Riesiger Grundwasserkörper soll vor Dürre und Versalzung schützen

Wunder gegen Wasserknappheit: Ein zweiter Gardasee wurde entdeckt

Donnerstag, 01. Oktober 2026 | 08:09 Uhr

Von: Sophia Molitor

Venedig – In der Provinz Venedig ist ein gewaltiger unterirdischer Süßwasserkörper entdeckt worden. Die Wasserreserve erstreckt sich zwischen Buoro bei Cavarzere und Punta Gorzone bei Chioggia über knapp 30.000 Hektar – eine Fläche, die ungefähr der des Gardasees entspricht. Es handelt sich um einen tief liegenden Grundwasserkörper, der durch mächtige Tonschichten geschützt ist und damit einen enormen Vorteil für die künftige Wasserversorgung darstellt.

Entdeckt wurde die Wasserreserve im Rahmen des europäischen Projekts Swamrisk, das sich mit dem Schutz von Küstengrundwasser vor Dürre und Versalzung beschäftigt und über das EU-Programm Interreg Italien–Kroatien finanziert wird. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Italien und Kroatien verbindet dabei Forschungseinrichtungen und Wasserverwaltungen beider Länder. Beteiligt sind unter anderem die Universität Split, die Region Venetien, der italienische Forschungsrat CNR, die Universität Zagreb, das Ingenieurbüro M3E sowie verschiedene Einrichtungen der Wasserbewirtschaftung. Auch der italienische Dachverband der Entwässerungs- und Bewässerungskonsortien ANBI ist beteiligt. Projektleiter und Ingenieur Lorenzo Frison zufolge zeigen die Untersuchungen, dass das tiefe Grundwasser nur sehr langsam vom Eindringen des Meerwassers betroffen ist, was einen enormen Vorteil bringt.

Die Plattform, die gegen Wasserknappheit vorgeht

Das sei, laut ANBI, besonders für eine Region von Bedeutung, die in den vergangenen Jahren zunehmend unter Trockenheit und dem Vordringen der Salzwasserfront gelitten habe. Während der tiefe Wasserkörper vergleichsweise gut geschützt ist, ist das oberflächennahe Grundwasser deutlich stärker von der Versalzung betroffen. In rund sieben Metern Tiefe wurden bis zu 14 Gramm Salz pro Liter gemessen. Das ist deutlich weniger als die rund 35 Gramm Salz pro Liter im Meerwasser. Doch auch diese Konzentration kann für landwirtschaftliche Kulturen bereits erhebliche Schäden verursachen, erklärt der Ingenieur.

Die Entdeckung eröffnet damit neue Perspektiven für die langfristige Wasserversorgung und Bewirtschaftung der Küstengebiete. Im Rahmen des Projekts stellte Francesco Vincenzi, Präsident des italienischen Dachverbands der Entwässerungs- und Bewässerungskonsortien, die Plattform Hydrocloud vor. Sie sammelt hydrogeologische Daten und verarbeitet sie zu Risikokarten. „Es handelt sich um ein entscheidendes Instrument, um die künftige Entwicklung dieser Küstengebiete sichtbar und messbar zu machen und Maßnahmen gegen die Wasserknappheit gezielter zu planen“, betont Vincenzi.

Die gemeinsame Arbeit soll zeigen, wie Küstenregionen angesichts von Klimawandel, Dürre und zunehmender Versalzung ihre Wasserressourcen besser schützen können. Am 1. Oktober steht das Thema auch beim International Water Summit im Rahmen des Euromediterranen Wasserforums im Mittelpunkt. Dabei geht es insbesondere um Forschung und internationale Zusammenarbeit bei der Bewältigung der Wasserprobleme im Mittelmeerraum.

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