Von: Martin Geier
Turin – Der Mord an dem 39-jährigen Fabio Colapietro, der sich am 21. September 2026 in Turin ereignete, sorgt aufgrund seiner extremen Grausamkeit für tiefes Entsetzen in der italienischen Öffentlichkeit. Das Opfer wurde während einer tagelangen Drogenparty auf brutale Weise getötet und anschließend zerstückelt.
Besonders schockierend ist der tiefe Fall der mutmaßlichen Haupttäterin Nicole Formichetti: Nach außen hin wirkte sie wie eine völlig unverdächtige Italienischlehrerin an einer Oberschule in Cirié in der Nähe von Turin. Nach einer psychischen Krise und der Trennung von ihrem Mann geriet sie jedoch tief in die Drogenabhängigkeit. Die 47-Jährige, die vom Mörder als „Satan” bezeichnet wurde, soll die Drahtzieherin hinter dem Verbrechen sein.
Laut den Aussagen des ausführenden Mörders soll Formichetti die Tage nach der Tat maßgeblich orchestriert haben. Dabei ging es vor allem darum, die Beseitigung der Leiche zu organisieren und weitere Drogen zu besorgen. Zudem wirft der Mörder ihr vor, noch im selben Raum vor dem leblosen Körper sexuelle Annäherungsversuche unternommen zu haben, die er selbst als geschmacklos zurückgewiesen habe.

