Wir treffen Ivan Zuliani auf seinem Weg vom Mailänder Luxus-Salon zur natürlichen Haarpflege

Vom Friseur von George Clooney zum Bio-Salon in Treviso

Mittwoch, 23. September 2026 | 08:20 Uhr

Von: Sophia Molitor

Treviso – Wer den Film „Der Teufel trägt Prada“ gesehen hat, bekommt vielleicht eine Ahnung davon, in welcher Welt der italienische Friseur, Ivan Zuliani, der heute in Treviso lebt, einst zu Hause war. Zwischen Luxus, Mode und den Ansprüchen einer internationalen Kundschaft lernte er – im Herzen von Mailand – das Handwerk in einem der renommiertesten Salons Italiens, für den Wella zu den wichtigsten Lieferanten und Kooperationspartnern gehörte. Er schnitt die Haare von George Clooney, Raoul Bova, Richard Gere, Frank Sinatra, Loredana Bertè und Monica Bellucci – und bewegte sich damit mitten in einer Welt, in der Glamour und Perfektion zum Alltag gehörten.

In einem Interview gegenüber Südtirol News erzählt Ivan wie ausgerechnet er, der seine Karriere in der Modegeschichte Italiens aufbaute, dem klassischen Luxusgeschäft den Rücken kehrte, indem er in der Kleinstadt Treviso einen eigenen Salon eröffnete, wo statt chemischer Hochleistungsprodukte, pflanzliche und biologische Inhaltsstoffe im Mittelpunkt stehen.

stnews/S. Molitor

Seine Karriere begann in den 1980-er Jahren, als Ivan gerade 19 Jahre alt war und verzweifelt nach Arbeit suchte. Zuvor hatte er in einem kleinen Friseursalon in der Mailänder Provinz gearbeitet – gemeinsam mit dem Besitzer, mehr Personal gab es nicht. Dann kam die Arbeitslosigkeit, Ivan klopfte an sämtlichen Türen, doch bekam überall eine Absage.

„Es waren die Jahre des Babybooms in Italien, die Konkurrenz war groß. Ich war bereits seit drei Monaten arbeitslos. Irgendwann dachte ich mir sogar, vielleicht liegt es daran, dass ich einfach nicht besonders schön bin“, erzählt Ivan heute mit einem Lächeln.

Wie Ivan anfing für den “Friseur der Divas” zu arbeiten

Dann begegnete er Rolando Elisei – eine Ikone im Luxussegment –, er galt als eine der prägendsten Figuren der italienischen Friseur- und Modeszene des 20. Jahrhunderts. Als Friseur zahlreicher prominenter Frauen erlangte er Kultstatus und ging als „Friseur der Diven“ in die italienische Modegeschichte ein. Während andere potenzielle Arbeitgeber wissen wollten, was der Junge Friseur bereits konnte, hatte Elisei eine andere Haltung. “Er wollte nicht wissen was ich drauf hatte, er hatte die Fähigkeit das Potential in einem Menschen auszubauen. Damals sagte er einfach nur zu mir ‘Folge mir!’ und somit begann ein neue Kapitel in meinem Leben“, erzählt Ivan.

Plötzlich wurde er Teil einer Welt, die ihm bis dahin völlig fremd gewesen war. Im Salon gaben sich Persönlichkeiten aus Politik und Institutionen, der Mode- und Filmbranche die Klinke in die Hand. Prominente Namen, exklusive Kunden und der tägliche Klatsch über die Mächtigen und Berühmten gehörten plötzlich zu seinem Arbeitsalltag. „Mein Alltag war wie in ‚Der Teufel trägt Prada‘“, erinnert er.

Je länger er in der Welt des Luxus arbeitete, desto mehr stellte er sich die Frage, was eigentlich hinter glänzendem Haar und perfekten Frisuren steckt – und welchen Preis diese Perfektion für Mensch und Umwelt hat. Außerdem ließen ihn der hektische Rhythmus des Luxusgeschäfts, die langen Arbeitstage und der ständige Druck zunehmend daran zweifeln, ob er sich in dieser Welt auch ein Familienleben vorstellen konnte. Schließlich zog er die Konsequenzen und stellte sein Leben grundlegend auf den Kopf.

Ivan verließ Mailand und zog nach Treviso, wo ein Teil seiner Familie lebte. Dort eröffnete er den Salon „Bio Parrucchieri Treviso“. Nebst seiner persönlichen Lebensumstellung zu einer vegetarischen Ernährung, setzte er auch in seinem Beruf auf ein neues Konzept. Heute findet man in seinem Salon hauptsächlich biologische Pflegeprodukte und pflanzliche Haarfarben, die von einem Unternehmen aus der Provinz Treviso stammen, das ausschließlich biologische Kosmetik herstellt.

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Diese Umstellung kostete ihm viel Mut und der Erfolg war Anfangs nicht selbstverständlich: „2018 dachte ich sogar daran, den Salon wieder zu schließen, weil es nicht besonders gut lief. Das Bewusstsein für Umweltfragen und natürliche Produkte sei damals noch längst nicht so ausgeprägt gewesen wie heute. „Erst nach der Pandemie hat sich das Bewusstsein gewandelt. Immer mehr Menschen sind heute froh, auf Alternativen zurückgreifen zu können“, betont der ehemaliger Star-Friseur.

Interessant ist auch Ivans Antwort auf die Frage, ob sein Salon heute völlig chemiefrei arbeitet. „Ich möchte die Chemie nicht verteufeln. Sie ermöglicht es mir, in meinem Beruf kreativ zu bleiben“, betont er. Auch heute verfolgt er die neuesten Trends, um fachlich auf dem Laufenden zu bleiben. „Wenn eine Frau beispielsweise nach einer Trennung zu mir kommt und einen völlig neuen Look möchte, komme ich mit pflanzlichen Präparaten nicht so weit wie mit chemischen Mitteln“, erklärt er.

Ivan geht es vielmehr darum, sich bewusst zu machen, dass zwei einzelne Stoffe, die in der Natur abbaubar sind, durch ihre Verbindung eine Wirkung erzeugen können, deren Folgen bedacht werden sollten. Er bietet also weiterhin beides an, setzt die Produkte jedoch bewusst ein. „Jahrelanges Färben schädigt nun einmal die Haare. Viele Kundinnen und Kunden sind erstaunt, dass unsere pflanzlichen Haarfarben nicht nur eine Alternative darstellen, sondern das Haar auch wieder vollständig regenerieren können“, betont der Friseur.

Manchmal holt ihn seine Vergangenheit noch ein, denn sein Name taucht nach wie vor in der Welt der Stars auf. Auch als sein neuer pflanzenbasierter Salon bereits gut lief, ließ er sein Team, das heute aus vier Personen besteht, gelegentlich für einige Tage allein, um noch einmal in die Luxusbranche einzutauchen.

So kam es, dass eine wohlhabende Kundin aus Venedig darauf bestand, dass Ivan ihr und ihren Freunden auf einer Luxusjacht die Haare schnitt und stylte. Er ließ sich darauf ein – und lernte dabei George Clooney kennen. Als Dank für seinen Service lud der Schauspieler ihn anschließend in seine Villa am Comer See ein.

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„George hatte einen mächtigen Weinkeller, den ich besonders beeindruckend fand, vor allem, weil mir gesagt wurde, dass er ihn niemals anrühre, da er nur hochprozentigen Alkohol trinke.“

Hier gehts zum Interview in italienischer Sprache/ Qui trovate l’intervista in lingua italiana.

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