Verzweifelte Geschäftsinhaber: Nach Mailänder Gewalt-Wochenende fließen die Tränen – VIDEO

“Jahre voller Opfer an einem einzigen Wochenende zunichtegemacht!”

Dienstag, 20. Oktober 2026 | 07:38 Uhr

Von: Martin Geier

Mailand – Nachdem es bereits am Samstag zu schweren Ausschreitungen und Gewaltexzessen gekommen war, wurde die lombardische Metropole am Sonntag erneut von Vandalen und Randalierern in Geiselhaft genommen.

Am Sonntagnachmittag wiederholte sich das Szenario, nachdem in den sozialen Medien ein Foto eines am Vorabend zerstörten Carabinieri-Fahrzeugs mit der Aufschrift „Heute geht Teil 2 los. Treffpunkt: Domplatz um 15.00 Uhr“ verbreitet worden war. Zu dieser Uhrzeit versammelten sich mindestens 2000 Jugendliche auf dem Platz. Polizei und Carabinieri hielten einige von ihnen für Kontrollen an. Wer keine Ausweisdokumente bei sich trug, wurde zur Identifizierung zur Quästur gebracht.

Anschließend eskalierte die Lage auf dem Mailänder Domplatz erneut: Die Einsatzkräfte wurden mit Steinwürfen und Brandsätzen attackiert, Dutzende Schaufenster wurden eingeschlagen und Geschäfte geplündert. Im Zentrum von Mailand wüteten Tausende Jugendliche – zumeist mit ausländischen Wurzeln – die sogenannten „Maranza“. Viele der Gewalttäter waren vermummt und trugen Kapuzen. Sie lieferten sich mit der Polizei und den Carabinieri heftige Straßenschlachten. Dabei wurden die Beamten mit Brandsätzen, Böllern, faustgroßen Steinen und Flaschen beworfen. Insgesamt erlitten am Samstag und Sonntag 104 Polizisten und Carabinieri Verletzungen.

 

Facebook/Equilibrio Sicurezza – Il Sindacato dei Poliziotti

Die Ausschreitungen dehnten sich rasch auf die umliegenden Straßen aus, wo weitere Geschäfte geplündert wurden. Die Täter bewegten sich unorganisiert, rennend und verstreut durch die Innenstadt und hinterließen eine Spur der Verwüstung: umgestürzte Mülltonnen, zerstörte Bushaltestellen, auf die Straße geworfenes Mobiliar von Gastronomiebetrieben sowie aus den Schaufenstern gerissene Schaufensterpuppen.

ANSA/CORNER/SALMOIRAGO

Besonders aggressiv gingen die vermummten Gruppen, unter denen sich erneut viele Jugendliche mit Migrationshintergrund befanden, in der Via Torino vor. Dort hatten es Hunderte Randalierer auf einen Carrefour-Supermarkt abgesehen. Sie griffen einen Sicherheitsmitarbeiter an, stürmten die Gänge und raubten Waren, während sie Chaos anrichten. Auch Filialen von Foot Locker und Champion wurden attackiert: Die Glastüren gaben unter Fußtritten nach, und die Verkaufsräume wurden ausgeraubt. Andere Vandalen zertrümmerten derweil die Schaufenster weiterer Geschäfte, darunter eine Filiale von Vodafone.

Um die Lage unter Kontrolle zu bringen, setzten die Sicherheitskräfte Tränengas, Wasserwerfer und zeitweise Schlagstöcke ein. Während der schweren Krawalle wurden Dutzende Jugendliche vorläufig festgenommen. Bis zum Abend wurden über 200 junge Menschen zur Quästur gebracht, von denen mehr als 80 Prozent minderjährig waren. Insgesamt wurden 72 Personen festgenommen, hinzu kommen die 16 Personen vom Samstag – unter ihnen elf Minderjährige und fünf Volljährige, darunter auch eine junge Frau. Je nach Tatbeteiligung müssen sie sich wegen Verwüstung, schwerer Körperverletzung und schweren Widerstands gegen die Staatsgewalt verantworten. Weitere 22 Personen wurden angezeigt, darunter elf Minderjährige.