Bis zum vergangenen Juli unterrichtete Nicole Formichetti ihre Schüler an der Oberschule „Tommaso D’Oria” in Ciriè in der Provinz Turin in italienischer Literatur und Grammatik und begleitete sie bis zur Abiturprüfung. Nach Recherchen der Tageszeitung La Repubblica legte die 47-jährige Frau, die ursprünglich aus Rieti in Mittelitalien stammt und nach ihrem Erfolg bei der Stellenausschreibung in den Norden gezogen war, am 1. September jedoch ein ärztliches Attest vor, das ihr schwere Depressionen bescheinigte, und erschien daher nicht zum neuen Schuljahr.
Als die Polizei 20 Tage später nach einem Hinweis in ihre Mietwohnung am nördlichen Stadtrand von Turin eindrang, eröffnete sich den Beamten ein grauenvoller Abgrund aus Drogen, Sex und Gewalt, der in einem grausamen Mord gipfelte und seither die Stadt erschüttert. Ersten Ermittlungsergebnissen zufolge wurde der 39-jährige Fabio Colapietro während einer tagelangen Drogenparty, an der er zusammen mit Nicole Formichetti und zwei weiteren Personen teilnahm, auf brutale Weise getötet und anschließend zerstückelt.
Denjenigen, die in den Mord verwickelt sind, wird vorgeworfen, die Beseitigung der Leiche organisiert zu haben. Allen voran der 26-jährige Christian Matheus De Oliveira Morando italienisch-brasilianischer Herkunft. Er hat gestanden, den Drogendealer in der Wohnung der Lehrerin getötet zu haben. „Die Lehrerin ist Satan“, soll er den Ermittlern während des Verhörs gesagt haben.
Es ist der Abend des 20. Septembers, als die Wohnung der Lehrerin zum Schauplatz einer ausgedehnten Party wird. Anwesend sind neben der Lehrerin der 26-jährige Brasilianer Matheus De Oliveira Morando, die 22-jährige Transgender Keith Butig und der 39-jährige Fabio Colapietro, der in der Drogenszene als Kurier bekannt ist, der Substanzen im Austausch gegen Dosen transportierte. Innerhalb weniger Stunden artet der Abend in einen zügellosen Drogenkonsum aus. Es werden Crack, halluzinogene Pilze, Ecstasy, Methadon und die sogenannte „Madonna di Pavia“, eine als Stimulans verwendete synthetische Substanz, konsumiert.
Mitten im LSD-Rausch brach ein wilder Streit aus, der in eine Tragödie ausartete: Morando warf Colapietro vor, ihm 50 Euro sowie ein goldenes Armband gestohlen zu haben, und erwürgte ihn.
Was danach geschah, verleiht dem Fall eine noch verstörendere Note. Anstatt Alarm zu schlagen, blieben die Anwesenden – weiterhin unter starkem Drogeneinfluss – mit der Leiche im Haus. Laut Geständnis des Täters war es ausgerechnet die Lehrerin, die „die Zügel in die Hand nahm“: Sie soll die Säcke und Arbeitsmaterialien organisiert haben, um die Leiche des jungen Mannes in der Dora Baltea zu entsorgen.
Den Ermittlungen zufolge konsumierten die Beteiligten ununterbrochen Crack, um das Grauen der Bluttat zu betäuben und die Beseitigung der Leiche durchzuziehen. Sie kauften im Baumarkt Abdeckplanen, Müllsäcke, ein Hackmesser, weitere Messer sowie Schnellzement. Die Wände des Raumes kleideten sie mit Plastikfolie aus, um das Opfer anschließend zu zerstückeln. Ein Teil der Leiche des Opfers wurde in Müllsäcke und Eimer verpackt, mit Zement übergossen und in der Wohnung zurückgelassen. Andere Körperteile verstauten sie in einem Koffer, transportierten diesen mit einem gewöhnlichen Taxi zur Dora Baltea und entledigten sich ihrer, indem sie sie in den Fluss warfen.
Besonders skurril: In den Stunden nach der Tat, als Colapietros Leiche noch auf dem Boden lag, soll die Lehrerin dem Mörder laut der Zeitung La Repubblica sogar sexuelle Avancen gemacht haben, die dieser jedoch als „geschmacklos“ zurückgewiesen habe.
In diesen albtraumhaften Tagen pendelte die Gruppe ständig zwischen den „Drogenparks“ von Turin hin und her, stets auf der Suche nach weiteren Dosen. Wie der Turiner Untersuchungsrichter Antonio Borretta in seinem Haftbefehl hervorhob, dachten die Verdächtigen, die sich in einem Zustand schwerer Drogenabhängigkeit befanden, „ebenso sehr daran, die Leiche zu beseitigen, wie daran, Drogen zu konsumieren und zu beschaffen“.
Erst als De Oliveira Morando von einer Panikattacke übermannt seine Mutter anrief, flog der Mord an Fabio Colapietro und das grausame und verstörende Treiben in der Wohnung auf. Von seinen Worten zutiefst erschrocken, alarmierte sie umgehend die Polizei. Diese drang in die Wohnung ein und nahm alle Personen in Gewahrsam.
Die 47-Jährige, die wegen Beihilfe und Leichenbeseitigung angeklagt ist, befindet sich derzeit im Gefängnis von Turin. Bei der Anhörung zur Bestätigung der Haft hat sie von ihrem Recht Gebrauch gemacht, die Aussage zu verweigern. In der piemontesischen Hauptstadt hat die Frau keine nahen Verwandten. Sie hat lediglich einen Ehemann, von dem sie getrennt lebt, und eine Schwester, die in Rieti wohnt.
Die Schulgemeinschaft und diejenigen, die sie kannten, sind fassungslos angesichts des Lebenswandels der bei ihren Schülern beliebten und von ihren Kollegen geschätzten Lehrerin, die durch den Drogenkonsum eine völlige Verhaltensänderung durchgemacht hat.

In den sozialen Medien scheint Nicole Formichetti ein Doppelleben geführt zu haben. Einerseits besteht es aus Liebesbekundungen für Tiere und Welpen, die zusammen mit ihrem Hund Felix zur Adoption freigegeben werden sollen. Andererseits zeigt es alte Alarmmeldungen, die Freunde in den vergangenen Jahren an sie verschickt haben: „Was ist aus dir geworden? Wir machen uns Sorgen!” Dies lässt auf länger zurückliegende Momente der Zerbrechlichkeit im Leben jener Frau durchscheinen, die wie eine unverdächtige Italienischlehrerin wirkte.





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