Anhaltende Diskussionen über Massentourismus in Rom

Streit um Golfcarts für Touristen in Rom

Dienstag, 29. September 2026 | 09:33 Uhr

Von: importer

Sie waren einst vor allem auf Golfplätzen unterwegs, inzwischen gehören sie in Roms historischem Zentrum zum Stadtbild: Kleine Golfcarts fahren Touristen zu Sehenswürdigkeiten, Hotels und zum Flughafen. Doch mit der wachsenden Zahl der Fahrzeuge mehren sich Beschwerden über fehlende Genehmigungen, Verkehrsverstöße und Sicherheitsrisiken.

Inzwischen sind rund 500 Golfcarts regelmäßig in der Ewigen Stadt unterwegs. Die Betreiber der Gefährte bieten Touristen Rundfahrten durch die Hauptstadt an. Pro Person werden demnach häufig rund 100 Euro verlangt, private Touren für bis zu fünf Personen kosten in vielen Fällen etwa 400 Euro. Die Anbieter werben mit unterschiedlichen Rundfahrten, die von wenigen Stunden bis zu Touren mit Restaurantbesuch reichen. Einige Fahrten finden am Abend oder bei Sonnenuntergang statt. Die Lenker bezeichnen sich dabei offenbar nicht immer als Fremdenführer.

Taxifahrer protestieren wegen Konkurrenz

Für Kritik sorgen insbesondere die Verkehrssicherheit und die Konkurrenz zu etablierten Taxi- und Mietwagenangeboten. Luca Notarbartolo vom Verband der Mietwagen “Ncc Italia” spricht von einem “Verkehrsdschungel” in der Hauptstadt. Golfcarts würden demnach unter anderem falsch in Fußgängerbereichen fahren oder in verbotenen Parkzonen stehenbleiben. Nach Angaben des Verbandes seien solche Wägen sogar auf der Straße zum Flughafen Rom Fiumicino und auf dem Autobahnring gesehen worden.

Auch die Sicherheitsvorkehrungen werden kritisiert. Riccardo Cacchione von der Gewerkschaft Usb-Taxi weist darauf hin, dass die Fahrgäste in den offenen Carts teilweise ohne ausreichenden Schutz und ohne Sicherheitsgurte unterwegs seien. Zudem würden sich Passagiere während der Fahrt für Fotos aus dem Vehikel lehnen. Lenker würden sich außerdem manchmal während der Fahrt zu den Gästen umdrehen, um ihnen die Sehenswürdigkeiten zu erklären.

Rechtliche Grundlage des Geschäfts unklar

Neben Sicherheitsfragen geht es um die rechtliche Grundlage des Geschäfts. Nach Angaben von Ncc Italia hat die Stadt Rom bisher lediglich 41 der rund 500 Fahrzeuge beziehungsweise Anbieter genehmigt. Eine spezielle Regelung für Golfcarts dieser Art gibt es in der Hauptstadt derzeit nicht. In der Toskana wurde dagegen bereits eine entsprechende Regelung eingeführt. Die Taxi- und Mietwagenverbände beklagen zudem ein Wettbewerbsproblem. Einige Golfcart-Anbieter würden Touristen zu Hotels bringen und damit faktisch Taxidienste anbieten. Auch touristische Führungen würden teilweise ohne die für professionelle Fremdenführer erforderlichen Qualifikationen angeboten, kritisieren die Verbände.

Unklarheiten gibt es laut den Verbänden auch bei der Zulassung, den Führerscheinen und der technischen Ausstattung der Carts. Cacchione fordert unter anderem Kontrollen, ob die Fahrzeuge tatsächlich entsprechend ihrer Zulassung eingesetzt werden. Er berichtet von Golfcarts, die seiner Beobachtung nach deutlich schneller als 25 Kilometer pro Stunde unterwegs seien.

Der Konflikt fügt sich in die anhaltende Debatte über Massentourismus in der italienischen Hauptstadt ein. Kritiker sprechen von einer Überlastung des historischen Zentrums, das bereits durch Lieferverkehr, Veranstaltungen und Baustellen stark beansprucht sei. Der Druck auf die Politik, rasch zu handeln, nimmt weiter zu.

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