 

Nach zwei Tagen heftiger Zusammenstöße und Plünderungen, die das Zentrum von Mailand am Wochenende des 17. und 18. Oktober 2026 erschütterten, stehen die Händler unter tiefem Schock. Neben dem Entsetzen herrschen Wut und Angst vor weiteren Verwüstungen. Nach vorläufigen Schätzungen des Handelsverbands Confcommercio Milano belaufen sich allein die materiellen Gebäudeschäden an den Geschäften auf etwa eine Million Euro. Hinzu kommen Verluste durch entgangene Einnahmen sowie eine Welle von Stornierungen in Hotels und Restaurants.

Aus Furcht vor erneuten Aufrufen in den sozialen Netzwerken räumten zahlreiche Ladenbesitzer im Zentrum und im Modeviertel – einschließlich der berühmten Via Montenapoleone – auch am Montag vorsorglich ihre Schaufenster aus und schlossen die Rollläden. Denn während der straßenkampfartigen Unruhen, die ursprünglich als Protest gegen die Teuerung begonnen hatten, waren große Verkaufsstellen wie Foot Locker, Nike, Champion, Decathlon, das Kaufhaus Rinascente sowie mehrere Supermärkte verwüstet und geplündert worden.

Die Geschäftsinhaber sind zutiefst verbittert. Sie betonen, dass hinter jedem zerstörten Schaufenster jahrelange harte Arbeit und Familienexistenzen stehen, und verurteilen die sinnlose Gewalt gegen Unschuldige. Einige Händler äußerten gegenüber Nachrichtenagenturen sogar die Sorge, sich offen und unmaskiert zu äußern – aus Angst vor gezielten Racheakten.

Im Interview mit Tgcom24 beschrieb die Inhaberin einer Bar am Corso Vittorio Emanuele dramatische Szenen: „Sie sind völlig durchgedreht und haben versucht, alles mitzunehmen: Tische, Stühle und sogar die Zierolivenbäume, um sie zusammen mit Fahrrädern der Stadtverwaltung in ein Feuer zu werfen, das mitten auf der Straße entfacht worden war.”

Große Resonanz fand auch der emotionale Appell der bekannten Designerin der Schmuckmarke Pepper Chocolate, Greta Liberato, deren Laden am Corso Garibaldi ins Visier geraten war. In einer von MilanoToday zitierten Erklärung wandte sie sich direkt an die Täter: „Ihr, die ihr mein Geschäft zerstört habt, wisst ihr überhaupt, was hinter diesen Schaufenstern steckt? Dahinter stecken Jahre voller Opfer!” Damit prangerte sie die völlige Missachtung der Arbeit anderer an.

Gemeinsam mit dem Präsidenten der Kaufleutevereinigung Confcommercio, Carlo Sangalli, besuchte der Mailänder Bürgermeister Giuseppe Sala die am stärksten betroffenen Viertel, um den Gewerbetreibenden seine Solidarität auszusprechen. Der Handelsverband kündigte an, sofort Hilfsverfahren einzuleiten, damit die geschädigten Unternehmen so schnell wie möglich Entschädigungen erhalten. Auf politischer Ebene hat die Regierung unterdessen einen Dringlichkeitsgipfel im Palazzo Chigi einberufen, um Sonderverordnungen zur Erhöhung der Sicherheit und zur Eindämmung gewaltsamer Proteste zu erörtern.

Ob diese Maßnahmen greifen werden, bleibt jedoch ungewiss. Unter den Geschäftsinhabern im Mailänder Zentrum herrscht große Unsicherheit. Viele befürchten, dass sich die Ausschreitungen an den kommenden Wochenenden zu einer anhaltenden „Vandalismus-Welle“ ausweiten könnten. Wenn Kunden aus Furcht, in die Gewaltexzesse hineingezogen zu werden, wegbleiben, wäre die Existenz der Händler in einer ohnehin heiklen Konjunkturphase massiv bedroht.

Am Montagnachmittag fand auf der Mailänder Piazza San Carlo eine vom Mailänder Mitte-rechts-Lager organisierte Kundgebung statt, um den Sicherheitskräften ihre Solidarität auszudrücken. Im Corso Vittorio Emanuele kam es zu Zusammenstößen, als sich eine Gruppe Jugendlicher der Kundgebung näherte. Es flogen Beleidigungen, und es kam zu Schubsereien. Zudem wurden einige Böller gezündet, bevor die Carabinieri dazwischengingen, um die beiden Gruppen zu trennen.

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