Von: Lukas Unterkofler
Cansiglio – Im Bellunesischen Cansiglio kommen Wanderer und Hobbyfotografen den Hirschen während der Brunft offenbar immer wieder zu nahe. Der Grund dafür: Offenbar hat sich ein Trend herausgebildet, Selfies vor den Hirschen zu machen sowie sie aus nächster Nähe aufzunehmen. Die Tierschutzorganisation Lipu “Italienische Liga zum Schutz der Vögel” fordert deshalb dringend ein Einschreiten der Behörden.
Besonders in der Piana del Cansiglio und im Val Cornesega sollen sich Besucher in den vergangenen Tagen den Tieren bis auf kurze Distanz genähert haben, um das Röhren der Hirsche zu filmen oder ein Selfie zu schießen. Laut der Lipu in Treviso und Belluno werden dabei grundlegende Regeln im Umgang mit Wildtieren missachtet. Die Organisation hat die zuständigen Behörden deshalb offiziell um ein rasches Einschreiten gebeten.
Die Nähe der Menschen könne die Paarungsrituale der Hirsche stören und damit den Fortpflanzungserfolg der örtlichen Population beeinträchtigen, warnt die Lipu. Gleichzeitig bestehe eine konkrete Gefahr für die Besucher: Besonders männliche Hirsche könnten auf ein zu dichtes Herankommen unberechenbar und aggressiv reagieren. Auch freilaufende Hunde seien ein Problem, da sie Wildtiere erheblich stressen und sich selbst in Gefahr bringen könnten.
In den vergangenen Wochen kam es im Nationalpark “Abruzzen, Latium und Molise” mehrfach zu Zwischenfällen bei denen Menschen den Tieren mit ihren Kameras zu nahe gekommen sind: Hirsche griffen zwei Fotografen mit dem Geweih an, nachdem diese sich den Tieren für Selfies genähert hatten. Das “Selfie-Problem” scheint jedoch weit verbreitet zu sein, wie die Meldungen aus dem Raum Belluno nahelegen.
Die Lipu verweist zudem auf ein weiteres Risiko: Aufgeschreckte oder flüchtende Tiere könnten häufiger auf Straßen geraten und dadurch die Gefahr von Verkehrsunfällen erhöhen. Die Meldung ging unter anderem an die Carabinieri, die Provinzpolizei von Treviso, Veneto Agricoltura und die Tourismusdirektion der Region Venetien.
Die Umweltorganisation betont, dass das Gebiet selbstverständlich für Erholung und Naturerlebnisse genutzt werden solle. Das müsse jedoch mit einem respektvollen und nicht-invasiven Verhalten gegenüber der Tierwelt einhergehen. “Wir fordern deshalb ein rasches Einschreiten der Behörden”, erklären die Lipu-Delegierten für Treviso und Belluno, Enrico Pavan und Niccolò Sovilla.




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