde Behördenverfahren stark kritisiert.

Zunächst handelte es sich um eine Aufforderung zur Stellungnahme, nicht um eine abschließende Entscheidung über einen Datenschutzverstoß. Die Behörde wollte unter anderem klären, ob die Person trotz verdeckten Gesichts anhand anderer Merkmale, etwa seiner auffälligen Kleidung, identifizierbar sein könnte.

“Ist das hawaiianischen Badekostüm wirklich das Problem?”

De Luca reagierte mit scharfem Sarkasmus auf die Anfrage der Datenschutzbehörde: “Wovor habt ihr Angst? Dass man jemanden anhand eines hawaiianischen Badekostüms erkennen könnte?”

Er bezeichnete die Anfrage unter anderem als “Demenzialität” – als geradezu irrsinnigen bürokratischen Vorgang. „Unser Land hat ein Niveau an Dummheit erreicht, das schwer vorstellbar ist“, betonte er bitter. De Luca beklagte, dass in Italien offenbar diejenigen geschützt würden, die sich rücksichtslos verhielten, statt jene hervorzuheben, die sich an die Regeln hielten. Sinngemäß stellte er die Frage, ob die Datenschutzbehörde tatsächlich nichts Dringenderes zu tun habe, als sich mit einem Mann zu beschäftigen, der nachts illegal Müll auf öffentlichen Straßen ablade. Zugleich verwies er auf die Veröffentlichung privater und familiärer Angelegenheiten in den Medien. Dort werde der Schutz der Betroffenen seiner Ansicht nach häufig vernachlässigt, während die Berichterstattung mitunter sogar das Leben der betreffenden Persönlichkeiten ruinieren könne.

Die illegale Entsorgung von Sperrmüll belastet Salerno und andere Gebiete Kampaniens alltäglich. Die Stadt setzt deshalb auf sogenannte “Kamerafallen”, um Verstöße zu dokumentieren und die Verantwortlichen ausfindig zu machen. Für De Luca ist es beschämend, dass die Debatte sich nun vor allem um den Datenschutz des mutmaßlichen Müllsünders dreht, statt um das eigentliche Problem, dass Menschen ihren Abfall illegal auf öffentlichen Straßen abladen und damit das Stadtbild und die Umwelt beeinträchtigen.

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