Wegen Vandalismus auch Biwak geschlossen

Verstörend: Madonnenstatue vom Berggipfel gerissen und in die Tiefe geworfen

Montag, 05. Oktober 2026 | 08:22 Uhr

Von: Martin Geier

Gosaldo – Die „Madonnina“ auf dem 2.849 Meter hohen Gipfel der Croda Granda in der Pala-Gruppe der Dolomiten war Ende September Schauplatz eines schockierenden Vorfalls. Unbekannte Vandalen waren mit schwerer Ausrüstung auf den Gipfel gestiegen, um die Marienstatue von ihrem Sockel zu reißen und sie in eine tiefe Schlucht zu stürzen. Dabei wurden auch zwei Gedenktafeln für verstorbene Jugendliche zerstört und abgerissen.

Dies war der aufsehenerregendste, aber leider nicht der erste Vorfall von Vandalismus in diesem Gebiet, das zur Gemeinde Gosaldo in den Belluneser Dolomiten gehört. Die Lage hat sich inzwischen so zugespitzt, dass die Alpini-Gruppe von Gosaldo das von ihr betreute Biwak kürzlich schließen musste, da es wiederholt zu Sachbeschädigungen und Diebstählen gekommen war.

Facebook/Walter Ropele

An der Croda Granda auf der Belluneser Seite der Pala-Gruppe oberhalb von Gosaldo kehrt keine Ruhe ein. Ende September geriet der Gipfel durch einen schweren Vorfall von Vandalismus in die Schlagzeilen. Offensichtlich machten sich Unbekannte die Mühe, die lange und anstrengende Route zu bewältigen, bei der mehr als 1.300 Höhenmeter überwunden werden müssen, und mit schwerem Werkzeug auf den 2.849 Meter hohen Dolomitenberg zu steigen, um eine Madonnenstatue von ihrem Sockel zu reißen und in eine tiefe Felsrinne zu stoßen.

Der zerstörerische Akt wurde Ende September von den beiden Bergsteigern Gabriele Masoch und Daniel Rech aus Gosaldo entdeckt. Sie waren eigens in die Höhe gestiegen, da Gerüchte über das Verschwinden der Statue und der Gedenktafeln die Runde gemacht hatten. Auf dem Gipfel bestätigte sich ihr Verdacht. Anhand der Spuren an Ort und Stelle konnte zweifelsfrei festgestellt werden, dass die seit den 1980-er Jahren die Croda Granda zierende Statue von Unbekannten mit Spezialwerkzeug vom Sockel gelöst und in eine unzugängliche, gefährliche Rinne in der Tiefe geworfen worden war. Außerdem wurden Gedenktafeln für zwei in den Bergen verunglückte junge Menschen zerstört und das Gipfelbuch entwendet.

Facebook/Anna Fontana

Die Entdeckung der Schändung der Marienstatue löste in der lokalen Bevölkerung große Bestürzung aus. Die Gemeindeverwaltung verurteilte die Tat laut Berichten des Lokalsenders RadioPiù scharf und betonte, dass der Vorfall das Gedenken der Gemeinschaft sowie der trauernden Familien tief verletze. „Wer mit schwerem Werkzeug in die Höhe steigt, um Symbole unserer Berge zu zerstören und zu entfernen, ist kein Bergsteiger”, so die deutlichen Worte aus dem Rathaus.

Der Bürgermeister von Gosaldo erstattete daraufhin Anzeige bei den Carabinieri. Derzeit konzentrieren sich die Ermittlungen der Ordnungshüter auf Hinweise zu Personen, die auf der Route zum Gipfel mit voluminösen Rucksäcken oder schwerem Werkzeug gesichtet wurden, das sich zum Aufbrechen des Fundaments eignen würde.

Da sich die stark beschädigte Madonnina an einer extrem steilen und gefährlichen Stelle am Fuß einer Felsrinne befindet, planen die Bergrettung und lokale Freiwillige derzeit einen heiklen, gezielten alpinistischen Einsatz, um sie unter Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen zu bergen.

Facebook/Morena Masoch

Dieser verstörende Vorfall reiht sich nahtlos in eine Serie besorgniserregender Ereignisse in der Region ein. Erst kürzlich sahen sich die Alpini von Gosaldo aufgrund wiederholter Vorfälle von Vandalismus gezwungen, das auf 1.718 Metern Höhe gelegene Biwak „Giovanni Menegazzi“ vorübergehend zu schließen.

Das Biwak ist als Schutz vor Unwettern gedacht: ein sicherer Ort, an dem Bergsteiger und Wanderer in Ruhe Rast machen und sich ausruhen können, oder eine Notunterkunft, die vom Tal aus leicht zu erreichen ist. Zurückgelassene Flaschen und Abfälle, improvisierte Feuerstellen, beschädigtes Mobiliar sowie Diebstähle zulasten von Wanderern gaben jedoch den Ausschlag für diesen drastischen Schritt. So wurde beispielsweise im Oktober des vergangenen Jahres einer walisischen Wandergruppe auf einer mehrtägigen Tour die gesamte technische Ausrüstung gestohlen, darunter Zelte, Schlafsäcke, Isomatten und Campingkocher.

Facebook/Morena Masoch

Zahlreiche Vorkommnisse dieser Art veranlassten die ehrenamtlichen Betreuer des Biwaks im Gebiet Pian Lonch bei Gosaldo zum Handeln. „Ein Biwak ist kein Nachtlokal für exzessives Trinken oder Rauchen“, stellen die Mitglieder der örtlichen Alpini-Gruppe, denen die Verwaltung der Schutzhütte vor etwas mehr als 40 Jahren übertragen worden ist, bitter fest.

„Das Biwak wurde von einigen Jugendgruppen für ein kostenloses Hotel gehalten”, erklärt Renato Chenet, Gruppenleiter der Alpini-Sektion von Gosaldo, verärgert. „Im Sommer gab es sogar Fälle, in denen Feuer an der Wand der Schutzhütte und an den Holzteilen in der Nähe entfacht wurden.”

Facebook/Renato Rossi

Es sei eine schwer gefällte Entscheidung gewesen, so Chenet, der den Wiederaufbau des Biwaks einst miterlebt hat. Er blickt mit Sorge auf den sich verändernden Tourismus in den Dolomiten: „Die Leute haben keinen Anstand mehr.“

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