Der italienische Außenminister sorgt mit seinem Frauenbild für Empörung

Tajani: “Die ‘richtige’ Frau trägt keinen Minirock”

Dienstag, 22. September 2026 | 08:16 Uhr

Von: Sophia Molitor

Formello – Antonio Tajani hat mit seinen Äußerungen über die „richtige“ Frau zum Heiraten eine Debatte über Frauenbilder und äußerliche Zuschreibungen ausgelöst. Der italienische Außenminister und stellvertretende Ministerpräsident sagte am 18. September bei der politischen Forza-Italia-Veranstaltung „Itaca“ in Formello bei Rom, er würde seinem Sohn eher eine weniger hübsche Frau mit einem längeren Rock empfehlen. Eine attraktive Frau könne zwar faszinierend sein, neige nach seiner Darstellung aber eher dazu, ihren Partner zu betrügen. Die weniger auffällige Frau sei dagegen eine „gute Mutter“ und stehe für Stabilität in Familie und Haushalt.

Gerade diese Verbindung von äußerem Erscheinungsbild und persönlichen Eigenschaften ist der bemerkenswerte Punkt an der Aussage. Statt die Gelegenheit zu nutzen, öffentlich darüber zu sprechen, welche Werte eine verlässliche Partnerschaft, eine Mutter oder eine Frau ausmachen können – etwa Verantwortungsbewusstsein, Respekt, Selbstständigkeit oder Loyalität – und welche Rolle der Mann darin hat, macht Tajani seine Einordnung an Sichtbarkeit, Attraktivität und sogar an der Länge eines Kleidungsstücks fest.

Die Kritik aus der Opposition setzte ebenfalls an einem ähnlichen Punkt an. Die Vorsitzende der demokratischen Partei, Elly Schlein, erklärte, dass Frauen nicht nach der Länge ihrer Röcke beurteilt werden sollten, und bezeichnete Tajanis Äußerungen als „Schande“. Der frühere Ministerpräsident Matteo Renzi ist der Meinung Tajani würde an einem Frauenbild aus dem 19. Jahrhundert festhalten und forderte den Außenminister auf, sich mit der Situation von Frauen in Afghanistan und Burkas zu beschäftigen, statt mit den Miniröcken italienischer Frauen.

Interessanterweise führen auch diese Reaktionen dazu, dass die Kleidung – in diesem Fall lange Röcke, Miniröcke oder Burkas – zum Ausgangspunkt der Debatte wird. Die politische Diskussion dreht sich darum welcher Rock der “richtige” ist, während keiner sich dazu zu äußern scheint, welche Werte und Eigenschaften man mit Begriffen wie Verlässlichkeit, Stärke, Mutterschaft oder Partnerschaft wirklich verbinden sollte.

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